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Pablo Picasso, Werbung und Das Leiden an der Welt

don mudra, 14:12:
Pablo Picasso, Werbung
und
Das Leiden an der Welt
Fiktives Gespräch
von Don Mudra 2007
Herzlich willkommen bei Amor Fati. Heute mal nicht in gewohnter Umgebung. Der
Grund ist mir nicht bekannt und ich will ihn auch nicht wissen. Ich werde mich heute
im oder am Bett mit Don Mudra unterhalten. Der liegt schon da und wartet auf seine
Medikamente.Ich habe da schon mal was vorbereitet und werde jetzt mit der
Medikamentation beginnen. Bitte absolute Ruhe.
Oh ja, vielen Dank Schwester Mudra. ( Don kifft)
Lieber Don, wir wollen nicht wissen warum Du heute im Bett liegst, sonder lieber
wissen, wo Du vor genau 10 Tagen Abends gegen 20 Uhr warst?
Ich war im Auftrag der Literatur unterwegs. Bei starkem Regen
und ziemlich nüchtern.
Was genau meint “ziemlich nüchtern”?
Na ja, ich war auf Nico Spindlers Performance im
“Kulturreich”. Der Laden ist in der Wexstraße am
Großneumarkt.Kurz bevor ich mit dem Bus dorthin fuhr, habe ich
mir mein Papprohr (Papprohr in die Kamera halten) mit
Haschisch gegeben. Gut, also raus aus meiner lieben, kleinen
Behausung, rein in den Bus, raus am Axel Springer Platz und
rein in das “Kulturreich”.
Aha, die ” Raus – Rein” Taktik.
Genau dette. Als ich das Kulturreich betrat, war mir klar,
hier wird nicht gekifft. Zu hell und nur Alkoholiker im Raum.
Als die Veranstalterin dann das Programm ansagte, erwähnte sie
noch die Möglichkeit zum Verzehr von Speisen und legalen
Drogen. Sie sagte wirklich legale Drogen. Also packte ich
meine Haschpfeife nicht aus.
Und das ging.
Klar, ich war schon gut bekifft und es sollte sich heraus
stellen, das es besser so war.
Wie meinst Du das?
Weil sich nach Nicos Programm noch eine Diskussion
entwickelte, bei der alle meine acht Sinne brauchte.
Was für ein Thema?
1
Ich erzähle mal der Reihe nach.Das Kulturreich ist eine
Galerie, Café und jeden Donnerstag gibt es im Salon ein
Programm. Mal Lesung oder Performance oder Gespräche.In den
hinteren Räumen waren noch Büroräume.Die Betreiberinnen des
Kulturreich haben dort die Firma, Kommunikation und tralllalla
Design oder so ähnlich. Ich denke das ist eine
Werbeagentur.
An den Wänden waren Fotos und Zeichnungen, sehr gut gemacht,
gefielen mir. Alle Objekte waren mit Preisschildern versehen
und man konnte T-Shirts und Buttons erwerben und in dem Mini
Bistro Speisen und Getränke. Die Räumlichkeiten waren wirklich
geschmackvoll und edel.Die meisten Gäste waren ehemalige
Kollegen mit Chef von Meister Spindler. Welche Branche willst
Du wissen? Klaro, Werbung und Internet. Mit anderen Worten,
ich war in bester Gesellschaft.
Ja und?
Nach Nicos Performance waren nur noch der Ex-Chef, die Ex-
Kollegen, die Service-Kraft und die beiden Inhaberinnen da.
Lange Rede , kurzer Sinn, es ergab sich ein Gespräch zum
Thema Werbung und Datenschutz im Internet. Meine These
lautete: Werbung ist eines der Grundübel der Gesellschaft und
ganz besonders die Tabak-und Alkoholwerbung, die ganz gezielt
Werbung macht, die Kinder und Jugendliche anspricht.Vom Frauen
verachtenden Sexismus in der Werbung sprach ich nicht mal und
meine Meinung zu Google, MySpace und Co. kennst Du ja.
Mein lieber Don, da warst Du ja genau richtig.
Und wie. Ich möchte nur drei der Gegenargumente erwähnen, die
mich auf die Palme brachten. Der Ex-Chef, wollte mir mit
vollem Ernst verklickert, das die Tabakindustrie ungeheuer
Anstrengungen unternimmt, finanziell und Ideell, um Kinder und
Jugendliche vom Rauchen abzuhalten. Er selber war bei solchen
Gesprächen der Tabakindustrie schon anwesend. Er meinte,
Werbung weckt Wünsche bei den Menschen, und wenn diese Wünsche
erfüllt werden, sind die Konsumenten glücklich.Ich dachte
immer Werbung weckt Wünsche, die vorher nicht da waren und
deshalb entstehen überflüssige Produkte ohne Nutzwert. Erst
die Werbung verleiht den Produkten ihre Bedeutung. Es war an
der Zeit, ein Zeichen zu setzten. Ich war bereit meine
Gesinnung offen zulegen und ich sagte in die Runde: Je länger
ich mir das Wirtschaftsleben anschauen muss, um so öfter nehme
ich das Wort “Enteignung” in den Mund. Bei diesem Wort mussten
alle erzittern und schlugen mir das nächste Pro Werbung
Argument um die Ohren.Dazwischen erklärte ich meinen Partei
Eintritt bei der Links Partei. Darauf ging Inhaberin 2 nicht
ein. Sie ist in der DDR Sozialisiert und kann so etwas nicht
ernst nehmen. Sie verneinte kategorisch den Zusammenhang
zwischen Nikotin und Sucht und meinte, wer anfängt zu rauchen,
der kann auch wieder aufhören zu rauchen. Rauchen ist keine
Sucht, schrie sie mir entgegen und schließlich sind die Eltern
Verantwortlich dafür, ob ihre Kinder süchtig werden oder
2
nicht. Die Eltern müssen ihren kleinen Rackern Werte und
Normen beibringen und alles ist gut.
