Pablo Picasso, Werbung und Das Leiden an der Welt

don mudra 14:12
Pablo Picasso, Werbung
und
Das Leiden an der Welt
Fiktives Gespräch
von Don Mudra 2007
Herzlich willkommen bei Amor Fati. Heute mal nicht in gewohnter Umgebung. Der
Grund ist mir nicht bekannt und ich will ihn auch nicht wissen. Ich werde mich heute
im oder am Bett mit Don Mudra unterhalten. Der liegt schon da und wartet auf seine
Medikamente.Ich habe da schon mal was vorbereitet und werde jetzt mit der
Medikamentation beginnen. Bitte absolute Ruhe.
Oh ja, vielen Dank Schwester Mudra. ( Don kifft)
Lieber Don, wir wollen nicht wissen warum Du heute im Bett liegst, sonder lieber
wissen, wo Du vor genau 10 Tagen Abends gegen 20 Uhr warst?
Ich war im Auftrag der Literatur unterwegs. Bei starkem Regen
und ziemlich nüchtern.
Was genau meint “ziemlich nüchtern”?
Na ja, ich war auf Nico Spindlers Performance im
“Kulturreich”. Der Laden ist in der Wexstraße am
Großneumarkt.Kurz bevor ich mit dem Bus dorthin fuhr, habe ich
mir mein Papprohr (Papprohr in die Kamera halten) mit
Haschisch gegeben. Gut, also raus aus meiner lieben, kleinen
Behausung, rein in den Bus, raus am Axel Springer Platz und
rein in das “Kulturreich”.
Aha, die ” Raus – Rein” Taktik.
Genau dette. Als ich das Kulturreich betrat, war mir klar,
hier wird nicht gekifft. Zu hell und nur Alkoholiker im Raum.
Als die Veranstalterin dann das Programm ansagte, erwähnte sie
noch die Möglichkeit zum Verzehr von Speisen und legalen
Drogen. Sie sagte wirklich legale Drogen. Also packte ich
meine Haschpfeife nicht aus.
Und das ging.
Klar, ich war schon gut bekifft und es sollte sich heraus
stellen, das es besser so war.
Wie meinst Du das?
Weil sich nach Nicos Programm noch eine Diskussion
entwickelte, bei der alle meine acht Sinne brauchte.
Was für ein Thema?
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Ich erzähle mal der Reihe nach.Das Kulturreich ist eine
Galerie, Café und jeden Donnerstag gibt es im Salon ein
Programm. Mal Lesung oder Performance oder Gespräche.In den
hinteren Räumen waren noch Büroräume.Die Betreiberinnen des
Kulturreich haben dort die Firma, Kommunikation und tralllalla
Design oder so ähnlich. Ich denke das ist eine
Werbeagentur.
An den Wänden waren Fotos und Zeichnungen, sehr gut gemacht,
gefielen mir. Alle Objekte waren mit Preisschildern versehen
und man konnte T-Shirts und Buttons erwerben und in dem Mini
Bistro Speisen und Getränke. Die Räumlichkeiten waren wirklich
geschmackvoll und edel.Die meisten Gäste waren ehemalige
Kollegen mit Chef von Meister Spindler. Welche Branche willst
Du wissen? Klaro, Werbung und Internet. Mit anderen Worten,
ich war in bester Gesellschaft.
Ja und?
Nach Nicos Performance waren nur noch der Ex-Chef, die Ex-
Kollegen, die Service-Kraft und die beiden Inhaberinnen da.
Lange Rede , kurzer Sinn, es ergab sich ein Gespräch zum
Thema Werbung und Datenschutz im Internet. Meine These
lautete: Werbung ist eines der Grundübel der Gesellschaft und
ganz besonders die Tabak-und Alkoholwerbung, die ganz gezielt
Werbung macht, die Kinder und Jugendliche anspricht.Vom Frauen
verachtenden Sexismus in der Werbung sprach ich nicht mal und
meine Meinung zu Google, MySpace und Co. kennst Du ja.
Mein lieber Don, da warst Du ja genau richtig.
Und wie. Ich möchte nur drei der Gegenargumente erwähnen, die
mich auf die Palme brachten. Der Ex-Chef, wollte mir mit
vollem Ernst verklickert, das die Tabakindustrie ungeheuer
Anstrengungen unternimmt, finanziell und Ideell, um Kinder und
Jugendliche vom Rauchen abzuhalten. Er selber war bei solchen
Gesprächen der Tabakindustrie schon anwesend. Er meinte,
Werbung weckt Wünsche bei den Menschen, und wenn diese Wünsche
erfüllt werden, sind die Konsumenten glücklich.Ich dachte
immer Werbung weckt Wünsche, die vorher nicht da waren und
deshalb entstehen überflüssige Produkte ohne Nutzwert. Erst
die Werbung verleiht den Produkten ihre Bedeutung. Es war an
der Zeit, ein Zeichen zu setzten. Ich war bereit meine
Gesinnung offen zulegen und ich sagte in die Runde: Je länger
ich mir das Wirtschaftsleben anschauen muss, um so öfter nehme
ich das Wort “Enteignung” in den Mund. Bei diesem Wort mussten
alle erzittern und schlugen mir das nächste Pro Werbung
Argument um die Ohren.Dazwischen erklärte ich meinen Partei
Eintritt bei der Links Partei. Darauf ging Inhaberin 2 nicht
ein. Sie ist in der DDR Sozialisiert und kann so etwas nicht
ernst nehmen. Sie verneinte kategorisch den Zusammenhang
zwischen Nikotin und Sucht und meinte, wer anfängt zu rauchen,
der kann auch wieder aufhören zu rauchen. Rauchen ist keine
Sucht, schrie sie mir entgegen und schließlich sind die Eltern
Verantwortlich dafür, ob ihre Kinder süchtig werden oder
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nicht. Die Eltern müssen ihren kleinen Rackern Werte und
Normen beibringen und alles ist gut.
Das ist harter Tobak.
Die Servicekraft war auf meiner Seite und der Ex-Chef
betrachtete mich ungläubig und mitleidig und versuchte auf die
Kumpeltour, mich milde zu stimmen. Inhaberin 2 ritt auf die
Verantwortung der Eltern herum und ich rief, das die
Werbeindustrie genauso Verbrecher sind, wie die Energie-und
Erdölindustrie, die Telekommunikation die Waffenindustrie und
die Banken. Von nun an betrachteten die Pro – Werbung
-menschen mich wie einen armen irren.
Das glaube ich. Wenn ich Werbung definiere, als “Versuch der zwang freien
Meinungsbeeinflussung durch besondere Kommunikationsmittel”, dann hast Du aber
Recht.
Was für einen Nutzen hat Werbung, die früher noch Reklame
hieß, für den Menschen? Ich sage es Dir: Keinen Nutzen! Von
Produktinformation kann man nicht reden bei Werbung. Werbung
ist alltäglich, Werbung ist überall, Werbung ist
selbstverständlich! So sieht es aus, aber ist das richtig?
Das sehe ich allerdings auch so. Ich brauche nur aus dem Haus zu gehen und schon
geht das Werben los. An der Litfaßsäule, an der Plakatwand, an den Bussen und
Lkws, an den “Stadtmöbeln”, an den Bushaltestellen usw.. Ich finde es auch
unmöglich, wenn ich mir eine Kinokarte kaufe,das ich mir 20-30 Minuten Werbung
ansehen muss.Die Kinokarte ist doch schon bezahlt.
Da siehst Du, das Werbung überall ist und als völlig
selbstverständlich hingenommen wird. Ich sage Dir folgendes:
In unserer Gesellschaft gibt es keine Bürger mehr sondern nur
noch Konsumenten. Selbst der Empfang der deutschen Botschaft
in Rom zum Tag der Deutschen Einheit wurde mit einem Dank an
eine Autofirma eröffnet, deren Produkte den Eingang
schmückten. Mehr braucht man eigentlich nicht zu sagen oder?
Nein, da bin ich anderer Meinung. Bei Dir ist Kritik an der Werbung gleich
Kapitalismuskritik. Die Realität ist aber, das wir einkaufen müssen und das Werbung
den grundrechtlichen Schutz der Meinungsäußerung und der Berufsausübung
genießt.
Hört, hört, der Realist hat gesprochen. Dann weißt Du auch, wo
Rechte sind, da sind die Pflichten nicht weit.Ich zitiere den
Deutschen Werberat, der sich zur Pflicht gemacht hat, das…
“Darstellungen und Aussagen in der Werbung dürfen nicht die
Menschenwürde und das allgemeine Anstandsgefühl verletzen und
bestimmte Personen oder Personengruppen nicht herabwürdigen
oder verächtlich machen. Zur Beachtung dieser Grundsätze zählt
insbesondere auch, dass bei der Darstellung von Personen in
der Werbung sexuell aufreizende Abbildungen oder Texte
unterlassen werden.” Und bist Du der Meinung, das die Werbung
frei von sexuell aufreizenden Darstellungen ist.
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Nee.
Na siehst Du, “Sex sells” am besten. Zur Zeit super sexy, die
C&A Werbung für Dessous an Bushaltestellen und Plakatwänden
und neu dazu gekommen, die H&M Werbung auch für Unterwäsche.
Und diese Werbung ist noch geiler. Das Supermodell in Sexy
Dessous, von oben fotografiert, fleht den Betrachter förmlich
an: Los, nimm mich, mach was Du willst mit mir, ich bin nur
eine Frau. Oder die obergeile Werbung von “Palmer”. Ich
wissen wie das geht. Eine raffinierte Verbindung von Sex und
Sexismus und Ästhetik und Erotik. Mit dieser Betont Erotischen
Werbung, hat “Palmers” einen riesigen Bekanntheitsgrad
beschert. 24 Millionen Zugriffe monatlich hat die Homepage von
“Palmers”. Mich ärgert diese Werbung ungemein. Wie
frauenfeindlich und sexistisch und diskriminierend das ist.
Ich finde die Werbung gut. Klasse Frauen in Dessous und Du bist keine Frau, also
reg Dich ab.
Hör mal gut zu: Für mich ist Frauenfeindlichkeit das gleiche
oder selbe wie Ausländerfeindlichkeit oder Männerfeindlich.
Die Calvin Kleins und wie die tollen Unterhosenmacher alle
heißen, machen sexistische Werbung mit Männern. Oder noch
extremer, die Penner von Dolce&Gabbana, in der nicht nur die
Frau als Sex – Objekt dargestellt wird, nein, auch die Männer
werden als eine Bande brutaler, geiler Machos dargestellt.
Hier das Foto der Werbung. Das alles sieht Hans und Franz -
entschuldige bitte Hanns – und rennt in die Muckibude, weil er
auch so einen Waschbrettbauch will und übt vor dem heimischen
Spiegel den super coolen Gesichtsausdruck. Beobachte mal 15 -
18 Jährige Jungs und achte mal darauf, wie cool die Jungs
gucken können. Das macht mich so an, das ich lachen muss und
wo kommen wohl die vielen Magersüchtigen Mädchen, Frauen und
mittlerweile auch Jungs und Männer her?
Du übertreibst!
Ok, Du willst es nicht anders: Hier einige Fakten: Der
Internationale Suchtstoffkontrollrat (INCB) der Vereinten
Nationen hat in seinem Jahresbericht 2006 festgestellt, das
der weltweite Missbrauch von rezeptpflichtigen Medikamenten
auf dem besten Weg ist, den Missbrauch von illegalen Drogen zu
übertreffen. In den USA übertrifft der Missbrauch von
verschreibungspflichtigen Medikamenten schon den von illegalen
Drogen. Mit Ausnahme von Cannabis. Und besonders warnt das UN
- Gremium vor den Schlankheitspillen, die in vielen Ländern
ohne Probleme zubekommen sind. Auf die Liste der zu
verstaatlichen Industrien, muss zu den vorhin schon erwähnten
Verbrecherindustrien, unbedingt auch die Pharmaindustrie.
Also, Freiheit oder Sozialismus. Werbung ist nur in einer freiheitlichen Gesellschaft
möglich.
Das hört sich nach dem CDU Parteitag an. Wir sind die Mitte
und demokratischer Sozialismus “..führt in den
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Totalitarismus”, sagt Frau Merkel. Vor einigen Jahren sagte
das auch Gerhard Schröder, das mit der Mitte. Was bedeutet
eigentlich: “Wir sind die Mitte”.? Ich sage es Dir: Wenn ich
in der Mitte bin, geht es nicht mehr weiter. Ich kann nur
wieder zurück an den Rand. Wirtschaftlich betrachtet, sind an
den Rändern die Randgruppen. Wenn ich die Mitte bin, will ich
mit den Rändern nichts zu tun haben. Das bedeutet Mainstream
und Popularität und das ist gleich Mittelmäßigkeit. Die
Mehrheit der Gesellschaft steht in der Mitte und sieht nicht
oder will nicht den Rand sehen. Und genau das sind die
Politiker und die Politik der letzten 3 Jahrzehnte und die
Gesellschaft hat sich auch dahin entwickelt.
Gut, wie kriegen wir jetzt elegant die Kurve zur Kunst?
Na ja, der Ausgangspunkt ist das “Kulturreich”gewesen, wo
Kunst und Werbung zuhause sind. Das finde ich nicht schlimm
und es liegt mir fern, das “Kulturreich” zu kritisieren. Ich
empfehle ausdrücklich diesen Laden. Lecker Essen, nette
Inhaberinnen und Servicekraft und interessante Kunst an den
Wänden. Das wollte ich nochmal ausdrücklich betonen. Ich
