Barfly – Monolog für eine Puppe

don mudra, 18:04:
“Barfly”
Monolog für eine Puppe
von Don Mudra
23.10.2008
Im Hintergrund läuft der Ton von einem Pornofilm, Gestöhne und Musik..
Die Stoff Ente macht die Anmoderation, mit “Mickey Mouse” Stimme.
Stoff Ente:
Hallo und herzlich willkommen bei Amor Fati am Sonntag.
Heute Abend gibt es einen Monolog für eine Puppe in der Amor Fati Bar “Nirgendwo”.
Der Titel des Monologes: “Barfly”.
Hat nix mit dem Film “Barfly” zu tun. Mit Mickey Rourge und Fay Danaway. Über das Leben
von Charles Bukowski.
Abgang Stoff Ente.
Zugang Elvis Puppe (Don Mudra), kommt hinter den Tresen und stellt eine Flasche Ketamin ab und wendet sich dem Publikum zu.
Don Mudra:
Hi Leute, mein Name ist Don Mudra aber Freunde dürfen mich
Don………Mudra nennen.
Ja, ja, die Zeiten sind hart aber modern und der Trend geht zum Zweitjob.
Meine Hauptbeschäftigung ist die kritische Betrachtung des
politischen und gesellschaftlichen Leben und deren Verbreitung
im öffentlichen und privaten Leben.
Aber mit dieser Beschäftigung darf kein
Geld verdienen werden, denn wir wissen doch:
Nur wer unabhängig ist, kann wirklich kritisch sein.
Wendet sich zum Publikum
Don Mudra:
Ist doch logisch, oder?
Oder was meinen Sie dazu…. Ach was, egal.
Schüttet sich einen Drink Ketamin ein.
Don Mudra:
Meine Nebenbeschäftigung, ist Verkäufer in der “Motor Station Altona”. Schwerpunkt: Fahrradverleih.
und Service, rund um die Uhr.
Und im Gegensatz zu dieser Bar, habe ich in der “Motor Station” mehr Kunden und
ganz besonders viele Kundinnen.
So, jetzt mal einen erstklassigen Tipp an die ledigen Jungs hier im Raum. Ohren auf, ich sage
es nur einmal: Wenn Sie Frauen kennen lernen wollen, dann müssen Sie sich
aufmachen und losgehen in die Einkaufszonen,
in die Kaufhäuser, in die Schul Läden, in die Boutiquen usw. oder sucht euch
besser noch einen Job als Verkäufer in einem der genannten Läden. Da geht was!
Beim Einkaufen sind die Frauen förmlich wehrlos.
Hei, das wissen Sie doch auch. Einkaufen macht glücklich und offen für
kleine Plaudereien und mehr..
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Don Mudra wendet sich an das Publikum und geht auf den Pornoton ein.
Don Mudra:
Sie wundern sich über das “Geficke” von nebenan. Da ist jetzt neu ein Pornokino
mit Darkroom drin. Das ist nix für Sie. Das ist wirklich nur etwas für Nihilisten
und ähnliche Gesellen.
Ich gehe nach Feierabend schon mal gerne da hin und trinke einen Blasen Tee.
Also, Katholiken und so was habe ich dort noch nie gesehen.
Don Mudra trinkt einen Schluck.
Wo war ich stehengeblieben? Ach, ja. Die Frauen. Jungs ich weiß wovon ich rede.
In den Fahrradladen kommen 80 % Frauen. Die Jungs reparieren ihre Räder lieber selber. Sollen sie!! HH hat übrigens erheblich mehr weibliche Einwohner als männliche.
Die Frauen kommen in meinen Fahrradladen und wollen Licht,… Luft… und…. Kettenspannung.
Was meinen Sie, wieviel Frauen ich in den letzten Monaten
glücklich gemacht habe in dem Fahrradladen.
Ich liebe meinen Job!
Don Mudra wendet sich an das Publikum und geht auf den Porno ton ein.
Don Mudra:
Der Film der jetzt gerade nebenan läuft kenn ich. Gina Wild – Durch gefickt! Da kann ich mitstöhnen!
Einwandfrei der Film.
Ich habe heute meinen redseligen Tag. Ich sage ihnen noch etwas und das betrifft Frau und Mann.
Mein Tipp: Suchen Sie nach ihrer verborgenen bisexuellen Seite und leben Sie sie aus.
Ich garantiere Ihnen jede Menge Sex, Sex, Sex. Jawohl!
Don Mudra wendet sich an das Publikum.
Don Mudra:
Sie schauen so ungläubig und denken bestimmt, was redet der Mann für einen Quatsch!
Nein, Nein, hier werden sie geholfen. Ehrlich.
Also:
In den Schwulen Kinos und Darkrooms sind zu 75 % bisexuelle Männer, die anonymen Sex mit muskulösen Lederkerlen haben wollen, oder so ähnlich. Die meisten der Männer gehen nach dem Sex nach Hause zu ihren Ehefrauen. Es ist so leicht für Männer Sex zu bekommen, wenn sie bisexuell sind.
Bisexuelle Männer können in Darkrooms gehen, oder in Parks. Der Boberger See hat einen eigenen
Strand, wo nur Schwule sind. Da geht immer was. Oder über das Internet. Innerhalb von Minuten kann man ein Date mit Sex klar machen irgendwo in HH. Alles kein Problem
Das nenn ich sexuelle Demokratie.