Das ist harter Tobak.
Die Servicekraft war auf meiner Seite und der Ex-Chef
betrachtete mich ungläubig und mitleidig und versuchte auf die
Kumpeltour, mich milde zu stimmen. Inhaberin 2 ritt auf die
Verantwortung der Eltern herum und ich rief, das die
Werbeindustrie genauso Verbrecher sind, wie die Energie-und
Erdölindustrie, die Telekommunikation die Waffenindustrie und
die Banken. Von nun an betrachteten die Pro – Werbung
-menschen mich wie einen armen irren.
Das glaube ich. Wenn ich Werbung definiere, als “Versuch der zwang freien
Meinungsbeeinflussung durch besondere Kommunikationsmittel”, dann hast Du aber
Recht.
Was für einen Nutzen hat Werbung, die früher noch Reklame
hieß, für den Menschen? Ich sage es Dir: Keinen Nutzen! Von
Produktinformation kann man nicht reden bei Werbung. Werbung
ist alltäglich, Werbung ist überall, Werbung ist
selbstverständlich! So sieht es aus, aber ist das richtig?
Das sehe ich allerdings auch so. Ich brauche nur aus dem Haus zu gehen und schon
geht das Werben los. An der Litfaßsäule, an der Plakatwand, an den Bussen und
Lkws, an den “Stadtmöbeln”, an den Bushaltestellen usw.. Ich finde es auch
unmöglich, wenn ich mir eine Kinokarte kaufe,das ich mir 20-30 Minuten Werbung
ansehen muss.Die Kinokarte ist doch schon bezahlt.
Da siehst Du, das Werbung überall ist und als völlig
selbstverständlich hingenommen wird. Ich sage Dir folgendes:
In unserer Gesellschaft gibt es keine Bürger mehr sondern nur
noch Konsumenten. Selbst der Empfang der deutschen Botschaft
in Rom zum Tag der Deutschen Einheit wurde mit einem Dank an
eine Autofirma eröffnet, deren Produkte den Eingang
schmückten. Mehr braucht man eigentlich nicht zu sagen oder?
Nein, da bin ich anderer Meinung. Bei Dir ist Kritik an der Werbung gleich
Kapitalismuskritik. Die Realität ist aber, das wir einkaufen müssen und das Werbung
den grundrechtlichen Schutz der Meinungsäußerung und der Berufsausübung
genießt.
Hört, hört, der Realist hat gesprochen. Dann weißt Du auch, wo
Rechte sind, da sind die Pflichten nicht weit.Ich zitiere den
Deutschen Werberat, der sich zur Pflicht gemacht hat, das…
“Darstellungen und Aussagen in der Werbung dürfen nicht die
Menschenwürde und das allgemeine Anstandsgefühl verletzen und
bestimmte Personen oder Personengruppen nicht herabwürdigen
oder verächtlich machen. Zur Beachtung dieser Grundsätze zählt
insbesondere auch, dass bei der Darstellung von Personen in
der Werbung sexuell aufreizende Abbildungen oder Texte
unterlassen werden.” Und bist Du der Meinung, das die Werbung
frei von sexuell aufreizenden Darstellungen ist.
3
Nee.
Na siehst Du, “Sex sells” am besten. Zur Zeit super sexy, die
C&A Werbung für Dessous an Bushaltestellen und Plakatwänden
und neu dazu gekommen, die H&M Werbung auch für Unterwäsche.
Und diese Werbung ist noch geiler. Das Supermodell in Sexy
Dessous, von oben fotografiert, fleht den Betrachter förmlich
an: Los, nimm mich, mach was Du willst mit mir, ich bin nur
eine Frau. Oder die obergeile Werbung von “Palmer”. Ich
wissen wie das geht. Eine raffinierte Verbindung von Sex und
Sexismus und Ästhetik und Erotik. Mit dieser Betont Erotischen
Werbung, hat “Palmers” einen riesigen Bekanntheitsgrad
beschert. 24 Millionen Zugriffe monatlich hat die Homepage von
“Palmers”. Mich ärgert diese Werbung ungemein. Wie
frauenfeindlich und sexistisch und diskriminierend das ist.
Ich finde die Werbung gut. Klasse Frauen in Dessous und Du bist keine Frau, also
reg Dich ab.
Hör mal gut zu: Für mich ist Frauenfeindlichkeit das gleiche
oder selbe wie Ausländerfeindlichkeit oder Männerfeindlich.