kritisiere das zunehmende Kultursponsoring bei jeder Art von
Veranstaltung und sehe das mit Besorgnis, wenn ich das mal so
elegant formulieren darf. Kein Ausstellungskatalog ohne
Firmenlogo, kein Gastspiel ohne Hinweis auf den Hauptsponsor
und sogar die Politik begibt sich in die Niederungen des
Sponsorings. Beispiel die Deutsche Botschaft in Rom.
Wenn die Kulturausgaben von Bund, Ländern und Gemeinden seit Jahren
stagnieren, ist das kein Wunder.
Die Ausgaben stagnieren, bzw. sie sinken eigentlich, weil
alles teurer wird. Aber 8 Milliarden Euro Ausgaben für die
Kultur ist schon ordentlich. Kunst und Geld ist schon ein
befremdlicher Zusammenhang. Willst Du wissen, was Picasso mal
gesagt hat?
Nein.
Er sagte 1935 folgendes:” Museen sind nichts weiter als ein
Haufen Lügen, und die Leute, die aus der Kunst ein Geschäft
machen, sind meistens Betrüger”.
Da war Picasso aber schon ein reicher Mann!
1937 hat Picasso für den spanischen Pavillon der
Weltausstellung das Bild “Guernica” gemalt. Die Baskische
Stadt Guernica wurde am 26. 4. 1937 im spanischen Bürgerkrieg
von der Legion Condor zerstört. Die Legion Condor bestand aus
Verbänden der deutschen Wehrmacht, die im spanischen
Bürgerkrieg an der Seite Francos kämpften. Aus dem gleichen
Jahr ist auch folgenden Ausspruch von Picasso, den ich aus dem
Zusammenhang gerissen habe:”…nein, Malerei ist nicht dazu
da, um Apartments zu schmücken. Sie ist eine Waffe zum Angriff
und Verteidigung gegen den Feind”.
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Na gut, wie hält es denn der brave Künstler mit dem Geld?
Es gibt keine objektiven Maßstäbe für Kunst. Punkt. Wer Kunst
nach materiellen Aspekten bewertet, ist meist ein Betrüger,
wie Picasso sagt. Kunst kommt nicht von Kaufen, Kunst kommt
auch nicht von Können oder von Künden. Für mich ist Kunst
folgendes: “Jeder freie Mensch ist kreativ. Da Kreativität
einen Künstler ausmacht, folgt: Nur wer Künstler ist ist
Mensch….Jeder Mensch ist ein Künstler.” Das hat Joseph Beuys
gesagt und ich sage es auch so. Und alles andere ist keine
Kunst sondern Lüge! Kunstmessen, Kunstausstellungen, Museen,
Kunstversteigerungen, Theater, Film, Literatur usw. ist alles
Lüge. Ich benutze die Worte Lüge und Betrüger, im Geist von
Picasso. Philosophisch.
Hör auf damit. Alles Lüge, was heißt das?
Ausgehend von der These:” Kunst ist die schöpferische
Tätigkeit der Natur im Menschen. Sie entspringt einem
Grundtrieb des Menschen und ist seit Urzeiten eines der
wichtigsten Ausdrucksmittel”, nach der Aussage von Beuys,
dient Kunst einzig nur dem Künstler selber. Das künstlerische
Tun ist Befriedigung genug für den Künstler und jede andere
Anerkennung der Kunst durch Menschen mittels Beachtung,
Bewunderung und Bezahlung ist keine Kunst. Basta!
Das heißt, Kunst ist nicht käuflich.
Genau. Ich bin mir nicht sicher, ob manche große Meisterwerke,
inhaltlich die Überzeugung des Künstlers spiegeln oder
vielleicht doch nur dem Geschmack des Auftraggebers. Aber der
weitaus wichtigere Punkt ist: Kunst und Geschäft ist
unmoralisch. Die Käufer von Kunst sind Betrüger und Lügner, im
philosophischen Sinne und damit meine ich Kunstsammler,
Galeristen, Museen, Spekulanten, Kunstbeauftragte,
Kunsthochschulen, Kunstlehrer, Kunststudenten usw..
Kunst ist das also Tun und sonst nüschte.
Ja genau, Kunst als Selbstzweck und nicht als eine Ware, die
Beglaubigungsschreiben, Zeugnisse, Bewertungen, Testate
braucht. Erklärungen, Beschreibungen, Einordnungen und
Kritiken braucht die Kunst genauso wenig.
Das ist Radikal.
Ach was, halb so schlimm. Wenn ich jemanden kennenlerne und
nach dem Beruf frage und der oder diejenige sagt dann: “Ich
mache Kunst!” Dann frage ich:”Und wer macht´s wieder weg?”
Sehr lustig aber lassen wir das, das führt nur wieder zu Streitereien.
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Na und. Streiten macht doch Spaß und wenn Du machst was Ich
will, haben wir keine Probleme.
Ha, ha, ha. So hättest Du das gerne. Aber jetzt möchte ich doch wissen, warum Du
im Bett liegst?
Das ist so eine Art Krise, die mich antriebslos und
nachdenklich macht.
Aber hoffentlich kein “Leiden an der Welt und überhaupt”.
Doch, doch, doch. Mit den Wörtern “Leiden an der Welt” ist es
schon treffend beschrieben. Meine einzige Infoquelle zur Welt
ist das Radio. Kein TV, keine Zeitung und Illustrierte..
Na, na, na. Du bist doch dreimal die Woche im UKE zur Zahnbehandlung und liest
beim Warten die Brigitte.
Ja, das stimmt. Aber ich warte nie lange und kann kaum was
lesen vor lauter Bildern. Hier übrigens meine neue Brücke über
vier Zähne mit Gruppenführung, von Frau Yavari gemacht.
Gefällt mir sehr gut und ich kann wieder kraftvoll zubeißen.
Schön, schön. Aber bitte weiter mit deinem “Leiden an der Welt”.
Jo, mach ich. Also, wie sage ich es am besten.
Mit deinen Worten.
Ok, aber vorher noch ein Rätsel. Was ist das: “Alle verwunden
und die letzte tötet?”
Ich weiß es! Jemand von Euch? Nein. Ich sage es: Die Stunden!
Zurück zum “Leiden an der Welt”. Wie kann ich mich als Mensch
anständig verhalten, gegenüber den großen Themen der Welt, die
mir das Radio um die Ohren haut? Ich zähle mal auf:
Klimaschutz, Datenschutz, Akustische Wohnraumüberwachung,
Lauschangriff, Überwachungsstaat, Irak, Afghanistan,
Selbstmord – Attentäter, Streumunition, Postmindestlohn,
Rekordgewinne, Rekordverkäufe, Rekordversteigerungen,
Rekordsparguthaben, Massenentlassungen, Erdölpreise,
Inflation, Kosovo, Lotto Jackpot, Strompreise, Atomkraftwerke,
Raketenabwehrsystem, Bundesbahnstreik, Privatisierung,
Globalisierung, Nah – Ost – Konflikt, Gazastreifen, Ramallah,
Palästina, Gewinne privatisieren und Verluste sozialisieren,
Rauchverbot, Konsumzurückhaltung, Aktienkurse, DAX,
Kursfeuerwerk, Zinsphantasie, Gewinnwarnung, US – Hypotheken,
Babyleichen in Ost und West………….
Okay, ich glaube das reicht. Wie also kommst Du mit dem Leiden an der Welt klar?
Jetzt Pass gut auf, ich sage das nur einmal.Das einzige Mittel
das Leben zu ertragen ist: Es schön zu finden! 07.12.2007
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Pablo Picasso, WerbungundDas Leiden an der WeltFiktives Gesprächvon Don Mudra 2007Herzlich willkommen bei Amor Fati. Heute mal nicht in gewohnter Umgebung. DerGrund ist mir nicht bekannt und ich will ihn auch nicht wissen. Ich werde mich heuteim oder am Bett mit Don Mudra unterhalten. Der liegt schon da und wartet auf seineMedikamente.Ich habe da schon mal was vorbereitet und werde jetzt mit derMedikamentation beginnen. Bitte absolute Ruhe.Oh ja, vielen Dank Schwester Mudra. ( Don kifft)Lieber Don, wir wollen nicht wissen warum Du heute im Bett liegst, sonder lieberwissen, wo Du vor genau 10 Tagen Abends gegen 20 Uhr warst?Ich war im Auftrag der Literatur unterwegs. Bei starkem Regenund ziemlich nüchtern.Was genau meint “ziemlich nüchtern”?Na ja, ich war auf Nico Spindlers Performance im”Kulturreich”. Der Laden ist in der Wexstraße amGroßneumarkt.Kurz bevor ich mit dem Bus dorthin fuhr, habe ichmir mein Papprohr (Papprohr in die Kamera halten) mitHaschisch gegeben. Gut, also raus aus meiner lieben, kleinenBehausung, rein in den Bus, raus am Axel Springer Platz undrein in das “Kulturreich”.Aha, die ” Raus – Rein” Taktik.Genau dette. Als ich das Kulturreich betrat, war mir klar,hier wird nicht gekifft. Zu hell und nur Alkoholiker im Raum.Als die Veranstalterin dann das Programm ansagte, erwähnte sienoch die Möglichkeit zum Verzehr von Speisen und legalenDrogen. Sie sagte wirklich legale Drogen. Also packte ichmeine Haschpfeife nicht aus.Und das ging.Klar, ich war schon gut bekifft und es sollte sich herausstellen, das es besser so war.Wie meinst Du das?Weil sich nach Nicos Programm noch eine Diskussionentwickelte, bei der alle meine acht Sinne brauchte.Was für ein Thema?1Ich erzähle mal der Reihe nach.Das Kulturreich ist eineGalerie, Café und jeden Donnerstag gibt es im Salon einProgramm. Mal Lesung oder Performance oder Gespräche.In denhinteren Räumen waren noch Büroräume.Die Betreiberinnen desKulturreich haben dort die Firma, Kommunikation und tralllallaDesign oder so ähnlich. Ich denke das ist eineWerbeagentur.An den Wänden waren Fotos und Zeichnungen, sehr gut gemacht,gefielen mir. Alle Objekte waren mit Preisschildern versehenund man konnte T-Shirts und Buttons erwerben und in dem MiniBistro Speisen und Getränke. Die Räumlichkeiten waren wirklichgeschmackvoll und edel.Die meisten Gäste waren ehemaligeKollegen mit Chef von Meister Spindler. Welche Branche willstDu wissen? Klaro, Werbung und Internet. Mit anderen Worten,ich war in bester Gesellschaft.Ja und?Nach Nicos Performance waren nur noch der Ex-Chef, die Ex-Kollegen, die Service-Kraft und die beiden Inhaberinnen da.Lange Rede , kurzer Sinn, es ergab sich ein Gespräch zumThema Werbung und Datenschutz im Internet. Meine Theselautete: Werbung ist eines der Grundübel der Gesellschaft undganz besonders die Tabak-und Alkoholwerbung, die ganz gezieltWerbung macht, die Kinder und Jugendliche anspricht.Vom Frauenverachtenden Sexismus in der Werbung sprach ich nicht mal undmeine Meinung zu Google, MySpace und Co. kennst Du ja.Mein lieber Don, da warst Du ja genau richtig.Und wie. Ich möchte nur drei der Gegenargumente erwähnen, diemich auf die Palme brachten. Der Ex-Chef, wollte mir mitvollem Ernst verklickert, das die Tabakindustrie ungeheuerAnstrengungen unternimmt, finanziell und Ideell, um Kinder undJugendliche vom Rauchen abzuhalten. Er selber war bei solchenGesprächen der Tabakindustrie schon anwesend. Er meinte,Werbung weckt Wünsche bei den Menschen, und wenn diese Wünscheerfüllt werden, sind die Konsumenten glücklich.Ich dachteimmer Werbung weckt Wünsche, die vorher nicht da waren unddeshalb entstehen überflüssige Produkte ohne Nutzwert. Erstdie Werbung verleiht den Produkten ihre Bedeutung. Es war ander Zeit, ein Zeichen zu setzten. Ich war bereit meineGesinnung offen zulegen und ich sagte in die Runde: Je längerich mir das Wirtschaftsleben anschauen muss, um so öfter nehmeich das Wort “Enteignung” in den Mund. Bei diesem Wort musstenalle erzittern und schlugen mir das nächste Pro WerbungArgument um die Ohren.Dazwischen erklärte ich meinen ParteiEintritt bei der Links Partei. Darauf ging Inhaberin 2 nichtein. Sie ist in der DDR Sozialisiert und kann so etwas nichternst nehmen. Sie verneinte kategorisch den Zusammenhangzwischen Nikotin und Sucht und meinte, wer anfängt zu rauchen,der kann auch wieder aufhören zu rauchen. Rauchen ist keineSucht, schrie sie mir entgegen und schließlich sind die ElternVerantwortlich dafür, ob ihre Kinder süchtig werden oder2nicht. Die Eltern müssen ihren kleinen Rackern Werte undNormen beibringen und alles ist gut.Das ist harter Tobak.Die Servicekraft war auf meiner Seite und der Ex-Chefbetrachtete mich ungläubig und mitleidig und versuchte auf dieKumpeltour, mich milde zu stimmen. Inhaberin 2 ritt auf dieVerantwortung der Eltern herum und ich rief, das dieWerbeindustrie genauso Verbrecher sind, wie die Energie-undErdölindustrie, die Telekommunikation die Waffenindustrie unddie Banken. Von nun an betrachteten die Pro – Werbung-menschen mich wie einen armen irren.Das glaube ich. Wenn ich Werbung definiere, als “Versuch der zwang freienMeinungsbeeinflussung durch besondere Kommunikationsmittel”, dann hast Du aberRecht.Was für einen Nutzen hat Werbung, die früher noch Reklamehieß, für den Menschen? Ich sage es Dir: Keinen Nutzen! VonProduktinformation kann man nicht reden bei Werbung. Werbungist alltäglich, Werbung ist überall, Werbung istselbstverständlich! So sieht es aus, aber ist das richtig?Das sehe ich allerdings auch so. Ich brauche nur aus dem Haus zu gehen und schongeht das Werben los. An der Litfaßsäule, an der Plakatwand, an den Bussen undLkws, an den “Stadtmöbeln”, an den Bushaltestellen usw.. Ich finde es auchunmöglich, wenn ich mir eine Kinokarte kaufe,das ich mir 20-30 Minuten Werbungansehen muss.Die Kinokarte ist doch schon bezahlt.Da siehst Du, das Werbung überall ist und als völligselbstverständlich hingenommen wird. Ich sage Dir folgendes:In unserer Gesellschaft gibt es keine Bürger mehr sondern nurnoch Konsumenten. Selbst der Empfang der deutschen Botschaftin Rom zum Tag der Deutschen Einheit wurde mit einem Dank aneine Autofirma eröffnet, deren Produkte den Eingangschmückten. Mehr braucht man eigentlich nicht zu sagen oder?Nein, da bin ich anderer Meinung. Bei Dir ist Kritik an der Werbung gleichKapitalismuskritik. Die Realität ist aber, das wir einkaufen müssen und das Werbungden grundrechtlichen Schutz der Meinungsäußerung und der Berufsausübunggenießt.Hört, hört, der Realist hat gesprochen. Dann weißt Du auch, woRechte sind, da sind die Pflichten nicht weit.Ich zitiere denDeutschen Werberat, der sich zur Pflicht gemacht hat, das…”Darstellungen und Aussagen in der Werbung dürfen nicht dieMenschenwürde und das allgemeine Anstandsgefühl verletzen undbestimmte Personen oder Personengruppen nicht herabwürdigenoder verächtlich machen. Zur Beachtung dieser Grundsätze zähltinsbesondere auch, dass bei der Darstellung von Personen inder Werbung sexuell aufreizende Abbildungen oder Texteunterlassen werden.” Und bist Du der Meinung, das die Werbungfrei von sexuell aufreizenden Darstellungen ist.3Nee.Na siehst Du, “Sex sells” am besten. Zur Zeit super sexy, dieC&A Werbung für Dessous an Bushaltestellen und Plakatwändenund neu dazu gekommen, die H&M Werbung auch für Unterwäsche.Und diese Werbung ist noch geiler. Das Supermodell in SexyDessous, von oben fotografiert, fleht den Betrachter förmlichan: Los, nimm mich, mach was Du willst mit mir, ich bin nureine Frau. Oder die obergeile Werbung von “Palmer”. Ichwissen wie das geht. Eine raffinierte Verbindung von Sex undSexismus und Ästhetik und Erotik. Mit dieser Betont ErotischenWerbung, hat “Palmers” einen riesigen Bekanntheitsgradbeschert. 24 Millionen Zugriffe monatlich hat die Homepage von”Palmers”. Mich ärgert diese Werbung ungemein. Wiefrauenfeindlich und sexistisch und diskriminierend das ist.Ich finde die Werbung gut. Klasse Frauen in Dessous und Du bist keine Frau, alsoreg Dich ab.Hör mal gut zu: Für mich ist Frauenfeindlichkeit das gleicheoder selbe wie Ausländerfeindlichkeit oder Männerfeindlich.Die Calvin Kleins und wie die tollen Unterhosenmacher alleheißen, machen sexistische Werbung mit Männern. Oder nochextremer, die Penner von Dolce&Gabbana, in der nicht nur dieFrau als Sex – Objekt dargestellt wird, nein, auch die Männerwerden als eine Bande brutaler, geiler Machos dargestellt.Hier das Foto der Werbung. Das alles sieht Hans und Franz -entschuldige bitte Hanns – und rennt in die Muckibude, weil erauch so einen Waschbrettbauch will und übt vor dem heimischenSpiegel den super coolen Gesichtsausdruck. Beobachte mal 15 -18 Jährige Jungs und achte mal darauf, wie cool die Jungsgucken können. Das macht mich so an, das ich lachen muss undwo kommen wohl die vielen Magersüchtigen Mädchen, Frauen undmittlerweile auch Jungs und Männer her?Du übertreibst!Ok, Du willst es nicht anders: Hier einige Fakten: DerInternationale Suchtstoffkontrollrat (INCB) der VereintenNationen hat in seinem Jahresbericht 2006 festgestellt, dasder weltweite Missbrauch von rezeptpflichtigen Medikamentenauf dem besten Weg ist, den Missbrauch von illegalen Drogen zuübertreffen. In den USA übertrifft der Missbrauch vonverschreibungspflichtigen Medikamenten schon den von illegalenDrogen. Mit Ausnahme von Cannabis. Und besonders warnt das UN- Gremium vor den Schlankheitspillen, die in vielen Ländernohne Probleme zubekommen sind. Auf die Liste der zuverstaatlichen Industrien, muss zu den vorhin schon erwähntenVerbrecherindustrien, unbedingt auch die Pharmaindustrie.Also, Freiheit oder Sozialismus. Werbung ist nur in einer freiheitlichen Gesellschaftmöglich.Das hört sich nach dem CDU Parteitag an. Wir sind die Mitteund demokratischer Sozialismus “..führt in den4Totalitarismus”, sagt Frau Merkel. Vor einigen Jahren sagtedas auch Gerhard Schröder, das mit der Mitte. Was bedeuteteigentlich: “Wir sind die Mitte”.? Ich sage es Dir: Wenn ichin der Mitte bin, geht es nicht mehr weiter. Ich kann nurwieder zurück an den Rand. Wirtschaftlich betrachtet, sind anden Rändern die Randgruppen. Wenn ich die Mitte bin, will ichmit den Rändern nichts zu tun haben. Das bedeutet Mainstreamund Popularität und das ist gleich Mittelmäßigkeit. DieMehrheit der Gesellschaft steht in der Mitte und sieht nichtoder will nicht den Rand sehen. Und genau das sind diePolitiker und die Politik der letzten 3 Jahrzehnte und dieGesellschaft hat sich auch dahin entwickelt.Gut, wie kriegen wir jetzt elegant die Kurve zur Kunst?Na ja, der Ausgangspunkt ist das “Kulturreich”gewesen, woKunst und Werbung zuhause sind. Das finde ich nicht schlimmund es liegt mir fern, das “Kulturreich” zu kritisieren. Ichempfehle ausdrücklich diesen Laden. Lecker Essen, netteInhaberinnen und Servicekraft und interessante Kunst an denWänden. Das wollte ich nochmal ausdrücklich betonen. Ichkritisiere das zunehmende Kultursponsoring bei jeder Art vonVeranstaltung und sehe das mit Besorgnis, wenn ich das mal soelegant formulieren darf. Kein Ausstellungskatalog ohneFirmenlogo, kein Gastspiel ohne Hinweis auf den Hauptsponsorund sogar die Politik begibt sich in die Niederungen desSponsorings. Beispiel die Deutsche Botschaft in Rom.Wenn die Kulturausgaben von Bund, Ländern und Gemeinden seit Jahrenstagnieren, ist das kein Wunder.Die Ausgaben stagnieren, bzw. sie sinken eigentlich, weilalles teurer wird. Aber 8 Milliarden Euro Ausgaben für dieKultur ist schon ordentlich. Kunst und Geld ist schon einbefremdlicher Zusammenhang. Willst Du wissen, was Picasso malgesagt hat?Nein.Er sagte 1935 folgendes:” Museen sind nichts weiter als einHaufen Lügen, und die Leute, die aus der Kunst ein Geschäftmachen, sind meistens Betrüger”.Da war Picasso aber schon ein reicher Mann!1937 hat Picasso für den spanischen Pavillon derWeltausstellung das Bild “Guernica” gemalt. Die BaskischeStadt Guernica wurde am 26. 4. 1937 im spanischen Bürgerkriegvon der Legion Condor zerstört. Die Legion Condor bestand ausVerbänden der deutschen Wehrmacht, die im spanischenBürgerkrieg an der Seite Francos kämpften. Aus dem gleichenJahr ist auch folgenden Ausspruch von Picasso, den ich aus demZusammenhang gerissen habe:”…nein, Malerei ist nicht dazuda, um Apartments zu schmücken. Sie ist eine Waffe zum Angriffund Verteidigung gegen den Feind”.5Na gut, wie hält es denn der brave Künstler mit dem Geld?Es gibt keine objektiven Maßstäbe für Kunst. Punkt. Wer Kunstnach materiellen Aspekten bewertet, ist meist ein Betrüger,wie Picasso sagt. Kunst kommt nicht von Kaufen, Kunst kommtauch nicht von Können oder von Künden. Für mich ist Kunstfolgendes: “Jeder freie Mensch ist kreativ. Da Kreativitäteinen Künstler ausmacht, folgt: Nur wer Künstler ist istMensch….Jeder Mensch ist ein Künstler.” Das hat Joseph Beuysgesagt und ich sage es auch so. Und alles andere ist keineKunst sondern Lüge! Kunstmessen, Kunstausstellungen, Museen,Kunstversteigerungen, Theater, Film, Literatur usw. ist allesLüge. Ich benutze die Worte Lüge und Betrüger, im Geist vonPicasso. Philosophisch.Hör auf damit. Alles Lüge, was heißt das?Ausgehend von der These:” Kunst ist die schöpferischeTätigkeit der Natur im Menschen. Sie entspringt einemGrundtrieb des Menschen und ist seit Urzeiten eines derwichtigsten Ausdrucksmittel”, nach der Aussage von Beuys,dient Kunst einzig nur dem Künstler selber. Das künstlerischeTun ist Befriedigung genug für den Künstler und jede andereAnerkennung der Kunst durch Menschen mittels Beachtung,Bewunderung und Bezahlung ist keine Kunst. Basta!Das heißt, Kunst ist nicht käuflich.Genau. Ich bin mir nicht sicher, ob manche große Meisterwerke,inhaltlich die Überzeugung des Künstlers spiegeln odervielleicht doch nur dem Geschmack des Auftraggebers. Aber derweitaus wichtigere Punkt ist: Kunst und Geschäft istunmoralisch. Die Käufer von Kunst sind Betrüger und Lügner, imphilosophischen Sinne und damit meine ich Kunstsammler,Galeristen, Museen, Spekulanten, Kunstbeauftragte,Kunsthochschulen, Kunstlehrer, Kunststudenten usw..Kunst ist das also Tun und sonst nüschte.Ja genau, Kunst als Selbstzweck und nicht als eine Ware, dieBeglaubigungsschreiben, Zeugnisse, Bewertungen, Testatebraucht. Erklärungen, Beschreibungen, Einordnungen undKritiken braucht die Kunst genauso wenig.Das ist Radikal.Ach was, halb so schlimm. Wenn ich jemanden kennenlerne undnach dem Beruf frage und der oder diejenige sagt dann: “Ichmache Kunst!” Dann frage ich:”Und wer macht´s wieder weg?”Sehr lustig aber lassen wir das, das führt nur wieder zu Streitereien.6Na und. Streiten macht doch Spaß und wenn Du machst was Ichwill, haben wir keine Probleme.Ha, ha, ha. So hättest Du das gerne. Aber jetzt möchte ich doch wissen, warum Duim Bett liegst?Das ist so eine Art Krise, die mich antriebslos undnachdenklich macht.Aber hoffentlich kein “Leiden an der Welt und überhaupt”.Doch, doch, doch. Mit den Wörtern “Leiden an der Welt” ist esschon treffend beschrieben. Meine einzige Infoquelle zur Weltist das Radio. Kein TV, keine Zeitung und Illustrierte..Na, na, na. Du bist doch dreimal die Woche im UKE zur Zahnbehandlung und liestbeim Warten die Brigitte.Ja, das stimmt. Aber ich warte nie lange und kann kaum waslesen vor lauter Bildern. Hier übrigens meine neue Brücke übervier Zähne mit Gruppenführung, von Frau Yavari gemacht.Gefällt mir sehr gut und ich kann wieder kraftvoll zubeißen.Schön, schön. Aber bitte weiter mit deinem “Leiden an der Welt”.Jo, mach ich. Also, wie sage ich es am besten.Mit deinen Worten.Ok, aber vorher noch ein Rätsel. Was ist das: “Alle verwundenund die letzte tötet?”Ich weiß es! Jemand von Euch? Nein. Ich sage es: Die Stunden!Zurück zum “Leiden an der Welt”. Wie kann ich mich als Menschanständig verhalten, gegenüber den großen Themen der Welt, diemir das Radio um die Ohren haut? Ich zähle mal auf:Klimaschutz, Datenschutz, Akustische Wohnraumüberwachung,Lauschangriff, Überwachungsstaat, Irak, Afghanistan,Selbstmord – Attentäter, Streumunition, Postmindestlohn,Rekordgewinne, Rekordverkäufe, Rekordversteigerungen,Rekordsparguthaben, Massenentlassungen, Erdölpreise,Inflation, Kosovo, Lotto Jackpot, Strompreise, Atomkraftwerke,Raketenabwehrsystem, Bundesbahnstreik, Privatisierung,Globalisierung, Nah – Ost – Konflikt, Gazastreifen, Ramallah,Palästina, Gewinne privatisieren und Verluste sozialisieren,Rauchverbot, Konsumzurückhaltung, Aktienkurse, DAX,Kursfeuerwerk, Zinsphantasie, Gewinnwarnung, US – Hypotheken,Babyleichen in Ost und West………….Okay, ich glaube das reicht. Wie also kommst Du mit dem Leiden an der Welt klar?Jetzt Pass gut auf, ich sage das nur einmal.Das einzige Mitteldas Leben zu ertragen ist: Es schön zu finden! 07.12.20077