Für Frauen gibt es ja keine Darkrooms oder ähnliches. Sie müßten es mal in einschlägigen
Frauen kneipen oder Mittwoch im KIR probieren. oder im Internet.
Ich behaupte einfach mal, dass fast alle Menschen bisexuell sind, nur die meisten unterdrücken diese Art der Sexualität.
Schön blöd.
Don Mudra trinkt.
Don Mudra:
Wann haben Sie das letzte mal ein innig knutschendes Heteropaar gesehen? Lange her.
Ich sah eines dieser seltenen Spezies am letzten Samstag bei der DIY Party im Ü+G mitten auf dem Dancefloor. Gegen 5 Uhr morgens. Das fand ich richtig klasse. Von Amts wegen
müßte der komplette Dancefloor Knutschen aber wer knutscht schon gerne in der Öffentlichkeit.
Don Mudra wendet sich an das Publikum.
Don Mudra:
Na, wann hatten sie oder Sie oder Sie das letzte mal Sex? Und wer ist bisexuell, schwul oder lesbisch.
Das große Schweigen!
Dann weiß ich ja Bescheid. Alles Heteros! Au weia.
Ich schildere mal einen Hetero Dialog. Es geht ums Knutschen.
Er: Darf ich dich küssen?
Sie: Ich weiß nicht.
Er: Was weißt du nicht?
Sie: Ob ich Dich küssen kann.
Er: Hei, ich will nur knutschen.
Sie: Ich denke darüber nach. Ok?
Er: Was gibt es denn darüber nachzudenken?
Sie: Ich bin mir nicht sicher, ob ich emotional schon bereit bin dafür.
Ich spüre, glaube ich, keine Liebe.
Und ich brauche vorher einen Aidstest. Und hast du einen Bausparvertrag.
und willst Du Kinder haben….
Don Mudra zeigt auf das Pornokino.
Don Mudra:
Was ist mit den Pornofilmen? Ich sage es ihnen: Pornos sind so primitiv wie die sex feindliche Gesellschaft mit ihrer verklemmten Sexualität und erst eine sexual bejahende Gesellschaft ist zu einer differenzierten und kultivierten Darstellungen von Sexualität fähig.
Die komplette Gesellschaft
ist pornografisiert. Im Internet kannst du die ganze Bandbreite der Sexualität haben:
Sex mit Frauen, Sex mit Männer, Sex mit Kindern, Sex mit Tieren und all den anderen
Dreck, von dem ich noch nichts weiß.
Der öffentliche Raum ist zugekleistert mit sexistischer Werbung und sogar im öffentlich rechtlichen Fernsehen gibt es Schwänze und Muschis zu sehen.
Überall ist Sex,… nur keiner hat Sex…. von den armen Heteros jedenfalls.
Schwuler Sex erscheint nicht in der Werbung und ist gesellschaftlich immer noch stigmatisiert.
Partnerschaft bedeutet bei uns immer Monogamie und wenn schon
einen Seitensprung, dann aber bitte keinen schwulen Sex.
Don Mudra trinkt einen schluck Ketamin.
Don Mudra:
Lecker, lecker.
Ich sage Ihnen, warum es so ist wie es ist:
Wenn in unseren, ach so modernen westliche Industrieländern für 80% der
Frauen und Männer Liebe und Eifersucht zusammen gehören, dann wird das nichts
mit der sexuellen Befreiung.
Übrigens ist Eifersucht das häufigste Motiv bei Gewalttaten und Mord.
Kurze Frage:
Wer von ihnen kennt immer noch nicht den Unterschied zwischen
Ficken und Blasen?
Heute zum allerletzten mal, werde ich es ihnen sagen.
Hatten sie schon mal Ficken an den Füßen? Ich nicht.
Don Mudra trinkt einen schluck Ketamin.
Don Mudra schaut auf sein Ficken Armband.
Don Mudra:
Ei, gleich Feierabend.
Aber für einige Bemerkungen zum Kinderkriegen und Familie habe ich noch. Zeit.
Ich halte es da lieber mit Karl Kraus, der in zeitloser Wahrheit schreibt:”Das Familienleben
ist ein Eingriff in das Privatleben”.
Ja, ja, die gute alte Familie, der heilige Gral in einer individualisierten Welt, in der
keine Kinder mehr geboren werden, wird zu einer neuen/alten Gesellschaftsidee.
Jetzt noch mal die Ohren auf:
Jetzt sage ich allen denen, die kinderlose Frauen für hedonistisch und egoistisch halten, die nur an ihre Selbstverwirklichung und an ihr Bauchnabelpiercing denken und damit die Rentenkassen zerstören statt ihrem Gottgewollten Schöpfungsauftrag nachzukommen Folgendes:
1. Kinderlosigkeit ist kein Lifestyle sondern ein Freiheitsrecht.
2. Emanzipation ist nicht nur der Aufstand gegen eine Männergesellschaft sondern die Befreiung der Frau aus ihrer von Männern verordneten Unterworfenheit.
3. Es gibt keine Pflicht zum Kind. Wer etwas anderes sagt, verrät seine totalitäre Gesinnung.
4. Im Kapitalismus von Solidarität zu sprechen ist absurd und albern.
Don Mudra schaut auf sein Armband.
Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit und tschüssikowski.

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