Die Calvin Kleins und wie die tollen Unterhosenmacher alle
heißen, machen sexistische Werbung mit Männern. Oder noch
extremer, die Penner von Dolce&Gabbana, in der nicht nur die
Frau als Sex – Objekt dargestellt wird, nein, auch die Männer
werden als eine Bande brutaler, geiler Machos dargestellt.
Hier das Foto der Werbung. Das alles sieht Hans und Franz -
entschuldige bitte Hanns – und rennt in die Muckibude, weil er
auch so einen Waschbrettbauch will und übt vor dem heimischen
Spiegel den super coolen Gesichtsausdruck. Beobachte mal 15 -
18 Jährige Jungs und achte mal darauf, wie cool die Jungs
gucken können. Das macht mich so an, das ich lachen muss und
wo kommen wohl die vielen Magersüchtigen Mädchen, Frauen und
mittlerweile auch Jungs und Männer her?
Du übertreibst!
Ok, Du willst es nicht anders: Hier einige Fakten: Der
Internationale Suchtstoffkontrollrat (INCB) der Vereinten
Nationen hat in seinem Jahresbericht 2006 festgestellt, das
der weltweite Missbrauch von rezeptpflichtigen Medikamenten
auf dem besten Weg ist, den Missbrauch von illegalen Drogen zu
übertreffen. In den USA übertrifft der Missbrauch von
verschreibungspflichtigen Medikamenten schon den von illegalen
Drogen. Mit Ausnahme von Cannabis. Und besonders warnt das UN
- Gremium vor den Schlankheitspillen, die in vielen Ländern
ohne Probleme zubekommen sind. Auf die Liste der zu
verstaatlichen Industrien, muss zu den vorhin schon erwähnten
Verbrecherindustrien, unbedingt auch die Pharmaindustrie.
Also, Freiheit oder Sozialismus. Werbung ist nur in einer freiheitlichen Gesellschaft
möglich.
Das hört sich nach dem CDU Parteitag an. Wir sind die Mitte
und demokratischer Sozialismus “..führt in den
4
Totalitarismus”, sagt Frau Merkel. Vor einigen Jahren sagte
das auch Gerhard Schröder, das mit der Mitte. Was bedeutet
eigentlich: “Wir sind die Mitte”.? Ich sage es Dir: Wenn ich
in der Mitte bin, geht es nicht mehr weiter. Ich kann nur
wieder zurück an den Rand. Wirtschaftlich betrachtet, sind an
den Rändern die Randgruppen. Wenn ich die Mitte bin, will ich
mit den Rändern nichts zu tun haben. Das bedeutet Mainstream
und Popularität und das ist gleich Mittelmäßigkeit. Die
Mehrheit der Gesellschaft steht in der Mitte und sieht nicht
oder will nicht den Rand sehen. Und genau das sind die
Politiker und die Politik der letzten 3 Jahrzehnte und die
Gesellschaft hat sich auch dahin entwickelt.
Gut, wie kriegen wir jetzt elegant die Kurve zur Kunst?
Na ja, der Ausgangspunkt ist das “Kulturreich”gewesen, wo
Kunst und Werbung zuhause sind. Das finde ich nicht schlimm
und es liegt mir fern, das “Kulturreich” zu kritisieren. Ich
empfehle ausdrücklich diesen Laden. Lecker Essen, nette
Inhaberinnen und Servicekraft und interessante Kunst an den
Wänden. Das wollte ich nochmal ausdrücklich betonen. Ich
kritisiere das zunehmende Kultursponsoring bei jeder Art von
Veranstaltung und sehe das mit Besorgnis, wenn ich das mal so
elegant formulieren darf. Kein Ausstellungskatalog ohne
Firmenlogo, kein Gastspiel ohne Hinweis auf den Hauptsponsor
und sogar die Politik begibt sich in die Niederungen des
Sponsorings. Beispiel die Deutsche Botschaft in Rom.
Wenn die Kulturausgaben von Bund, Ländern und Gemeinden seit Jahren
stagnieren, ist das kein Wunder.
Die Ausgaben stagnieren, bzw. sie sinken eigentlich, weil
alles teurer wird. Aber 8 Milliarden Euro Ausgaben für die
Kultur ist schon ordentlich. Kunst und Geld ist schon ein
befremdlicher Zusammenhang. Willst Du wissen, was Picasso mal
gesagt hat?
Nein.
Er sagte 1935 folgendes:” Museen sind nichts weiter als ein
Haufen Lügen, und die Leute, die aus der Kunst ein Geschäft
machen, sind meistens Betrüger”.
Da war Picasso aber schon ein reicher Mann!
1937 hat Picasso für den spanischen Pavillon der
Weltausstellung das Bild “Guernica” gemalt. Die Baskische
Stadt Guernica wurde am 26. 4. 1937 im spanischen Bürgerkrieg
von der Legion Condor zerstört. Die Legion Condor bestand aus
Verbänden der deutschen Wehrmacht, die im spanischen
Bürgerkrieg an der Seite Francos kämpften. Aus dem gleichen
Jahr ist auch folgenden Ausspruch von Picasso, den ich aus dem
Zusammenhang gerissen habe:”…nein, Malerei ist nicht dazu
da, um Apartments zu schmücken. Sie ist eine Waffe zum Angriff
und Verteidigung gegen den Feind”.
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Na gut, wie hält es denn der brave Künstler mit dem Geld?