was sagst du dazu

Schluss mit dem Geschwätz! Die christliche Predigt/Religion als Seelenwellness

don mudra 14:08
Schluss mit dem Geschwätz!
Die christliche Predigt/Religion als Seelenwellness
Essay von Don Mudra
4/2008
§166 StGB (1) Wer öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften (§11
Abs. 3) den Inhalt des religiösen oder weltanschaulichen Bekenntnisses
andere in einer Weise beschimpft, die geeignet ist, den öffentlichen
Frieden zu stören, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder
mit Geldstrafe bestraft.
(2) Ebenso wird bestraft, wer öffentlich oder durch Verbreiten von
Schriften (§11 Abs. 3) eine im Inland bestehende Kirche oder andere
Religionsgesellschaften oder Weltanschauungsvereinigungen, ihre
Einrichtungen oder Gebräuche in einer Weise beschimpft, die geeignet
ist, den öffentlichen Frieden zu stören.
Hallo und herzlich willkommen bei Amor Fati am Sonntag. Heute mal
wieder mein Lieblingsthema: Die Religion oder genauer gesagt die
christliche Predigt. Unter www.predigten.de, kann man sich Predigten
zu allen Festtagen und Themen anschauen. Ich verfolge hin und wieder
die Gottesdienste im Deutschland Radio, die dort jeden Sonn- und
Feiertag um 10 Uhr morgens live übertragen werden. Immer im Wechsel,
zwischen Katholischen-und Evangelischen Gottesdienst. Das ist schon
oft harter Stoff der aus dem Radio ertönt und besonders an den
Festtagen, wie Ostern, Pfingsten und Weihnachten. Die sogenannten
“Drei-Tages-Christen”, das sind die Christen, die zu Ostern, Pfingsten
und Weihnachten in die Kirchen gehen, bekommen dann besonders profane
(lat.["nicht geheiligt],weltlich Ggs. Sakral) und belanglose
Predigten zu hören.
An diesen Festtagen sind die Kirchen so voll mit Christen, das die
Kirchenbänke nicht ausreichen und Klappstühle gebraucht werden. Da
freut sich jeder Pfarrer über die volle Kirche und spricht milde zu
dem Publikum, wie zu verloren Töchtern und Söhnen. Der Pfarrer möchte
sein seltenes Publikum nicht verprellen und beginnt seine Predigt am
Heiligen Abend folgendermaßen: “Wie geht es Ihnen jetzt? Sind sie auch
so erschöpft?” oder die Variante:”Ich habe ein Schaf mitgebracht. Ein
Schaf von den Hirten auf dem Feld.”, oder auch schon gehört:”In der
letzten Ausgabe der Kirchenzeitung habe ich etwas gelesen, was mich
auf Anhieb angesprochen hat.”
Diese wohlfühl Sätze wurden am 24. Dezember 2006 irgendwo zwischen
Flensburg und Karlsruhe gepredigt. Dabei unterscheiden sich
Katholische und Evangelische Predigten inhaltlich nicht und regional
auch nicht. Im Osten werden Bibelschafe mit Versuchskaninchen
verglichen, im Süden wird die Taxierung Judäas (in der Antike, der
amtliche Name für den südlich. Teils Palästina) in einem Atemzug mit
der Mehrwertsteuererhöhung genannt, im Westen wird die
Weihnachtsfreude als eine Art Börsengewinn betrachtet und gemutmaßt,
1
das Maria und Josef am Heiligen Abend “auch sehr im Stress waren” und
im Norden wird seitenlang aus der Kirchenzeitung zitiert und über
Fernsehpastor Fliege philosophiert.
In diesem Zusammenhang möchte ich auf den Pastor Senz aus Oberdorla
aufmerksam machen. Er hat seiner unaufmerksamen, plappernden Gemeinde
während des Weihnachtsgottesdienstes erklärt, er lasse sich diese
Mischung aus Oktoberfest und Bauernhochzeit nicht mehr bieten. Klappte
das Buch zu und verließ die Kirche – ohne Vaterunser, ohne Segen.
Die meisten seiner Kollegen und Kolleginnen, haben dazu keinen Mut und
schütteln, wenn der Gottesdienst vorbei ist, an der Kirchentür jedem
einzelnen die Hand. 500 mal “Danke!”, “Gesegnetes Fest!”, “Auf
Wiedersehen!” und 450 mal , das er diese “Gläubigen” erst in einem
Jahr wieder sieht.
Warum ist das so? Liegt es an den Predigten oder muss der Begriff
“Religion” neu definiert werden? Es gibt ja augenscheinlich zwei
Gruppen von “religiösen Christen”: Religion ist bei der einen Gruppe
von Christen, die Einhaltung des Festkalenders. Das sind diese “Drei-
Tage-Christen”, die Religion als Folklore und als eine gewohnte
Alltagsgestaltung betrachten. Die andere Gruppe von Christen ist viel
kleiner. Das sind die Christen, die daran Glauben, das “Christus-Jesus
Gott ist, in Gott sind drei Personen, Gott ist gut und allmächtig und
es gibt nur einen Gott”.
Was ist christlicher Glauben? Ich sage es euch mit folgender
Geschichte: Ein Missionar wird von einem Rudel Löwen angegriffen. Ehe
er in Ohnmacht fällt, spricht er ein Stoßgebet: “Lieber Gott, mach
diese Bestien zu frommen Christen.” Als der Gottesmann sein
Bewusstsein wiedererlangt, haben die Löwen einen Halbkreis um ihn
gebildet und beten: “Komm, Herr Jesu, sei unser Gast und segne was du
uns beschert hast.” So wird Glauben konstruiert, was vorhin noch
unchristlich und falsch war,weil ohne Glauben, ist nun christlich und
richtig, mit Glauben. So werden Normen gemacht.
Alle Jahre wieder Jahren, wird von den Kirchen von einer Wiederkehr
der Religion gesprochen und es wird versucht, das an Hand von
kirchlichen Großveranstaltungen zu belegen. Als Beispiele nenne ich
die Beerdigung von Papst Johannes ??,(die größte Beerdigung weltweit
bisher), dann anschließend die Wahl des neuen Papstes, den
Weltjugendkirchentag in Köln 2006, die vermehrten Pilgerreisen,
Klosterurlaube und die Suche der Menschen nach Spirituellen und
Esoterischen Erfahrungen. Es scheint also so, als ob die Menschen
einen “Metaphysischen Durst” nach diesen Erfahrungen haben. Aber nur
weil es diesen “Metaphysischen Durst” gibt, muss es noch lange keine
“Metaphysische Getränke” geben.
Wenn das religiös sein soll, na bitte. Aber gibt es auch eine
Wiederkehr von radikalen christlichen Religion? Es gibt und besonders
in Amerika, fundamentalistische Strömungen, im Sinne von: Wir haben
die Wahrheit und die anderen haben sie nicht. Aber die meisten
Christen, sogar Katholiken in Bayern, glauben nicht mehr an die Bibel
und ihrer Entstehung.
2
Die Kirchen verlieren von Jahr zu Jahr mehr Mitglieder, es treten mehr
Menschen aus als das neue eintreten. Wenn ich Christen nach ihrem
Glauben frage, bekomme ich sehr oft zu hören, das sie nicht an die
Geschichten der Apostel glauben und die christliche Lehre nicht ernst
nehmen. Für sie ist der Glaube oder die christliche Botschaft die
Frage nach: Hast du deinen nächsten geliebt, den hungernden gefüttert,
den kranken gepflegt und den toten beerdigt und alles andere als
Umkleidung und Folklore sehen. Überzeugte Christen können diese Art
Glauben nicht akzeptieren, denn alle diese Handlungen sind die Folge
von Glauben. Wir sind doch alle Kinder Gottes und Gott hat doch
gesagt, wir sollen uns lieben usw.
Gegen diesen Glauben der Nächstenliebe kann man nichts sagen. Dann ist
alles andere Mythologie, Folklore und nette Geschichten, die aber für
uns nicht verbindlich sind. Es sollten sich nur alle dazu bekennen,
die so denken und nicht so tun als ob sie alles andere Glauben.
Leider sind die meisten Religionen missionarisch unterwegs und haben
den Wahrheitsanspruch für sich gepachtet. Christen, Juden und Islam
haben den Wahrheitsanspruch in ihrem Charakter und haben ihn in die
Welt gebracht. Nur wer hat die guten Gründe? Ich denke, keine der
Religionen hat die guten Gründe. Niemand kann die Wahrheit zwischen
zwei Buchdeckeln niederschreiben und dann verlangen, man solle darauf
schwören. Das hat mit Wahrheit nichts zu tun, das” ist die Logik einer
mächtigen Institution”. (Herbert Flasch)
Wenn mir ein Christ sagt, das er Glaubt aber die Geschichten in der
Bibel nicht ernst nimmt und nur die Folklore und das Brauchtum
mitnimmt, dann halte ich das für dumm. Dann frage ich, worauf
begründest du deinen Glauben, hat dein Glaube denn gar nichts mehr mit
Wahrheit zu tun. Wie könnte mir so ein Mensch seinen Glauben erklären,
denn ich habe den Glauben nicht. Hat denn Glauben keine Bedeutung
mehr,ist Glauben nur noch die persönliche Empfindung oder ist Glauben
nur noch Tradition und Brauch, den man respektvoll aber lauwarm
ausführt?
Die Religion war jahrtausendelang Gesetzgeber und Singeber und hat
so getan, als ob sie die Antworten auf die letzten großen Fragen
hätte. Jetzt steht die Wissenschaft im Mittelpunkt des geistigen
Lebens und die Religion steht am Rand. Das Christentum wird nicht
mehr gebraucht, die Geschäfte laufen auch ohne Glauben gut.
Zu Geschäfte fällt mir eine kleine Geschichte ein: “Der Pfarrer hat im
Ausland billig Kaffee gekauft. Bevor er zur Grenze kommt, klebt er
sich je ein Pfund unter jede Achsel. An der Grenze: “Haben sie etwas
zu verzollen? Alkohol, Zigaretten, Kaffee?” ” Nein, mein Sohn, ich
habe zwar zwei Pfund Kaffee gekauft, aber ich habe sie schon unter den
Armen verteilt.”
Ich stelle mir das Christentum so vor, wie Harald Martenstein in “DER
ZEIT” 07/2007 schrieb: “Christentum ist ein Serviceangebot an
diejenigen, die noch ein paar spirituelle Restbedürfnisse haben, die
Yoga allein nicht stillen kann.” Oder die Kirche sollte sich um die
Pflege Schwerkranker kümmern und alles andere, wie den Glauben, die
3
Wahrheit und die ganze christliche Metaphysik im privaten Rahmen
zelebrieren.
Quellen:
Margarete Limberg; DLF Radio, Der Einfluss der Kirche auf die
Politik,18.04.2007
Evelyn Finger; Die Zeit, Schluss mit dem Geschwätz, 51/2007
Ulrich Körtner; DLF Radio, Religion als Event, 20.06.2006
Daniel Dennett; Der Spiegel, Süßigkeit für den Geist, 52/2005
04.04.2008
4

