Ein Toast auf die Kreativen mit Don Mudra

don mudra 15:09
Hoch 11

Ein Toast auf die Kreativen


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“Unkenntnis des Übels ist nicht Tugend sondern Blödheit”-meint B. Shaw und D. Mudra

don mudra 15:49
Performance in Friedrichstr. 36

Verlorene und verbürgte Wirklichkeit

Performance in der Friedrichstr. 36

Verlorene-u.-verbürgte-Wirklichkeit


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Galerie Don Mudra

don mudra 15:43

Blick auf den Dancefloor


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Camping Pfeife Hoch 11 Don Mudras grünt so Reeperbahn Festival Rock´n´Wrestling Fotoausstellung

don mudra 15:31

Rock´n´Wrestling Fotoausstellung

Fotoausstellung Rock´n´Wrestling

Camping Pfeife-Hoch 11 Reeperbahn Festival September 2014


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Es lebe die Langeweile!

don mudra 14:14

Ein Hoch auf die Langeweile

VON MARIE AMRHEIN21. SEPTEMBER 2014
picture alliance
Keine Zeit!

Kolumne: Stadt, Land, Flucht. Die Beschwerde, auf die wir uns alle einigen können, lautet: Zu wenig Zeit! Dabei haben wir längst verlernt, mit freier Zeit umzugehen. Schlaf ist verpönt, wer sich langweilt, gilt als Verlierer. Zu Unrecht. Ein Weckruf

Wenn sich unsere Gesellschaft in einer Klage einig ist, dann ist es die über mangelnde Zeit. So lesen sich die Ergebnisse zahlreicher Umfragen, sei es in Bezug auf Partnerschaft und Ehe, Kinder und Familie, auf Karriere und Job. Titelgeschichten noch und nöcher zieren die Kiosks rund um die Frage, wohin wir rennen, warum wir so hetzen, wo die Zeit geblieben ist. Der Soziologe Hartmut Rosa warnt seit Jahren vor einem Steigerungszwang, in dem wir uns befänden, der „fortwährend auf Wachstum, Beschleunigung und Innovationsverdichtung“ setze.

So entstehe eine entfremdete Gesellschaft, die sowohl ihre Psyche als auch Physis überfordere. Wir gönnen uns keine Rast, der dringlichste Wunsch an den modernen Arbeitgeber ist kein feiner Firmenwagen, sondern mehr Freizeit. Dass Apple, dieser Konzern am Puls der Zeit, seine Entwicklungsgelder nun in eine Armbanduhr gesteckt hat, scheint mehr als ein Gleichnis. Denn am Ende opfert sich der Angestellte dann doch genauso auf wie der Selbstständige, überfrachten wir freiwillig unsere Sonntage mit Verabredungen, nutzen wir jede Lücke im Feierabend für Hobbys und Veranstaltungen.

Latte-Macciato-Mütter und Fenstergucker

Denn eines ist klar: So schlimm es auch ist, keine Zeit zu haben, viel schlimmer noch scheint der Zustand, zu viel Zeit zu haben. Denn wer viel Zeit hat, wer sich gar offen langweilt, zieht Unverständnis auf sich. Er gilt als nicht gefragt, als Loser, hat entweder keine Freunde – oder keinen Job. „Du hast doch zu viel Zeit“, wird als Schimpftirade gern gebraucht. Wer sich langweilt, ist sich selbst nicht genug. Ein schlimmeres Urteil kann es kaum geben. Wir sehen das an überperfekt geputzten Wohnungen von Hausfrauen, deren Kinder ausgezogen sind. An älteren Menschen, die sich ins Getümmel eines freizeitgestressten Daseins werfen und anstatt den Lehnstuhl warm zu sitzen, Touren mit dem E-Bike unternehmen. Die Jungen sitzen im Café und sind busy, unterhalten sich mit Projektpartnern oder wischen auf mobilen Endgeräten herum. Auf gar keinen Fall aber stieren sie aus dem Fenster.

Latte-Macciato-Mütter sind verschrien, weil sie – vermeintlich – gar nichts tun während sie müde an ihrem Kaffee nippen. Nur der Eingeweihte sieht, dass sie auf die nächste Challenge ihres Auftraggebers warten, während sie die nicht selbst gewählte Pause nutzen. Noch nie habe ich den Facebook-Eintrag gelesen: Ich langweile mich. Nein, wir nennen es lieber Prokrastination und sind damit sozusagen in der Königsklasse angekommen. Sascha Lobo, Prokrastinationsprofi und erfolgreicher Selbstständiger, ist stets sichtlich beschäftigt und beileibe nicht der Typ, der lahm vor sich hinvegetiert. Im Gegenteil prokrastiniert er, indem er langweilige Dinge aufschiebt, weil er besseres zu tun hat. Und das ist sicher nicht aus dem Fenster schauen.