Es gibt keine objektiven Maßstäbe für Kunst. Punkt. Wer Kunst
nach materiellen Aspekten bewertet, ist meist ein Betrüger,
wie Picasso sagt. Kunst kommt nicht von Kaufen, Kunst kommt
auch nicht von Können oder von Künden. Für mich ist Kunst
folgendes: “Jeder freie Mensch ist kreativ. Da Kreativität
einen Künstler ausmacht, folgt: Nur wer Künstler ist ist
Mensch….Jeder Mensch ist ein Künstler.” Das hat Joseph Beuys
gesagt und ich sage es auch so. Und alles andere ist keine
Kunst sondern Lüge! Kunstmessen, Kunstausstellungen, Museen,
Kunstversteigerungen, Theater, Film, Literatur usw. ist alles
Lüge. Ich benutze die Worte Lüge und Betrüger, im Geist von
Picasso. Philosophisch.
Hör auf damit. Alles Lüge, was heißt das?
Ausgehend von der These:” Kunst ist die schöpferische
Tätigkeit der Natur im Menschen. Sie entspringt einem
Grundtrieb des Menschen und ist seit Urzeiten eines der
wichtigsten Ausdrucksmittel”, nach der Aussage von Beuys,
dient Kunst einzig nur dem Künstler selber. Das künstlerische
Tun ist Befriedigung genug für den Künstler und jede andere
Anerkennung der Kunst durch Menschen mittels Beachtung,
Bewunderung und Bezahlung ist keine Kunst. Basta!
Das heißt, Kunst ist nicht käuflich.
Genau. Ich bin mir nicht sicher, ob manche große Meisterwerke,
inhaltlich die Überzeugung des Künstlers spiegeln oder
vielleicht doch nur dem Geschmack des Auftraggebers. Aber der
weitaus wichtigere Punkt ist: Kunst und Geschäft ist
unmoralisch. Die Käufer von Kunst sind Betrüger und Lügner, im
philosophischen Sinne und damit meine ich Kunstsammler,
Galeristen, Museen, Spekulanten, Kunstbeauftragte,
Kunsthochschulen, Kunstlehrer, Kunststudenten usw..
Kunst ist das also Tun und sonst nüschte.
Ja genau, Kunst als Selbstzweck und nicht als eine Ware, die
Beglaubigungsschreiben, Zeugnisse, Bewertungen, Testate
braucht. Erklärungen, Beschreibungen, Einordnungen und
Kritiken braucht die Kunst genauso wenig.
Das ist Radikal.
Ach was, halb so schlimm. Wenn ich jemanden kennenlerne und
nach dem Beruf frage und der oder diejenige sagt dann: “Ich
mache Kunst!” Dann frage ich:”Und wer macht´s wieder weg?”
Sehr lustig aber lassen wir das, das führt nur wieder zu Streitereien.
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Na und. Streiten macht doch Spaß und wenn Du machst was Ich
will, haben wir keine Probleme.
Ha, ha, ha. So hättest Du das gerne. Aber jetzt möchte ich doch wissen, warum Du
im Bett liegst?
Das ist so eine Art Krise, die mich antriebslos und
nachdenklich macht.
Aber hoffentlich kein “Leiden an der Welt und überhaupt”.
Doch, doch, doch. Mit den Wörtern “Leiden an der Welt” ist es
schon treffend beschrieben. Meine einzige Infoquelle zur Welt
ist das Radio. Kein TV, keine Zeitung und Illustrierte..
Na, na, na. Du bist doch dreimal die Woche im UKE zur Zahnbehandlung und liest
beim Warten die Brigitte.
Ja, das stimmt. Aber ich warte nie lange und kann kaum was
lesen vor lauter Bildern. Hier übrigens meine neue Brücke über
vier Zähne mit Gruppenführung, von Frau Yavari gemacht.
Gefällt mir sehr gut und ich kann wieder kraftvoll zubeißen.
Schön, schön. Aber bitte weiter mit deinem “Leiden an der Welt”.
Jo, mach ich. Also, wie sage ich es am besten.
Mit deinen Worten.
Ok, aber vorher noch ein Rätsel. Was ist das: “Alle verwunden
und die letzte tötet?”
Ich weiß es! Jemand von Euch? Nein. Ich sage es: Die Stunden!
Zurück zum “Leiden an der Welt”. Wie kann ich mich als Mensch
anständig verhalten, gegenüber den großen Themen der Welt, die
mir das Radio um die Ohren haut? Ich zähle mal auf:
Klimaschutz, Datenschutz, Akustische Wohnraumüberwachung,
Lauschangriff, Überwachungsstaat, Irak, Afghanistan,
Selbstmord – Attentäter, Streumunition, Postmindestlohn,
Rekordgewinne, Rekordverkäufe, Rekordversteigerungen,
Rekordsparguthaben, Massenentlassungen, Erdölpreise,
Inflation, Kosovo, Lotto Jackpot, Strompreise, Atomkraftwerke,
Raketenabwehrsystem, Bundesbahnstreik, Privatisierung,
Globalisierung, Nah – Ost – Konflikt, Gazastreifen, Ramallah,
Palästina, Gewinne privatisieren und Verluste sozialisieren,
Rauchverbot, Konsumzurückhaltung, Aktienkurse, DAX,
Kursfeuerwerk, Zinsphantasie, Gewinnwarnung, US – Hypotheken,
Babyleichen in Ost und West………….