Schluss mit dem Geschwätz!Die christliche Predigt/Religion als SeelenwellnessEssay von Don Mudra4/2008§166 StGB (1) Wer öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften (§11Abs. 3) den Inhalt des religiösen oder weltanschaulichen Bekenntnissesandere in einer Weise beschimpft, die geeignet ist, den öffentlichenFrieden zu stören, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren odermit Geldstrafe bestraft.(2) Ebenso wird bestraft, wer öffentlich oder durch Verbreiten vonSchriften (§11 Abs. 3) eine im Inland bestehende Kirche oder andereReligionsgesellschaften oder Weltanschauungsvereinigungen, ihreEinrichtungen oder Gebräuche in einer Weise beschimpft, die geeignetist, den öffentlichen Frieden zu stören.Hallo und herzlich willkommen bei Amor Fati am Sonntag. Heute malwieder mein Lieblingsthema: Die Religion oder genauer gesagt diechristliche Predigt. Unter www.predigten.de, kann man sich Predigtenzu allen Festtagen und Themen anschauen. Ich verfolge hin und wiederdie Gottesdienste im Deutschland Radio, die dort jeden Sonn- undFeiertag um 10 Uhr morgens live übertragen werden. Immer im Wechsel,zwischen Katholischen-und Evangelischen Gottesdienst. Das ist schonoft harter Stoff der aus dem Radio ertönt und besonders an denFesttagen, wie Ostern, Pfingsten und Weihnachten. Die sogenannten”Drei-Tages-Christen”, das sind die Christen, die zu Ostern, Pfingstenund Weihnachten in die Kirchen gehen, bekommen dann besonders profane(lat.["nicht geheiligt],weltlich Ggs. Sakral) und belanglosePredigten zu hören.An diesen Festtagen sind die Kirchen so voll mit Christen, das dieKirchenbänke nicht ausreichen und Klappstühle gebraucht werden. Dafreut sich jeder Pfarrer über die volle Kirche und spricht milde zudem Publikum, wie zu verloren Töchtern und Söhnen. Der Pfarrer möchtesein seltenes Publikum nicht verprellen und beginnt seine Predigt amHeiligen Abend folgendermaßen: “Wie geht es Ihnen jetzt? Sind sie auchso erschöpft?” oder die Variante:”Ich habe ein Schaf mitgebracht. EinSchaf von den Hirten auf dem Feld.”, oder auch schon gehört:”In derletzten Ausgabe der Kirchenzeitung habe ich etwas gelesen, was michauf Anhieb angesprochen hat.”Diese wohlfühl Sätze wurden am 24. Dezember 2006 irgendwo zwischenFlensburg und Karlsruhe gepredigt. Dabei unterscheiden sichKatholische und Evangelische Predigten inhaltlich nicht und regionalauch nicht. Im Osten werden Bibelschafe mit Versuchskaninchenverglichen, im Süden wird die Taxierung Judäas (in der Antike, deramtliche Name für den südlich. Teils Palästina) in einem Atemzug mitder Mehrwertsteuererhöhung genannt, im Westen wird dieWeihnachtsfreude als eine Art Börsengewinn betrachtet und gemutmaßt,1das Maria und Josef am Heiligen Abend “auch sehr im Stress waren” undim Norden wird seitenlang aus der Kirchenzeitung zitiert und überFernsehpastor Fliege philosophiert.In diesem Zusammenhang möchte ich auf den Pastor Senz aus Oberdorlaaufmerksam machen. Er hat seiner unaufmerksamen, plappernden Gemeindewährend des Weihnachtsgottesdienstes erklärt, er lasse sich dieseMischung aus Oktoberfest und Bauernhochzeit nicht mehr bieten. Klapptedas Buch zu und verließ die Kirche – ohne Vaterunser, ohne Segen.Die meisten seiner Kollegen und Kolleginnen, haben dazu keinen Mut undschütteln, wenn der Gottesdienst vorbei ist, an der Kirchentür jedemeinzelnen die Hand. 500 mal “Danke!”, “Gesegnetes Fest!”, “AufWiedersehen!” und 450 mal , das er diese “Gläubigen” erst in einemJahr wieder sieht.Warum ist das so? Liegt es an den Predigten oder muss der Begriff”Religion” neu definiert werden? Es gibt ja augenscheinlich zweiGruppen von “religiösen Christen”: Religion ist bei der einen Gruppevon Christen, die Einhaltung des Festkalenders. Das sind diese “Drei-Tage-Christen”, die Religion als Folklore und als eine gewohnteAlltagsgestaltung betrachten. Die andere Gruppe von Christen ist vielkleiner. Das sind die Christen, die daran Glauben, das “Christus-JesusGott ist, in Gott sind drei Personen, Gott ist gut und allmächtig undes gibt nur einen Gott”.Was ist christlicher Glauben? Ich sage es euch mit folgenderGeschichte: Ein Missionar wird von einem Rudel Löwen angegriffen. Eheer in Ohnmacht fällt, spricht er ein Stoßgebet: “Lieber Gott, machdiese Bestien zu frommen Christen.” Als der Gottesmann seinBewusstsein wiedererlangt, haben die Löwen einen Halbkreis um ihngebildet und beten: “Komm, Herr Jesu, sei unser Gast und segne was duuns beschert hast.” So wird Glauben konstruiert, was vorhin nochunchristlich und falsch war,weil ohne Glauben, ist nun christlich undrichtig, mit Glauben. So werden Normen gemacht.Alle Jahre wieder Jahren, wird von den Kirchen von einer Wiederkehrder Religion gesprochen und es wird versucht, das an Hand vonkirchlichen Großveranstaltungen zu belegen. Als Beispiele nenne ichdie Beerdigung von Papst Johannes ??,(die größte Beerdigung weltweitbisher), dann anschließend die Wahl des neuen Papstes, denWeltjugendkirchentag in Köln 2006, die vermehrten Pilgerreisen,Klosterurlaube und die Suche der Menschen nach Spirituellen undEsoterischen Erfahrungen. Es scheint also so, als ob die Menscheneinen “Metaphysischen Durst” nach diesen Erfahrungen haben. Aber nurweil es diesen “Metaphysischen Durst” gibt, muss es noch lange keine”Metaphysische Getränke” geben.Wenn das religiös sein soll, na bitte. Aber gibt es auch eineWiederkehr von radikalen christlichen Religion? Es gibt und besondersin Amerika, fundamentalistische Strömungen, im Sinne von: Wir habendie Wahrheit und die anderen haben sie nicht. Aber die meistenChristen, sogar Katholiken in Bayern, glauben nicht mehr an die Bibelund ihrer Entstehung.2Die Kirchen verlieren von Jahr zu Jahr mehr Mitglieder, es treten mehrMenschen aus als das neue eintreten. Wenn ich Christen nach ihremGlauben frage, bekomme ich sehr oft zu hören, das sie nicht an dieGeschichten der Apostel glauben und die christliche Lehre nicht ernstnehmen. Für sie ist der Glaube oder die christliche Botschaft dieFrage nach: Hast du deinen nächsten geliebt, den hungernden gefüttert,den kranken gepflegt und den toten beerdigt und alles andere alsUmkleidung und Folklore sehen. Überzeugte Christen können diese ArtGlauben nicht akzeptieren, denn alle diese Handlungen sind die Folgevon Glauben. Wir sind doch alle Kinder Gottes und Gott hat dochgesagt, wir sollen uns lieben usw.Gegen diesen Glauben der Nächstenliebe kann man nichts sagen. Dann istalles andere Mythologie, Folklore und nette Geschichten, die aber füruns nicht verbindlich sind. Es sollten sich nur alle dazu bekennen,die so denken und nicht so tun als ob sie alles andere Glauben.Leider sind die meisten Religionen missionarisch unterwegs und habenden Wahrheitsanspruch für sich gepachtet. Christen, Juden und Islamhaben den Wahrheitsanspruch in ihrem Charakter und haben ihn in dieWelt gebracht. Nur wer hat die guten Gründe? Ich denke, keine derReligionen hat die guten Gründe. Niemand kann die Wahrheit zwischenzwei Buchdeckeln niederschreiben und dann verlangen, man solle daraufschwören. Das hat mit Wahrheit nichts zu tun, das” ist die Logik einermächtigen Institution”. (Herbert Flasch)Wenn mir ein Christ sagt, das er Glaubt aber die Geschichten in derBibel nicht ernst nimmt und nur die Folklore und das Brauchtummitnimmt, dann halte ich das für dumm. Dann frage ich, woraufbegründest du deinen Glauben, hat dein Glaube denn gar nichts mehr mitWahrheit zu tun. Wie könnte mir so ein Mensch seinen Glauben erklären,denn ich habe den Glauben nicht. Hat denn Glauben keine Bedeutungmehr,ist Glauben nur noch die persönliche Empfindung oder ist Glaubennur noch Tradition und Brauch, den man respektvoll aber lauwarmausführt?Die Religion war jahrtausendelang Gesetzgeber und Singeber und hatso getan, als ob sie die Antworten auf die letzten großen Fragenhätte. Jetzt steht die Wissenschaft im Mittelpunkt des geistigenLebens und die Religion steht am Rand. Das Christentum wird nichtmehr gebraucht, die Geschäfte laufen auch ohne Glauben gut.Zu Geschäfte fällt mir eine kleine Geschichte ein: “Der Pfarrer hat imAusland billig Kaffee gekauft. Bevor er zur Grenze kommt, klebt ersich je ein Pfund unter jede Achsel. An der Grenze: “Haben sie etwaszu verzollen? Alkohol, Zigaretten, Kaffee?” ” Nein, mein Sohn, ichhabe zwar zwei Pfund Kaffee gekauft, aber ich habe sie schon unter denArmen verteilt.”Ich stelle mir das Christentum so vor, wie Harald Martenstein in “DERZEIT” 07/2007 schrieb: “Christentum ist ein Serviceangebot andiejenigen, die noch ein paar spirituelle Restbedürfnisse haben, dieYoga allein nicht stillen kann.” Oder die Kirche sollte sich um diePflege Schwerkranker kümmern und alles andere, wie den Glauben, die3Wahrheit und die ganze christliche Metaphysik im privaten Rahmenzelebrieren.Quellen:Margarete Limberg; DLF Radio, Der Einfluss der Kirche auf diePolitik,18.04.2007Evelyn Finger; Die Zeit, Schluss mit dem Geschwätz, 51/2007Ulrich Körtner; DLF Radio, Religion als Event, 20.06.2006Daniel Dennett; Der Spiegel, Süßigkeit für den Geist, 52/200504.04.20084


was sagst du dazu

Mit herzlichen Grüssen!

don mudra 16:23

MonoRock

Mit herzlichen Grüssen


was sagst du dazu

Fragen an den Intendanten des Deutschlandradio

don mudra 15:39
Fragen an den Intendanten des Deutschlandradio am 17.8.2016. Bis heute ohne Antwort.
An den
Deutschlandfunk
Herrn Willi Steul
Raderberggürtel 40
50968 Köln
Sehr geehrter Herr Steul,
in den Eckpunkten der KEF-Anmeldung von Deutschlandradio für die Jahre 2017-
2020 vom 4.9.2015 weist Deutschlandradio einen Fehlbestand an Eigenmitteln per
Ende 2020 von 44,5 Mio. €.
Der Grund:
„Die weiteren Sondereffekte betreffen die staatsvertraglich aufgetragene
Finanzierung der Klangkörper in der Radio Orchester und Chöre GmbH (roc GmbH,
siehe 7.) „
7. Für die weitere Finanzierung der vier Klangkörper der roc GmbH hat
Deutschlandra-dio in den Jahren 2017 bis 2020 einen Betrag von 60,2 Mio. €
eingeplant; in der laufenden Finanzierungsperiode ist hierfür ein Betrag von 49,2 Mio.
€ vorgesehen.
Meine Fragen :
Muss Deutschlandradio nach dem Rundfunkstaatsvertrag drei Orchester und einen
Chor vorzuhalten?
Sind die 60,2 Millionen für die „roc GmbH“ für die Jahre 2017 bis 2020 genehmigt?
Vielen Dank und freundliche Grüße
Don Mudra

was sagst du dazu

“HÖRE DEINE LIEBLINGSMUSIK BEI MAXIMALER LAUTSTÄRKE”

don mudra 14:30
Amor Fati – Liebe das Schicksal präsentiert:
“HÖRE DEINE LIEBLINGSMUSIK BEI MAXIMALER LAUTSTÄRKE”
Bringe deine Liebelingsmusik in bester Qualität auf USB Stick,CD oder Vinyl
am Samstag den 03. Sebtember 2016 ab 18 Uhr in die
Galerie Don Mudra

was sagst du dazu

Kurzfilme Galerie Don Mudra

don mudra 15:02

Amor Fati – Liebe das Schicksal

Am Samstag 20.8. und Sonntag 21.8 2016 ab 18 Uhr zeigt Don Mudra folgende Kurzfilme auf Grossleinwand:

1. Disco 3000 Teil 1-3, zusammen 20 Minuten,noch nie gezeigt
2. Der Urknall mit Jonnathan Meese und Don Mudra, 5 Minuten
3. Peng,Peng,Peymann-Intendanten zu Praktikanten, 11 Minuten
4. Don Mudra zur Kunst-Live aus dem Ü-Wagen, 14 Minuten
5. Gerätebau mit Nico Spindler, 11 Minuten
6. Videoüberwachung im Schanzenviertel-Performance Mudra/Spindler, 3 Minuten
7. Pauliwood, 6 Minuten

Liebe Grüsse
Mudra

Galerie Don Mudra
Norderreihe 63
22767 Hamburg
Termin nach Vereinbarung
0175 511 40 16
info@mudrarecords.de

www.40lifes.com/donmudra[http://www.40lifes.com/donmudra]
www.mudrarecords.de[http://www.mudrarecords.de]
https://soundcloud.com/search/sounds?q=don%20mudra
https://www.youtube.com/channel/UCE30_qx6ZH8aXZRQFn0u-4w/feed
https://www.google.com/+DonMudra


was sagst du dazu

Kirche und Staat-zwei wie Dick und Doof,wie Pech und Schwefel………

don mudra 13:39

Staatsleistungen als historisches ErbeFinanzgeflecht zwischen Staat und Kirchen

Aufgrund der Säkularisierung von Kirchenbesitz in den linksrheinischen Gebieten des ehemaligen Heiligen Römischen Reiches hat die Weimarer Reichsverfassung festgelegt, dass den Kirchen dafür eine einmalige Entschädigungssumme zu zahlen sei. Da dies so nie zustande kam, hat die Bundesrepublik diesen Auftrag als historisches Erbe übernommen.

Von Rainer Brandes

Luftaufnahme des Stadtzentrums der Stadt Aachen mit der Kathedrale in Nordrhein-Westfalen (imago / Westend61)
Die Bundesländer zahlen bis heute jedes Jahr fast 500 Millionen Euro an die katholischen Bistümer und evangelischen Landeskirchen als Entschädigung für entgangene Erträge. (imago / Westend61)
WEITERFÜHRENDE INFORMATION

Staat vs. Kirche – Das erstaunliche Kirchensteuersystem in Italien
(Deutschlandradio Kultur, Religionen, 23.11.2014)

Kapitalerträge – Kirchensteuer auf dem Kontoauszug
(Deutschlandfunk, Verbrauchertipp, 24.01.2014)

Finanzen – Eine Verteidigung der Kirchensteuer
(Deutschlandradio Kultur, Religionen, 04.01.2014)

Abschied vom Witwengroschen
(Deutschlandradio Kultur, Religionen, 05.10.2013)

Regensburg, 25. Februar 1803. Die Reichsstände sind zusammengekommen, um eines der letzten Gesetze des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation zu beschließen: den Reichsdeputationshauptschluss. Zuvor waren durch die Napoleonischen Kriege die linksrheinischen Territorien des Reiches an Frankreich gefallen. Dafür verlangten die betroffenen weltlichen Fürsten Entschädigung.