Okay, ich glaube das reicht. Wie also kommst Du mit dem Leiden an der Welt klar?
Jetzt Pass gut auf, ich sage das nur einmal.Das einzige Mittel
das Leben zu ertragen ist: Es schön zu finden! 07.12.2007
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Pablo Picasso, WerbungundDas Leiden an der WeltFiktives Gesprächvon Don Mudra 2007Herzlich willkommen bei Amor Fati. Heute mal nicht in gewohnter Umgebung. DerGrund ist mir nicht bekannt und ich will ihn auch nicht wissen. Ich werde mich heuteim oder am Bett mit Don Mudra unterhalten. Der liegt schon da und wartet auf seineMedikamente.Ich habe da schon mal was vorbereitet und werde jetzt mit derMedikamentation beginnen. Bitte absolute Ruhe.Oh ja, vielen Dank Schwester Mudra. ( Don kifft)Lieber Don, wir wollen nicht wissen warum Du heute im Bett liegst, sonder lieberwissen, wo Du vor genau 10 Tagen Abends gegen 20 Uhr warst?Ich war im Auftrag der Literatur unterwegs. Bei starkem Regenund ziemlich nüchtern.Was genau meint “ziemlich nüchtern”?Na ja, ich war auf Nico Spindlers Performance im”Kulturreich”. Der Laden ist in der Wexstraße amGroßneumarkt.Kurz bevor ich mit dem Bus dorthin fuhr, habe ichmir mein Papprohr (Papprohr in die Kamera halten) mitHaschisch gegeben. Gut, also raus aus meiner lieben, kleinenBehausung, rein in den Bus, raus am Axel Springer Platz undrein in das “Kulturreich”.Aha, die ” Raus – Rein” Taktik.Genau dette. Als ich das Kulturreich betrat, war mir klar,hier wird nicht gekifft. Zu hell und nur Alkoholiker im Raum.Als die Veranstalterin dann das Programm ansagte, erwähnte sienoch die Möglichkeit zum Verzehr von Speisen und legalenDrogen. Sie sagte wirklich legale Drogen. Also packte ichmeine Haschpfeife nicht aus.Und das ging.Klar, ich war schon gut bekifft und es sollte sich herausstellen, das es besser so war.Wie meinst Du das?Weil sich nach Nicos Programm noch eine Diskussionentwickelte, bei der alle meine acht Sinne brauchte.Was für ein Thema?1Ich erzähle mal der Reihe nach.Das Kulturreich ist eineGalerie, Café und jeden Donnerstag gibt es im Salon einProgramm. Mal Lesung oder Performance oder Gespräche.In denhinteren Räumen waren noch Büroräume.Die Betreiberinnen desKulturreich haben dort die Firma, Kommunikation und tralllallaDesign oder so ähnlich. Ich denke das ist eineWerbeagentur.An den Wänden waren Fotos und Zeichnungen, sehr gut gemacht,gefielen mir. Alle Objekte waren mit Preisschildern versehenund man konnte T-Shirts und Buttons erwerben und in dem MiniBistro Speisen und Getränke. Die Räumlichkeiten waren wirklichgeschmackvoll und edel.Die meisten Gäste waren ehemaligeKollegen mit Chef von Meister Spindler. Welche Branche willstDu wissen? Klaro, Werbung und Internet. Mit anderen Worten,ich war in bester Gesellschaft.Ja und?Nach Nicos Performance waren nur noch der Ex-Chef, die Ex-Kollegen, die Service-Kraft und die beiden Inhaberinnen da.Lange Rede , kurzer Sinn, es ergab sich ein Gespräch zumThema Werbung und Datenschutz im Internet. Meine Theselautete: Werbung ist eines der Grundübel der Gesellschaft undganz besonders die Tabak-und Alkoholwerbung, die ganz gezieltWerbung macht, die Kinder und Jugendliche anspricht.Vom Frauenverachtenden Sexismus in der Werbung sprach ich nicht mal undmeine Meinung zu Google, MySpace und Co. kennst Du ja.Mein lieber Don, da warst Du ja genau richtig.Und wie. Ich möchte nur drei der Gegenargumente erwähnen, diemich auf die Palme brachten. Der Ex-Chef, wollte mir mitvollem Ernst verklickert, das die Tabakindustrie ungeheuerAnstrengungen unternimmt, finanziell und Ideell, um Kinder undJugendliche vom Rauchen abzuhalten. Er selber war bei solchenGesprächen der Tabakindustrie schon anwesend. Er meinte,Werbung weckt Wünsche bei den Menschen, und wenn diese Wünscheerfüllt werden, sind die Konsumenten glücklich.Ich dachteimmer Werbung weckt Wünsche, die vorher nicht da waren unddeshalb entstehen überflüssige Produkte ohne Nutzwert. Erstdie Werbung verleiht den Produkten ihre Bedeutung. Es war ander Zeit, ein Zeichen zu setzten. Ich war bereit meineGesinnung offen zulegen und ich sagte in die Runde: Je längerich mir das Wirtschaftsleben anschauen muss, um so öfter nehmeich das Wort “Enteignung” in den Mund. Bei diesem Wort musstenalle erzittern und schlugen mir das nächste Pro WerbungArgument um die Ohren.Dazwischen erklärte ich meinen ParteiEintritt bei der Links Partei. Darauf ging Inhaberin 2 nichtein. Sie ist in der DDR Sozialisiert und kann so etwas nichternst nehmen. Sie verneinte kategorisch den Zusammenhangzwischen Nikotin und Sucht und meinte, wer anfängt zu rauchen,der kann auch wieder aufhören zu rauchen. Rauchen ist keineSucht, schrie sie mir entgegen und schließlich sind die ElternVerantwortlich dafür, ob ihre Kinder süchtig werden oder2nicht. Die Eltern müssen ihren kleinen Rackern Werte undNormen beibringen und alles ist gut.Das ist harter Tobak.Die Servicekraft war auf meiner Seite und der Ex-Chefbetrachtete mich ungläubig und mitleidig und versuchte auf dieKumpeltour, mich milde zu stimmen. Inhaberin 2 ritt auf dieVerantwortung der Eltern herum und ich rief, das dieWerbeindustrie genauso Verbrecher sind, wie die Energie-undErdölindustrie, die Telekommunikation die Waffenindustrie unddie Banken. Von nun an betrachteten die Pro – Werbung-menschen mich wie einen armen irren.Das glaube ich. Wenn ich Werbung definiere, als “Versuch der zwang freienMeinungsbeeinflussung durch besondere Kommunikationsmittel”, dann hast Du aberRecht.Was für einen Nutzen hat Werbung, die früher noch Reklamehieß, für den Menschen? Ich sage es Dir: Keinen Nutzen! VonProduktinformation kann man nicht reden bei Werbung. Werbungist alltäglich, Werbung ist überall, Werbung istselbstverständlich! So sieht es aus, aber ist das richtig?Das sehe ich allerdings auch so. Ich brauche nur aus dem Haus zu gehen und schongeht das Werben los. An der Litfaßsäule, an der Plakatwand, an den Bussen undLkws, an den “Stadtmöbeln”, an den Bushaltestellen usw.. Ich finde es auchunmöglich, wenn ich mir eine Kinokarte kaufe,das ich mir 20-30 Minuten Werbungansehen muss.Die Kinokarte ist doch schon bezahlt.Da siehst Du, das Werbung überall ist und als völligselbstverständlich hingenommen wird. Ich sage Dir folgendes:In unserer Gesellschaft gibt es keine Bürger mehr sondern nurnoch Konsumenten. Selbst der Empfang der deutschen Botschaftin Rom zum Tag der Deutschen Einheit wurde mit einem Dank aneine Autofirma eröffnet, deren Produkte den Eingangschmückten. Mehr braucht man eigentlich nicht zu sagen oder?Nein, da bin ich anderer Meinung. Bei Dir ist Kritik an der Werbung gleichKapitalismuskritik. Die Realität ist aber, das wir einkaufen müssen und das Werbungden grundrechtlichen Schutz der Meinungsäußerung und der Berufsausübunggenießt.Hört, hört, der Realist hat gesprochen. Dann weißt Du auch, woRechte sind, da sind die Pflichten nicht weit.Ich zitiere denDeutschen Werberat, der sich zur Pflicht gemacht hat, das…”Darstellungen und Aussagen in der Werbung dürfen nicht dieMenschenwürde und das allgemeine Anstandsgefühl verletzen undbestimmte Personen oder Personengruppen nicht herabwürdigenoder verächtlich machen. Zur Beachtung dieser Grundsätze zähltinsbesondere auch, dass bei der Darstellung von Personen inder Werbung sexuell aufreizende Abbildungen oder Texteunterlassen werden.” Und bist Du der Meinung, das die Werbungfrei von sexuell aufreizenden Darstellungen ist.3Nee.Na siehst Du, “Sex sells” am besten. Zur Zeit super sexy, dieC&A Werbung für Dessous an Bushaltestellen und Plakatwändenund neu dazu gekommen, die H&M Werbung auch für Unterwäsche.Und diese Werbung ist noch geiler. Das Supermodell in SexyDessous, von oben fotografiert, fleht den Betrachter förmlichan: Los, nimm mich, mach was Du willst mit mir, ich bin nureine Frau. Oder die obergeile Werbung von “Palmer”. Ichwissen wie das geht. Eine raffinierte Verbindung von Sex undSexismus und Ästhetik und Erotik. Mit dieser Betont ErotischenWerbung, hat “Palmers” einen riesigen Bekanntheitsgradbeschert. 