Da fällt der Blick der Reichsstände auf das gigantische Vermögen der Kirchen. Ländereien von fast 100.000 Quadratkilometern werden enteignet und den Fürsten zugeschlagen, die linksrheinische Verluste hinzunehmen hatten. Die Kirchen aber verlangen nun ihrerseits Entschädigung. Schließlich haben sie bisher einen Großteil ihrer laufenden Kosten über Einnahmen aus den jetzt enteigneten Ländereien beglichen.

Claus Dieter Classen, Professor für Öffentliches Recht an der Universität Greifswald:

“Zum Ausgleich hat eben damals dann der Staat die Finanzierung der Pfarrer übernommen und auch sonst eine Reihe von Leistungen übernommen. Und das ist sozusagen die entscheidende Ursache dafür, dass es heute diese Staatsleistungen gibt.”

Fast 500 Millionen Euro als Entschädigung

In der Tat zahlen die Bundesländer bis heute jedes Jahr fast 500 Millionen Euro an die katholischen Bistümer und evangelischen Landeskirchen als Entschädigung für entgangene Erträge. Es sind Gehälter von Bischöfen und Pfarrern darunter ebenso wie der Unterhalt für bestimmte Gebäude - bezahlt von allen Steuerpflichtigen, egal ob Mitglied einer Kirche oder nicht. Das dürfte es eigentlich gar nicht geben, sagt Axel Denecke. Der emeritierte Professor für Evangelische Theologie engagiert sich seit Langem für alternative Modelle der Kirchenfinanzierung:

“Die Staatskirchenleistungen sind natürlich für Kirchendistanzierte ein Unding. Die sagen: Warum müssen wir zahlen? Wir gehören seit 40, 50 Jahren der Kirche nicht mehr an und wir müssen zahlen. Was haben wir damit zu tun?”

Das war schon den Abgeordneten der Weimarer Nationalversammlung klar. In Artikel 138 der Weimarer Reichsverfassung heißt es:

“Die auf Gesetz, Vertrag oder besonderen Rechtstiteln beruhenden Staatsleistungen an die Religionsgesellschaften werden durch die Landesgesetzgebung abgelöst. Die Grundsätze hierfür stellt das Reich auf.”

Tatsächlich hat das Reich niemals diese Grundsätze aufgestellt. Als 1949 das Grundgesetz verabschiedet wurde, wurden die entsprechenden Weimarer Verfassungsartikel einfach übernommen – und damit auch der Auftrag zur Ablöse. Kerstin Griese ist Beauftragte der SPD-Bundestagsfraktion für Kirchen und Religionsgemeinschaften. Auf die Frage, warum der Bundestag bis heute seinem Verfassungsauftrag nicht nachkommt, antwortet sie:

“Um die Staatsleistungen an die Kirchen abzulösen, braucht man eine gemeinsame Basis aus dem Bund, den Ländern und den Kirchen und im Fall der Katholischen Kirche auch noch dem Vatikan. Alle Seiten sagen zwar immer wieder, dass sie da zu Gesprächen bereit sind, aber es gibt im Moment keine explizite Initiative, die sagt, wir wollen, dass jetzt endgültig die Staatsleistungen abgelöst werden. Obwohl ich es persönlich auch gut fände, wenn man sich der Frage mal grundsätzlich widmen würde. Ich sehe aber keinen Handlungsdruck.”

Das sagen fast alle Parteien. Nur Die Linke tritt klar für eine Ablöse ein. Aufseiten der Kirchen fallen die Antworten ganz ähnlich aus. Martin Dutzmann, Beauftragter der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) beim Bund, sagt auf die Frage, ob seine Kirche zu einer Ablöse bereit sei:

“Selbstverständlich, natürlich auch, weil es grundgesetzlich vorgeschrieben ist. Allerdings kann Ablösung nicht heißen ersatzlose Enteignung. Es handelt sich um den Ersatz für entgangene Erträge aus eingezogenem Kapital. Das heißt, letztendlich müsste annähernd das Kapital wiederhergestellt werden, damit die Kirchen diesen Posten auch weiterhin in ihrem Haushalt haben können.”

Unerfüllbarer Auftrag

Und hier liegt das Problem: Laut Schätzungen müsste das zu ersetzende Kapital das 18- bis 25-fache der heutigen jährlich gezahlten Summe betragen. Mit dem Status quo fahren die Länder besser. Allerdings gibt der Staatsrechtler Claus Dieter Classen zu bedenken:

“Ich glaube, dass der Auftrag, der 1919 formuliert wurde, natürlich nicht so gedacht war, dass er unerfüllbar ist. Von daher muss man schon zwar über eine erhebliche Summe reden, aber doch über eine Summe, die auch für den Staat leistbar wäre.”

Am Ende müssten die Kirchen wohl auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten. Immerhin: Einzelne Staatsleistungen, die erst nach 1803 eingeführt worden sind, wurden in jüngster Zeit sogar schon abgelöst, so zum Beispiel in Hessen. Karl Jüsten, der Beauftragte der Deutschen Bischofskonferenz beim Bund, gibt sich kompromissbereit:

“Bei den konkreten Verhandlungen, die jetzt schon stattfinden, einigt man sich. Und das ist natürlich immer so, dass da, wo man sich konkret einigt, beide Seiten aufeinander zugehen. Da wird sicher auch Verzicht unserer Seite dabei sein.”

Kritik am Kirchensteuereinzug

Wesentlich wichtiger als die Staatsleistungen ist die Kirchensteuer als Finanzquelle für die Kirchen. Auch hier ist der Staat eng verwoben mit den Kirchen. Verfassungsrechtlich ist die Kirchensteuer allerdings wesentlich unproblematischer als die Staatsleistungen. Denn die Steuer zahlt nur, wer auch tatsächlich Kirchenmitglied ist. Trotzdem gibt es immer wieder Kritik am Kirchensteuereinzug durch den Staat - und zwar aus theologischer Sicht. Schon Dietrich Bonhoeffer hatte es in seiner Doktorarbeit als Missstand bezeichnet, dass die Kirche ihre Mitgliedsbeiträge durch staatlichen Zwang eintreibt. Kritiker meinen, schon gar nicht dürfe sie die Teilhabe an der Gemeinschaft aller Gläubigen an die Zahlung von Steuern knüpfen. D

Der emeritierte katholische Kirchenrechts-Professor Hartmut Zapp machte 2007 Schlagzeilen, als er genau dieses System auf die Probe stellte. Vor seinem Standesamt erklärte er den Austritt aus der Katholischen Kirche – allerdings nur aus der Körperschaft des Öffentlichen Rechts. Denn Mitglied der Glaubensgemeinschaft wollte Hartmut Zapp bleiben. Die Katholische Kirche aber wollte das nicht akzeptieren und den Austritt für ungültig erklären lassen. 2012 beschloss das Bundesverwaltungsgericht: Der Austritt ist gültig. Aber das Gericht stellte auch klar: Wer aus der Körperschaft austritt, tritt auch aus der Glaubensgemeinschaft aus. Die Kirchen sind zufrieden. Karl Jüsten, der Beauftragte der Bischofskonferenz, betont zwar, natürlich bleibe Hartmut Zapp getaufter Christ. Aber:

“Die Argumentation von Professor Zapp war in der Tat etwas abenteuerlich, weil theologisch kann man ja nicht also nur in einer spirituellen Gemeinschaft sein und nicht in einer realen Gemeinschaft. Man ist immer beides.”

Alternativmodell zur Finanzierung

Die evangelische Kirche argumentiert ganz ähnlich. Für den Theologen Axel Denecke zeigt dieser Fall die ganze Misere des deutschen Kirchensteuermodells. Die Amtskirche habe es sich in dem System bequem gemacht. Er und seine Mitstreiter vom Dietrich-Bonhoeffer-Verein - einem Verband von kritischen Theologen und Laien – wollen das ändern. Sie haben ein Alternativmodell zur Finanzierung der Kirchen vorgelegt: das Drei-Säulen-Modell. Die erste Säule ist unstrittig. Sie umfasst Kollekten und Spenden. Als zweite Säule schlägt der Verein eine Umstellung von der Kirchensteuer auf einen verpflichtenden Beitrag aller Mitglieder an ihre jeweilige Gemeinde vor. Diesen Beitrag würde dann nicht das Finanzamt, sondern die Kirche selbst einziehen. Axel Denecke:

„Der Vorteil von einem Gemeindebeitrag ist, wenn ich als Kirchensteuerzahler weiß, meine ganzen Kirchensteuern, das geht zunächst nicht an die große Gesamtkirche, sondern das geht an meine Gemeinde und ich kann damit auch mitbestimmen, was sie damit tut, das stärkt die Kommunikation zwischen Kirchenvorstand und Gemeindegliedern. Also, das ist für mich ein ganz großer Vorteil.”

Als dritte Säule nehmen die Autoren des Modells die italienische Kultursteuer zum Vorbild. Demnach soll der Gesetzgeber etwa 1,5 Prozent des allgemeinen Steueraufkommens als einen sogenannten Bürgerhaushalt vorhalten. Alle Steuerpflichtigen bekämen dann Gutscheine vom Finanzamt ausgestellt über ihren jeweiligen Anteil an diesem Bürgerhaushalt. Jeder könnte dann selbst entscheiden, für welche gemeinnützige Einrichtung er das Geld einsetzen möchte. Für Axel Denecke liegt der Vorteil auf der Hand:

“Die Frage ist, wie kann ich denjenigen, die - aus welchen Gründen auch immer – aus der Kirche ausgetreten sind, eine Möglichkeit geben, das religiöse, kulturelle Angebot der Kirche mit zu unterstützen, ohne dass sie die Angst haben, ihr Geld wird in eine anonyme Großorganisation hineingehen, von der sie gar nicht wissen, wie es verteilt wird, und die sie insgesamt ablehnen.”

Vermischung von Kirche und Staat

Doch der Dietrich-Bonhoeffer-Verein übersieht hier ein staatsrechtliches Problem, auf das Martin Dutzmann von der EKD aufmerksam macht:

“Das heißt, da kommt dann Geld tatsächlich aus dem Bundeshaushalt in die Kirchen. Und da, genau an dieser dritten Säule, sehe ich eine unzulässige Vermischung von Kirche und Staat.”

Abgesehen von dieser rechtlichen Problematik sieht Kerstin Griese, die Kirchenbeauftragte der SPD, auf politischer Ebene keinerlei Mehrheiten für eine solche Steuer:

“Also, es ist ein sympathisches Modell, was der Bonhoeffer-Verein da vorschlägt, ich glaube nur, dass es für Deutschland nicht realistisch ist, weil bei uns das Kirchensteuermodell gewachsen ist. Ich glaube halt, dass unser Modell in Deutschland der Trennung von Staat und Kirche und gleichzeitig einer - wie es die Juristen nennen - fördernden Neutralität des Staates, dass das in Deutschland historisch gewachsene und gutes Modell ist.”

So bleibt als Fazit: Es gibt durchaus Alternativen zum bisherigen Finanzgeflecht zwischen Staat und Kirchen. Tatsächlich wird sich in absehbarer Zeit aber wohl wenig ändern. Allenfalls bei den Staatsleistungen an die Kirchen könnte sich etwas bewegen, sollte der öffentliche Druck zur Ablöse dieses überkommenen Modells weiter wachsen.


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Kirchliches Vermögen:Das ist asozial!!

don mudra 13:29

Kirchliches VermögenHeilige Scheine

Das Erzbistum München hat sein Vermögen offengelegt: Auf 6,3 Milliarden wird der Besitz beziffert. Keine andere Diözese in Deutschland ist reicher. Wie passt das zum Ideal einer armen Kirche, das Papst Franziskus verordnet hat? Und profitiert die Allgemeinheit davon?

Susanne Fritz im Gespräch mit Daniel Knopp

Mehrere Euro-Banknoten liegen auf einem Tisch. (dpa / picture alliance / Jan Woitas)

Mehrere Euro-Banknoten liegen auf einem Tisch. (dpa / picture alliance / Jan Woitas)

Lange war der Besitz an Immobilien, Geldanlagen und Stiftungen ein gut gehütetes Geheimnis. Seit dem Skandal um Franz-Peter Tebartz-van Elst versucht sich die katholische Kirche an finanzieller Transparenz. Paderborn und Köln haben sich schon zu Milliardenvermögen bekannt, seit gestern lässt sich auch München in die Bücher sehen. “Das Ergebnis war eine Überraschung”, sagt der Journalist Daniel Knopp. Das weckt Begehrlichkeiten bei ärmeren Bistümern.


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11,4 Milliarden Euro Kirchensteuer 2015

don mudra 13:12

Rekordeinnahmen aus der Kirchensteuer”Diese Zahlen sind den Kirchen selbst peinlich”

Die beiden großen Kirchen in Deutschland verzeichnen Rekordeinnahmen bei der Kirchensteuer: Mehr als 11,4 Milliarden bekamen sie 2015 – und das trotz sinkender Mitgliederzahlen. Den Kirchen spielt hierbei vor allem die gute Konjunktur in die Hände.

Christiane Florin im Gespräch mit Susanne Fritz

Die beiden großen Kirchen in Deutschland haben nach den neuesten für das Jahr 2014 vorliegenden Zahlen mehr Mitglieder verloren als in den Jahren zuvor. (picture alliance / dpa/ Julian Stratenschulte)
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Die Kirchensteuer ist in Deutschland an die Einkommensteuer gekoppelt. Bei guter Konjunktur und guter Entwicklung der Löhne und Gehälter fällt sie entsprechend hoch aus. So auch aktuell: Die katholische und die evangelische Kirche nahmen im Jahr 2015 zusammen mehr als 11,4 Milliarden Euro ein – ein Rekord. “Angesichts der Konjunkturlage war das absehbar”, sagt Deutschlandfunk-Religionsredakteurin Christiane Florin. “Interessant finde ich, wie die Kirchen damit umgehen.” Die Zahlen würden nicht eben als Erfolgsmeldung hinausposaunt. “Ich habe manchmal den Eindruck, dass den Kirchen diese hohen Zahlen im Moment selbst peinlich sind, weil auch die Austrittszahlen hoch sind”, so Florin.

Das deutsche Kirchensteuersystem ist weltweit einzigartig und sorgt für eine komfortable Finanzierung. Der wissenschaftliche Dienst des Bundestages errechnete kürzlich, dass die katholische Kirche in Deutschland knapp 230 Euro pro Mitglied und Jahr zur Verfügung hat, die evangelische gut 220 Euro. In Österreich kommt die katholische Kirche dagegen lediglich auf knapp 80 Euro je Mitglied, in Italien erhält die sie über eine Abgabe gut 22 Euro je Mitglied, in Frankreich kommen die beiden Kirchen auf rund 20 Euro pro Mitglied.

Kirchensteuer wird kaum infrage gestellt

Zwar gibt es nach jedem Skandal in der Kirche wieder Diskussionen über die Kirchensteuer. “Aber der Druck reicht nicht aus, um grundsätzlich über das System nachzudenken”, sagte Florin. Auch die Politik habe wenig Interesse an einer Veränderung, weil sie in der Kirche eher einen Verbündeten sehe, einen Faktor, der die Gesellschaft zusammenhalte.

Ein großer Teil der Mittel aus der Kirchensteuer fließt in die Seelsorgebetrieb, in die Arbeit in den Gemeinden, in Personalkosten und Gebäudeunterhalt. Ein Teil wird für Bildung und Akademien aufgewandt, ein weiterer Teil fließt in Entwicklungshilfeprojekte. “Natürlich könnten die Kirchen ein Zeichen setzen und sagen, wir kämen statt mit acht Prozent der Einkommensteuer auch mit fünf Prozent aus”, so Florin. Allerdings sei die steigende Zahl der Kirchenaustritte finanziell nur in guten wirtschaftlichen Zeiten wie derzeit zu verschmerzen. Auf mittlere Sicht wirke sich der Mitgliederschwund doch aus.


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Deutschlandfunk-Fromm-unauffällig-und gefährlich?

don mudra 13:04

Moscheen in DeutschlandFromm, unauffällig – und gefährlich?

Rund vier Millionen Menschen bekennen sich in Deutschland zum Islam. Diese Zahl ist bekannt. Nicht bekannt ist hingegen, wie viele Moscheen es hierzulande überhaupt gibt. Und auch die Frage, wie sich Moscheegemeinden in Deutschland finanzieren, ist nicht einfach zu klären. Klar ist nur: Rund 90 Moscheen werden vom Verfassungsschutz beobachtet.

Von Ulrich Pick

Ein Muslim betet am 26.05.2015 im Gebetsraum der DiTiB-Moschee in Stuttgart  (dpa / picture alliance / Daniel Naupold)

Wie viele der mittlerweile rund fünf Millionen Muslime in Deutschland regelmäßig die 2.600 Moscheen besuchen, ist unbekannt. (dpa / picture alliance / Daniel Naupold)
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Die Mainzer Al-Nur-Moschee. Im ersten Stock haben sich 28 Männer zum Abendgebet versammelt. Die meisten von ihnen stammen aus Syrien und kommen nicht nur zum Beten in das islamische Gotteshaus. Denn sie besuchen hier auch einen Deutschkurs. Für Samy el Hagrasy, den Leiter des Moscheevereins, ist das selbstverständlich. Eine Moschee, sagt er, sei schließlich für alle Bereiche des Lebens zuständig:

“Wenn sie bei uns sind und ein Familienproblem haben. Dann wollen Sie auch mit jemandem sprechen, der ihre Kultur kennt und ihnen weiterhelfen kann.”

Die Al-Nur-Moschee ist eines von elf islamischen Gotteshäusern in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt. Sie sieht aus wie ein  mehrstöckiges Wohnhaus und ist damit unauffällig. So wie die meisten Moscheen hierzulande. Dies dürfte wohl auch der wichtigste Grund sein, weshalb niemand genau weiß, wie viele Moscheen es überhaupt in  Deutschland gibt. Im Grunde, sagt die Göttinger Islamwissenschaftlerin Riem Spielhaus, verfüge man nur über einen Annäherungswert:

“Es gibt eine Schätzung, und zwar basiert die darauf, zusammenzurechnen wie viele Ortsgemeinden, die bestehenden großen islamischen Zusammenschlüsse und Dachverbände haben. So kommt man auf geschätzte 2.600 Moscheegemeinden in Deutschland. Es gibt an die 150 gebaute, sozusagen repräsentative Moscheen, die vielleicht dann auch mal eine Kuppel oder ein Minarett haben. Die meisten Moscheegemeinden sind Räumlichkeiten, die umfunktioniert wurden.”

Ein Mann betet am 11.09.2015 in der Mevlana Moschee in Hamburg während des Freitagsgebets. (dpa / picture alliance / Daniel Reinhardt)Freitagsgebet in Mevlana Moschee in Hamburg (dpa / picture alliance / Daniel Reinhardt)

Wie viele der mittlerweile rund fünf Millionen Muslime in Deutschland regelmäßig die 2.600 Moscheen besuchen, ist unbekannt. Eine ungefähre Angabe bekomme man jedoch, sagt Riem Spielhaus, wenn man sich die Mitgliederlisten der organisierten Moscheevereine anschaue. Denn die islamischen Verbände organisieren in der Regel das Gemeindeleben in den hiesigen Moscheen.

“Es gibt eine Befragung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge, das ist ‘Das muslimische Leben in Deutschland‘. In dieser Studie sind es um die 15 bis 20 Prozent der geschätzten Anzahl der Muslime in Deutschland, die sich einem Verband verbunden fühlen oder durch ihn vertreten fühlen.”

Ob der angegebene Prozentsatz wirklich den Anteil derjenigen Muslime wiedergibt, die regelmäßig die Moscheen besuchen, ist jedoch umstritten. Anders nämlich als bei den christlichen Kirchen, könne von der Mitgliedschaft in einem islamischen Verband nicht unmittelbar auf den Moscheebesuch geschlossen werden, erklärt Hamideh Mohaghighi, islamische Theologin  an der Universität Paderborn:

“Es gibt Mitglieder, es gibt aber auch viele Muslime, die nicht Mitglieder sind und trotzdem in diese Moscheen reingehen. Deswegen ist es dann wirklich mit den Zahlen zu zeigen, ist es schwierig.”

Wer repräsentiert die Muslime in Deutschland?

Die Frage, wie viele Muslime wirklich regelmäßig in die deutschen Moscheen gehen, muss also offenbleiben. Und auch die Frage nach der Rolle der islamischen Verbände, die in der Regel das Gemeindeleben organisieren, ist nicht einfach zu beantworten. Zwar geben sie sich selbst immer wieder als die offiziellen Repräsentanten aller Muslime in Deutschland aus. Dieser Anspruch aber, sagt Susanne Schröter, die Direktorin des Frankfurter Forschungszentrums “Globaler Islam”, sei unangemessen:

“Die Verbände versuchen einen glauben zu machen, dass sie diejenigen sind, die die Muslime in Deutschland repräsentieren. Versuchen sich als Sprachrohr der Muslime der Politik auch anzubieten. Zum Teil mit gutem Erfolg, muss ich sagen. Aber, die Sache ist eben die, dass sie nur einen kleinen Teil aller in Deutschland lebenden Muslime tatsächlich vertreten können, weil die Mehrheit der Muslime gar nicht organisiert ist. Sie sind gar nicht Teil eines Verbandes oder auch nicht einer Moscheegemeinde.”
Die DITIB Markez Camii-Moschee, eine Gebetsstätte der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion, in Duisburg (Nordrhein-Westfalen) im Stadtteil Marxloh (dpa / picture alliance / Horst Ossinger)Es gibt an die 150 repräsentative Moscheen in Deutschland. Hier die DITIB Markez Camii-Moschee in Duisburg (Nordrhein-Westfalen) im Stadtteil Marxloh. (dpa / picture alliance / Horst Ossinger)
Diese Einschätzung teilt auch die islamische Theologin Hamideh Mohaghighi. Die Muslime in Deutschland würden durch die islamischen Verbände nur bedingt repräsentiert.

“Es ist einfach so, dass die Mehrheit der Muslime sich jetzt nicht vertreten fühlt. Weil sie auch nicht direkten Kontakt mit den Verbänden hat.”

Frage nach der Finanzierung der Moscheen

Gleichwohl spielen die Verbände eine Schlüsselrolle im deutschen Islam. Denn über sie läuft auch die Finanzierung der Moscheen. Wie diese  konkret vonstattengeht, ist in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt.  Denn Fragen nach ihrem Vermögen und dessen Herkunft, weiß Susanne Schröter, sind unter führenden Muslimen hierzulande ein Tabu:

“Verbände und Moscheegemeinden, die tun natürlich einen Teufel, das offenzulegen. Sie können jetzt nicht in eine Moscheegemeinschaft gehen oder in einen Verband und sagen: ‘Jetzt erzählen Sie mir doch mal bitte, von wem Ihre Finanzen kommen’. Die Antwort wird immer sein: ‘Spenden!’ Spenden aus den Reihen der eigenen Mitglieder. Und das ist ein Feld, über das nicht gerne geredet wird.”

Da die meisten Muslime hierzulande eher als finanzschwach gelten, wird deshalb vermutet, dass ein Großteil des Geldes, mit dem die deutschen Moscheen unterhalten werden, aus dem Ausland kommt. Dies trifft vor allem für den größten islamischen Dachverband in Deutschland zu, die DITIB. Sie ist der deutsche Arm des türkischen Religionsministeriums. Die Imame ihrer knapp 1.000 Moscheen sind türkische Staatsbeamte, die von Ankara entsandt und bezahlt werden. Sie vertreten einen staatsoffiziellen türkischen Islam und kommen in der Regel für fünf Jahre nach Deutschland. Für Moscheen, die unter dem Dach der DITIB organisiert sind, ist der Entsendedienst des türkischen Religionsministeriums ein großer Vorteil. Denn ohne ihn, sagt Bekir Alboga, der Integrationsbeauftragte der DITIB, hätten sie erhebliche Finanzprobleme:

“Die größte finanzielle Hilfe für uns ist natürlich, dass die Imame, die aus der Türkei hierher entsandt werden, uns nichts kosten. Das ist eine enorme Erleichterung. Stellen Sie sich mal vor, Sie würden einen Imam so brutto 5.000, 6.000 monatlich honorieren. 1.000 Imame, das ist eine enorme Summe, viele unserer Moscheegemeinden wären finanziell an ihren Grenzen.”

DITIB-Imane sind türkische Staatsbeamte

Ob es außer der DITIB noch andere islamische Verbände und Moscheevereine gibt, die regelmäßig Geld aus dem Ausland bekommen, ist schwer zu sagen. Denn bislang gibt es hierüber nur wenige Informationen – zumal dieses Thema bislang in der deutschen Öffentlichkeit kaum diskutiert wurde. Folglich könne sie, sagt Hamideh Mohaghighi, nur ungefähre Angaben machen:

“Ditib-Imame kommen ja aus der Türkei, sie werden von dort bezahlt. Das ist einmal das. Dann gibt es einzelne Moscheen, die dann durchaus von Saudi-Arabien scheinbar finanziert werden. Weil, das sind ja kleine muslimische Gruppierungen, die dann auf einmal eine Moschee haben, wenn sie auch Anhänger dieser Ideologie sind. Dass sie dann durchaus finanziert werden. Einzelne iranische Moscheen, die hier sind, die bekommen natürlich auch ihre Gehälter, ihr Geld aus dem Iran.”Sie sehen Muslime, die gemeinsam in einer Moschee beten. (picture-alliance / dpa / Daniel Naupold)Muslime beten im Gebetsraum der DiTiB-Moschee in Stuttgart (picture-alliance / dpa / Daniel Naupold)

Auch wenn etliche Details der externen Finanzhilfen für deutsche Moscheen noch unbekannt sind – ein wichtiger Aspekt dieses Themas gibt bereits jetzt Anlass zur Sorge: Das Geld dürfte aller Wahrscheinlichkeit nach Abhängigkeiten vom Ausland schaffen und damit eine gute Integration von Muslimen in Deutschland untergraben. Denn zusammen mit den Spenden fließt auch eine bestimmte politische Ideologie in die hiesigen Moscheen. So ist bekannt, dass salafistische Gruppen oft aus Saudi-Arabien unterstützt werden. Das Königreich gilt auch als die geistige Heimat der Terrorgruppe Islamischer Staat. Entsprechend betont Riem Spielhaus:

“Wenn regelmäßig Geld fließt und die Moscheearbeit abhängig ist von diesem Geld aus dem Ausland, dann ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass da auch Anforderungen mit verbunden werden.”

Finanzierung aus dem Ausland unterbinden – und dann?