24 Millionen Zugriffe monatlich hat die Homepage von”Palmers”. Mich ärgert diese Werbung ungemein. Wiefrauenfeindlich und sexistisch und diskriminierend das ist.Ich finde die Werbung gut. Klasse Frauen in Dessous und Du bist keine Frau, alsoreg Dich ab.Hör mal gut zu: Für mich ist Frauenfeindlichkeit das gleicheoder selbe wie Ausländerfeindlichkeit oder Männerfeindlich.Die Calvin Kleins und wie die tollen Unterhosenmacher alleheißen, machen sexistische Werbung mit Männern. Oder nochextremer, die Penner von Dolce&Gabbana, in der nicht nur dieFrau als Sex – Objekt dargestellt wird, nein, auch die Männerwerden als eine Bande brutaler, geiler Machos dargestellt.Hier das Foto der Werbung. Das alles sieht Hans und Franz -entschuldige bitte Hanns – und rennt in die Muckibude, weil erauch so einen Waschbrettbauch will und übt vor dem heimischenSpiegel den super coolen Gesichtsausdruck. Beobachte mal 15 -18 Jährige Jungs und achte mal darauf, wie cool die Jungsgucken können. Das macht mich so an, das ich lachen muss undwo kommen wohl die vielen Magersüchtigen Mädchen, Frauen undmittlerweile auch Jungs und Männer her?Du übertreibst!Ok, Du willst es nicht anders: Hier einige Fakten: DerInternationale Suchtstoffkontrollrat (INCB) der VereintenNationen hat in seinem Jahresbericht 2006 festgestellt, dasder weltweite Missbrauch von rezeptpflichtigen Medikamentenauf dem besten Weg ist, den Missbrauch von illegalen Drogen zuübertreffen. In den USA übertrifft der Missbrauch vonverschreibungspflichtigen Medikamenten schon den von illegalenDrogen. Mit Ausnahme von Cannabis. Und besonders warnt das UN- Gremium vor den Schlankheitspillen, die in vielen Ländernohne Probleme zubekommen sind. Auf die Liste der zuverstaatlichen Industrien, muss zu den vorhin schon erwähntenVerbrecherindustrien, unbedingt auch die Pharmaindustrie.Also, Freiheit oder Sozialismus. Werbung ist nur in einer freiheitlichen Gesellschaftmöglich.Das hört sich nach dem CDU Parteitag an. Wir sind die Mitteund demokratischer Sozialismus “..führt in den4Totalitarismus”, sagt Frau Merkel. Vor einigen Jahren sagtedas auch Gerhard Schröder, das mit der Mitte. Was bedeuteteigentlich: “Wir sind die Mitte”.? Ich sage es Dir: Wenn ichin der Mitte bin, geht es nicht mehr weiter. Ich kann nurwieder zurück an den Rand. Wirtschaftlich betrachtet, sind anden Rändern die Randgruppen. Wenn ich die Mitte bin, will ichmit den Rändern nichts zu tun haben. Das bedeutet Mainstreamund Popularität und das ist gleich Mittelmäßigkeit. DieMehrheit der Gesellschaft steht in der Mitte und sieht nichtoder will nicht den Rand sehen. Und genau das sind diePolitiker und die Politik der letzten 3 Jahrzehnte und dieGesellschaft hat sich auch dahin entwickelt.Gut, wie kriegen wir jetzt elegant die Kurve zur Kunst?Na ja, der Ausgangspunkt ist das “Kulturreich”gewesen, woKunst und Werbung zuhause sind. Das finde ich nicht schlimmund es liegt mir fern, das “Kulturreich” zu kritisieren. Ichempfehle ausdrücklich diesen Laden. Lecker Essen, netteInhaberinnen und Servicekraft und interessante Kunst an denWänden. Das wollte ich nochmal ausdrücklich betonen. Ichkritisiere das zunehmende Kultursponsoring bei jeder Art vonVeranstaltung und sehe das mit Besorgnis, wenn ich das mal soelegant formulieren darf. Kein Ausstellungskatalog ohneFirmenlogo, kein Gastspiel ohne Hinweis auf den Hauptsponsorund sogar die Politik begibt sich in die Niederungen desSponsorings. Beispiel die Deutsche Botschaft in Rom.Wenn die Kulturausgaben von Bund, Ländern und Gemeinden seit Jahrenstagnieren, ist das kein Wunder.Die Ausgaben stagnieren, bzw. sie sinken eigentlich, weilalles teurer wird. Aber 8 Milliarden Euro Ausgaben für dieKultur ist schon ordentlich. Kunst und Geld ist schon einbefremdlicher Zusammenhang. Willst Du wissen, was Picasso malgesagt hat?Nein.Er sagte 1935 folgendes:” Museen sind nichts weiter als einHaufen Lügen, und die Leute, die aus der Kunst ein Geschäftmachen, sind meistens Betrüger”.Da war Picasso aber schon ein reicher Mann!1937 hat Picasso für den spanischen Pavillon derWeltausstellung das Bild “Guernica” gemalt. Die BaskischeStadt Guernica wurde am 26. 4. 1937 im spanischen Bürgerkriegvon der Legion Condor zerstört. Die Legion Condor bestand ausVerbänden der deutschen Wehrmacht, die im spanischenBürgerkrieg an der Seite Francos kämpften. Aus dem gleichenJahr ist auch folgenden Ausspruch von Picasso, den ich aus demZusammenhang gerissen habe:”…nein, Malerei ist nicht dazuda, um Apartments zu schmücken. Sie ist eine Waffe zum Angriffund Verteidigung gegen den Feind”.5Na gut, wie hält es denn der brave Künstler mit dem Geld?Es gibt keine objektiven Maßstäbe für Kunst. Punkt. Wer Kunstnach materiellen Aspekten bewertet, ist meist ein Betrüger,wie Picasso sagt. Kunst kommt nicht von Kaufen, Kunst kommtauch nicht von Können oder von Künden. Für mich ist Kunstfolgendes: “Jeder freie Mensch ist kreativ. Da Kreativitäteinen Künstler ausmacht, folgt: Nur wer Künstler ist istMensch….Jeder Mensch ist ein Künstler.” Das hat Joseph Beuysgesagt und ich sage es auch so. Und alles andere ist keineKunst sondern Lüge! Kunstmessen, Kunstausstellungen, Museen,Kunstversteigerungen, Theater, Film, Literatur usw. ist allesLüge. Ich benutze die Worte Lüge und Betrüger, im Geist vonPicasso. Philosophisch.Hör auf damit. Alles Lüge, was heißt das?Ausgehend von der These:” Kunst ist die schöpferischeTätigkeit der Natur im Menschen. Sie entspringt einemGrundtrieb des Menschen und ist seit Urzeiten eines derwichtigsten Ausdrucksmittel”, nach der Aussage von Beuys,dient Kunst einzig nur dem Künstler selber. Das künstlerischeTun ist Befriedigung genug für den Künstler und jede andereAnerkennung der Kunst durch Menschen mittels Beachtung,Bewunderung und Bezahlung ist keine Kunst. Basta!Das heißt, Kunst ist nicht käuflich.Genau. Ich bin mir nicht sicher, ob manche große Meisterwerke,inhaltlich die Überzeugung des Künstlers spiegeln odervielleicht doch nur dem Geschmack des Auftraggebers. Aber derweitaus wichtigere Punkt ist: Kunst und Geschäft istunmoralisch. Die Käufer von Kunst sind Betrüger und Lügner, imphilosophischen Sinne und damit meine ich Kunstsammler,Galeristen, Museen, Spekulanten, Kunstbeauftragte,Kunsthochschulen, Kunstlehrer, Kunststudenten usw..Kunst ist das also Tun und sonst nüschte.Ja genau, Kunst als Selbstzweck und nicht als eine Ware, dieBeglaubigungsschreiben, Zeugnisse, Bewertungen, Testatebraucht. Erklärungen, Beschreibungen, Einordnungen undKritiken braucht die Kunst genauso wenig.Das ist Radikal.Ach was, halb so schlimm. Wenn ich jemanden kennenlerne undnach dem Beruf frage und der oder diejenige sagt dann: “Ichmache Kunst!” Dann frage ich:”Und wer macht´s wieder weg?”Sehr lustig aber lassen wir das, das führt nur wieder zu Streitereien.6Na und. Streiten macht doch Spaß und wenn Du machst was Ichwill, haben wir keine Probleme.Ha, ha, ha. So hättest Du das gerne. Aber jetzt möchte ich doch wissen, warum Duim Bett liegst?Das ist so eine Art Krise, die mich antriebslos undnachdenklich macht.Aber hoffentlich kein “Leiden an der Welt und überhaupt”.Doch, doch, doch. Mit den Wörtern “Leiden an der Welt” ist esschon treffend beschrieben. Meine einzige Infoquelle zur Weltist das Radio. Kein TV, keine Zeitung und Illustrierte..Na, na, na. Du bist doch dreimal die Woche im UKE zur Zahnbehandlung und liestbeim Warten die Brigitte.Ja, das stimmt. Aber ich warte nie lange und kann kaum waslesen vor lauter Bildern. Hier übrigens meine neue Brücke übervier Zähne mit Gruppenführung, von Frau Yavari gemacht.Gefällt mir sehr gut und ich kann wieder kraftvoll zubeißen.Schön, schön. Aber bitte weiter mit deinem “Leiden an der Welt”.Jo, mach ich. Also, wie sage ich es am besten.Mit deinen Worten.Ok, aber vorher noch ein Rätsel. Was ist das: “Alle verwundenund die letzte tötet?”Ich weiß es! Jemand von Euch? Nein. Ich sage es: Die Stunden!Zurück zum “Leiden an der Welt”. Wie kann ich mich als Menschanständig verhalten, gegenüber den großen Themen der Welt, diemir das Radio um die Ohren haut? Ich zähle mal auf:Klimaschutz, Datenschutz, Akustische Wohnraumüberwachung,Lauschangriff, Überwachungsstaat, Irak, Afghanistan,Selbstmord – Attentäter, Streumunition, Postmindestlohn,Rekordgewinne, Rekordverkäufe, Rekordversteigerungen,Rekordsparguthaben, Massenentlassungen, Erdölpreise,Inflation, Kosovo, Lotto Jackpot, Strompreise, Atomkraftwerke,Raketenabwehrsystem, Bundesbahnstreik, Privatisierung,Globalisierung, Nah – Ost – Konflikt, Gazastreifen, Ramallah,Palästina, Gewinne privatisieren und Verluste sozialisieren,Rauchverbot, Konsumzurückhaltung, Aktienkurse, DAX,Kursfeuerwerk, Zinsphantasie, Gewinnwarnung, US – Hypotheken,Babyleichen in Ost und West………….Okay, ich glaube das reicht. Wie also kommst Du mit dem Leiden an der Welt klar?Jetzt Pass gut auf, ich sage das nur einmal.Das einzige Mitteldas Leben zu ertragen ist: Es schön zu finden! 07.12.20077

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