Dass diese Sorge nicht unbegründet ist, zeigt sich bei der DITIB: Das türkische Religionsministerium als Geldgeber kann bis in die Personalstruktur hiesiger Moscheegemeinden hinein mitbestimmen und Vorgaben machen. So ist es wiederholt geschehen, dass dort Türkei-kritische Personen ohne Angaben von Gründen von ihren Aufgaben entbunden wurden: Kein Wunder, dass der Ruf, den ausländischen Geldfluss für deutsche Moscheen zu stoppen, immer lauter wird. Allerdings: Das Verbot alleine dürfte nur wenig helfen. Um das Problem wirklich nachhaltig zu lösen, bedarf es nämlich gleichzeitig einer Antwort darauf, wie sich die betroffenen Moscheen stattdessen finanzieren könnten, sagt Susanne Schröter:

“Sicherlich wäre eine Möglichkeit, dass ähnlich wie bei den Kirchen unser Staat eben auch da Steuern erhebt. Man müsste Moscheen wahrscheinlich auch bezuschussen, weil die Mitglieder oft deutlich ärmer sind als die Mitglieder in Kirchen. Also, man müsste sich sicherlich Gedanken machen, wie diese Moscheen finanziert werden.”

Auch für Hamideh Mohaghighi ist ein Verbot der Auslandsfinanzierung  deutscher Moscheen alleine zu wenig. Zwar sei dieses Thema ausgesprochen wichtig und müsse angegangen werden, aber:

“Das ändert sich nur, wenn die Moscheegemeinden finanzielle Mittel dazu haben, sich selbst hier zu organisieren. Daher muss man vielleicht erst daran arbeiten, als zu sagen: “Das verbieten wir alles.” Das wird nicht funktionieren, sondern arbeiten daran: Wir erkennen die Muslime als Religionsgemeinschaft an. Machen wir sie zur Körperschaft des Öffentlichen Rechtes. Und dann haben sie auch die Möglichkeit, hier Gelder zu haben und sich selbst hier zu finanzieren.”

In der Aachener Bilal Moschee hat Aiman Mazyek seine religiösen Wurzeln. (Deutschlandradio / Nicolas Hansen)In der Aachener Bilal Moschee hat Aiman Mazyek seine religiösen Wurzeln. (Deutschlandradio / Nicolas Hansen)
Ob eine pauschale Anerkennung sämtlicher islamischer Verbände als Körperschaft des Öffentlichen Rechtes machbar und gewollt ist, muss letztlich politisch entschieden werden. Gleichwohl könnte der Gedanke einer Eigenfinanzierung der Moscheen – auch mit Hilfe öffentlicher Mittel – grade unter dem Aspekt der Integration ein erwägenswerter Ansatz sein. Aiman Mazyek, der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, stimmt ihm jedenfalls zu:

“Wer “a” sagt, muss auch “b” sagen. Wenn man sagt, okay wir wollen dieses System so nicht mehr haben -  und da gibt es durchaus Gründe dafür, das zu sagen -  dann müssen wir uns auch die Frage gefallen lassen: Wie finanzieren wir die? Wie organisieren wir das hier in diesem Land? Und da ist der Zentralrat gerne bereit mitzumachen.”

CSU fordert Deutsch als Pflichtsprache in den Moscheen

In diesem Zusammenhang kam aus den Reihen der CSU die Forderung, in deutschen Moscheen müsse auch auf Deutsch gepredigt werden. Denn dadurch, so heißt es, könnten interne Entwicklungen besser kontrolliert und ein möglicher Extremismus unterbunden werden. Hamideh Mohaghighi schüttelt über diesen Appell nur den Kopf. Allein aus theologischen Gründen, sagt sie, sei beispielsweise ein Verbot von Arabisch in der Moschee nicht durchzusetzen:

“Das finde ich Unsinn. Erstens: Arabisch kann man gar nicht verbieten. Ganze Gebete sind in Arabisch. Das ist die spirituelle Sprache aller Muslime. Und auch in anderen Sprachen. Warum soll es nicht sein, dass ein Mensch sich in zwei Sprachen zu Hause fühlt?”

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig und die Senatorin für Arbeit, Integration und Frauen, Dilek Kolat (beide SPD, l) besuchen am 18.08.2015 in Berlin die Sehitlik Moschee und nehmen an der Eröffnung der Beratungsstelle Bahira teil. (picture alliance/dpa/Wolfgang Kumm)Die Moscheen in Deutschland soll nach dem Willen von Bundesfamilienministerin Schwesig (SPD) junge Muslime stärker vor dem Einfluss von Salafisten schützen. (picture alliance/dpa/Wolfgang Kumm)
Hinzu kommt ein zweites Problem: Wer Deutsch als Pflichtsprache in Moscheen türkisch- oder arabisch-stämmiger Muslime verordnet, muss sich gleichzeitig fragen lassen, wie er es mit den Kirchen italienisch- oder griechisch-stämmiger Christen und den Synagogen russisch-stämmiger Juden halten will. Hier gilt der Grundsatz der Gleichbehandlung. Zudem weist Riem Spielhaus daraufhin, dass eine Deutsch-Pflicht in islamischen Gotteshäusern keineswegs Schutz vor Extremismus bietet:

“Ich glaube nicht, dass das wirklich hilfreich ist. Im salafistischen Feld, finde ich, dass die problematischsten Predigten nicht unbedingt in arabischer Sprache, sondern gerade auch auf deutscher Sprache laufen. Wir haben da ja eine ganze Reihe von Konvertiten auch, die unterwegs sind und kein Blatt vor den Mund nehmen, auch wenn sie Deutsch sprechen. Also, deutsche Sprache hilft auch nicht unbedingt vor Extremismus.”

Laut Verfassungsschutz werden derzeit bundesweit 90 Moscheen als extremistisch eingestuft und observiert. Die meisten von ihnen sind nach Angaben von Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen arabisch-sprachige Moscheen.

Viele junge Muslime betrachten Deutschland als ihr Zuhause

Vor allem unter jungen Muslimen scheint sich Deutsch als Sprache durchzusetzen. Denn im Gegensatz zu ihren Eltern betrachten sie Deutschland immer öfter als ihr Zuhause und wünschen, dass sich diese Sicht auch in hiesigen Moscheen widerspiegelt:

“Aus den Gemeinden höre ich immer mehr, dass es durchaus Kritik gibt von der zweiten, dritten Generation. Die wünschten sich eigentlich, hier aufgewachsene, hier sozialisierte und deutsch sprechende Imame, und sind dadurch kritisch gegenüber dieser Entsendung aus der Türkei.”

Diese Position vertritt auch Nushin Atmaca, die Vorsitzende des Liberal-Islamischen Bundes. Sie verweist darauf, dass gerade Imame, die die Lebensverhältnisse in Deutschland kennen und hier aufgewachsen sind, zur besseren Integration von Muslimen beitragen könnten:

“Neben der Frage der Finanzen ist die Frage dessen, was inhaltlich in Moscheen gepredigt und vermittelt wird, viel relevanter. Und es ist sehr viel wichtiger, darauf zu schauen, welches Gedankengut oder welche Spielarten des Islam dort vertreten werden. Ich denke, es ist wichtig, sich damit auseinanderzusetzen, weil es letztlich ja auch darum geht – auch für uns Muslime – wie sich unsere Religion weiterentwickelt und welche Strömungen, über Deutungshoheit verfügen.”

Bislang lag die Deutungshoheit des deutschen Islams in den Händen der Verbände, die in der Regel ihre Imame aus dem Ausland holten. Seit 2010 gibt es Alternativen. Denn an mehreren deutschen Universitäten wird seitdem der Studiengang “Islamische Theologie” angeboten, so dass sich angehende Imame auch hierzulande und in deutscher Sprache ausbilden lassen können. Für Susanne Schröter ist dies ein großer Vorteil, der genutzt werden sollte:

“Man sollte schauen, dass die Imame in den Moscheen tatsächlich im Land ausgebildet werden. Wir haben islamische Theologien an unseren Hochschulen. Und die produzieren Absolventen, die durchaus in der Lage wären, auch in den Moscheen Funktionen auszuüben. Dass muss man aber wollen.”Mouhanad Khorchide, Leiter Zentrum für Islamische Theologie Münster, vor dem Schloss. (Rolf Vennenbernd / picture alliance / dpa)Mouhanad Khorchide hat für seine historisch-kritische Koranexegese viel Kritik geerntet – und wurde bedroht. (Rolf Vennenbernd / picture alliance / dpa)
Die Vertreter der islamischen Verbände allerdings beobachteten diese Entwicklung mit Argwohn, sagt Susanne Schröter. Und sie verweist auf den Fall des islamischen Theologieprofessors Mouhanadaus Khorchide aus Münster, der wegen seiner weltoffenen Haltung über lange Zeit von Vertretern der Verbände bekämpft wurde.

“Das ist nicht gewollt, dass jemand tatsächlich ihnen die Deutungshoheit über den Islam abspenstig macht. Dass hier andere Deutungen an den Universitäten entstehen, liberale Deutungen. Und solche liberalen Deutungen, die auch noch wissenschaftlich fundiert sind. Das ist ja eine Bedrohung. Wenn man vorher die einzigen Instanzen war, die den Islam interpretiert haben, dann  ist das natürlich für solche Verbandsvertreter nicht gerade eine Freude.”

Die Verbände haben jedoch nach wie vor Einfluss. Denn sie stellen die Vertreter einiger Beiräte, die die Lehrstühle für islamische Theologie  fachlich beaufsichtigen. Die islamische Theologin Hamideh Mohaghighi sieht darin nicht unbedingt einen Nachteil. Wichtig sei allerdings, dass die Freiheit der Wissenschaft nicht angetastet werde:

“Wenn jemand sagt, ich glaube nicht an Gott, und sagt, ich mache islamische Theologie, ist klar, dass es nicht möglich ist. Aber es muss dann im bestehenden Rahmen, wo man an Glaubensgrundprinzipien festhält, doch die Möglichkeit geben, frei zu forschen. Und es muss nicht so sein, dass die Theologinnen und Theologen daran gehindert werden, wirklich eine islamische Theologie zu entwickeln, die wirklich auf Denken, auf Reflektieren, auf Vernunftbasis arbeitet und nur gucken muss, was darf ich und was darf ich nicht.”

Vom Beispiel Österreich lernen?

Um Lösungen für die Problemfelder “Imamausbildung” und “Moscheenfinanzierung” zu finden, könnte ein Blick nach Österreich lohnen. Denn dort wurde – nach ähnlichen Diskussionen wie in Deutschland – im vergangenen Jahr ein neues “Islamgesetz” verabschiedet. Es regelt zweierlei: Erstens müssen die Moscheevereine und islamischen Verbände das Geld für die religiöse Arbeit ausschließlich im Inland aufbringen. Zweitens dürfen seit Mitte dieses Jahres keine Imame mehr tätig sein, die aus dem Ausland kommen. Von Seiten der Verbände in Deutschland war schon frühzeitig Kritik am österreichischen Islamgesetz zu hören. So betonte der Dialogbeauftragte der DITIB, Bekir Alboga, dass eine ähnliche Regelung für Deutschland ungeeignet sei:

“Wenn Sie jetzt Imame, die ein gemäßigtes Wissen über den Islam verbreiten, nicht zulassen, dass sie in Deutschland arbeiten, dann entsteht ein großes Vakuum: Wer soll dieses Vakuum füllen? Dann ist sozusagen Tür und Tor geöffnet für radikale Prediger, und das muss man sich gut überlegen, ob man das machen möchte.”

Dass die Alternative zu staatlich entsendeten Imamen aus der Türkei keineswegs einzig und allein radikale Prediger sind, dürften die Vertreter des türkischen Religionsministeriums in Deutschland eigentlich wissen. Sie dürften allerdings auch wissen, dass auf ihre Personalpolitik schwerwiegende  Änderungen zukämen, falls in Deutschland ähnliche Vorgaben gelten würden, wie sie das neue Islamgesetz für Österreich vorsieht. Da die islamischen Verbände aber nach wie vor eine tragende   Rolle für das hiesige Gemeindeleben der Moscheen spielen – über sie werden nämlich in der Regel die Imame eingestellt und gezahlt – versuchen sie, diese Position so gut es geht zu nutzen. So gibt es bislang an hiesigen Moscheen kaum einen Imam, der in Deutschland studiert hat. Dass die Verbände lieber Vorbeter aus den Herkunftsländern der Muslime einstellen, hat für Hamideh Mohaghighi eindeutige Gründe:

“Es besteht noch die Angst davor, wenn man sich zu viel als Deutsche versteht, dann automatisch verliert man eigene Glaubensprinzipien. Dann assimiliert man sich in eine Form, die dann der Anlass dafür ist, dass man nicht mehr den eigenen Glauben erst nimmt.”

Politik muss sich mehr mit dem Islam in Deutschland beschäftigen

Ängste scheint es allerdings nicht nur bei den Moscheevereinen und islamischen Verbänden zu geben, sondern auch in weiten Teilen der deutschen Politik. Anders könne sie es nämlich sich nicht erklären, sagt Susanne Schröter, warum so wenige Mandatsträger in Bund, Ländern und Gemeinden sich ernsthaft mit dem Islam in Deutschland beschäftigten. Für eine gedeihliche Zukunft hiesiger Moscheen sei dies aber unverzichtbar.

“Ich glaube, vielen Politikern ist der Islam grundsätzlich etwas Fremdes und etwas So-Fremdes, dass sie sich schon fast weigern, sich damit auseinanderzusetzen. Und glauben, wenn man da jetzt nicht drüber redet, dann wird das sich irgendwie so organisieren, wie sich auch das Christentum organisiert hat. Das heißt: Die Muslime werden irgendwie so was wie eine Kirche jetzt gründen, und da hat man dann Ansprechpersonen. Aber realisieren nicht, dass der Islam sehr heterogen ist. Und dass das alles auch etwas Politisches hat.”

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