Zeit frisst Hirn

Dabei ist es wichtig, sich zu langweilen. Nur durch Langeweile werden „wichtige Entwicklungsschritte vollzogen“, sagt Linda Caldwell von der Penn State University, die das Freizeitverhalten von Jugendlichen erforscht. Aber auch Erwachsenen gilt sie als Triebfeder des Geistes, als Voraussetzung für einen kreativen Umgang mit dem Selbst. Die Langeweile erst macht es möglich, wahre Eigeninteressen aus der Vielzahl der Angebote herauszufiltern. Wie soll also eine Gesellschaft vorankommen, die nicht aus dem Fenster schaut? Sie ist genauso gefährdet wie eine Menschheit, die ihrem Bedürfnis nach ausreichend Schlaf nicht nachkommt. Denn auch in diese Falle sind wir längst getappt. Wir folgen einer Kanzlerin, die sich immer wieder ihres kamelhaften Habitus’ rühmt, der es ihr erlaube, mit nur vier Stunden Schlaf auszukommen. Ihre Speicher müssten dann einfach immer mal wieder aufgefüllt werden, erklärt sie lapidar. Seit Jahrzehnten vermindert sich die Zeit konsequent, die wir im Bett verbringen, die gesamte Gesellschaft leide unter „relativem Schlafentzug“, melden Neurologen nun. Und das schade dem Hirn, es drohe Demenz.

Wir wären also schön blöd, wenn wir uns weiterhin selbstverschuldet um Schlaf und Langeweile brächten. Wir müssten sie dagegen viel mehr loben und preisen. Lernen, sie zu kultivieren. Es gibt dann schon genug Gründe, die uns zum Wachsein verdammen. Bei mir war es heute Nacht der Hahn, seit kurzem geschlechtsreif, der seine neue Erfahrung mit dem gerade erwachenden Testosteronhaushalt um drei Uhr morgens in die kalte Heideluft krähen musste. Heute stiere ich dafür ein bisschen mehr aus dem Fenster. Macht nichts.


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Wir haben genügend Geld!

don mudra 13:45

holte 2013 zum dritten Mal das Direktmandat für Bündnis 90/Die Grünen im Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg. Er ist Mitglied im Rechtsausschuss und im Parlamentarischen Kontrollgremium für Geheimdienste.

Wir haben genügend Geld“

150 Millionen Euro für die vernünftige

Unterbringung von Flüchtlingen müssten

aufzubringen sein. Das findet der Grünen-Politiker

Hans-Christian Ströbele.

Unwürdig: Kommunen müssten mehr Geld bekommen, um Flüchtlinge unterzubringen, so

Ströbele.

Bild: dpa

taz: Herr Ströbele, ist Deutschland angesichts der ansteigenden Zahlen von

Flüchtlingen überlastet?

Hans-Christian Ströbele: Nein. Natürlich sind es viele Flüchtlinge und für die

Kommunen ist das ein Problem. Trotzdem sind es nicht zu viele Flüchtlinge.

Anfang der 90er Jahre gab es viel höhere Zahlen als jetzt, rund 400.000

Menschen wurden aufgenommen. Angesichts der schrecklichen Kriege in

Syrien und im Irak müssen wir mehr tun und viel mehr Menschen Schutz

gewähren.

Wie viele Flüchtlinge sollten wir aufnehmen?

Es macht wenig Sinn, jetzt über Zahlen und Obergrenzen zu diskutieren.

Angesichts des relativen Wohlstands in Europa und vor allem in Deutschland

können wir nicht nur Gedenkstunden abhalten, wenn wieder Hunderte

Menschen im Mittelmeer ertrinken. Das Mindeste ist, dass diejenigen, die in

Europa ankommen, hier unter humanen Bedingungen leben können.

Der jüngste Beschluss, Serbien, Bosnien und Mazedonien zu sicheren

Herkunftsländern zu erklären, geht aber in die Gegenrichtung.

Ja. Es handelt sich im Kern um ein Anti-Roma Gesetz. Es ist makaber, dass wir

ein Denkmal für die während des Holocausts ermordeten Sinti und Roma vor

gar nicht allzu langer Zeit unweit des Brandenburger Tors eingeweiht haben.

Doch stehen sie vor der Tür, geht es nur noch um die Frage: Wie werden wir sie

wieder los? Roma und Sinti werden in den genannten Ländern ganz schlecht

behandelt. Das ergeben alle Berichte.

Wie kommen wir zu einer humanen Flüchtlingspolitik?

Die EU muss einen Schlüssel entwickeln, der die EU-Länder gemäß ihrer

finanziellen Stärke in die Pflicht nimmt. Zudem muss den Menschen, die in

Griechenland oder Italien ankommen, klar gesagt werden, wo und wie sie Asyl

oder Aufenthalt beantragen können. Sie ohne Informationen weiterzuschicken

und froh zu sein, wenn sie jenseits der Alpen irgendwie verschwinden, ist keine

Lösung. Auch die Bundesregierung muss viel mehr tun, viel mehr Flüchtlinge

aufnehmen und so behandeln, dass die eingesessene Bevölkerung nicht darunter

leidet.

Was bedeutet das konkret?

Dass man erheblich mehr Geld in die Hand nimmt, um die Kommunen in die

Lage zu versetzen, die Leute anständig unterzubringen und zu versorgen.

Das hat man aber nicht vor. Stattdessen gehen die Anstrengungen dahin,

dass weniger Leute nach Deutschland kommen und die Anträge weniger

werden.

Das ist die Malaise. Man zwingt Menschen, in unwürdigen Unterkünften zu

leben, nicht zu arbeiten, und dann regen sich manche Deutsche darüber auf,

dass diese Menschen Schmutz verursachen und auf ihre Kosten nur in der

Gegend herumstehen.

Der von dem baden-württembergischen Ministerpräsidenten Kretschmann

ausgehandelte Deal will hier abhelfen: Wir lassen noch weniger Leute rein,

aber die drin sind, behandeln wir besser.

Das reicht aber doch überhaupt nicht aus! Hier ist kein Durchbruch für

vernünftige Unterbringung und Behandlung erzielt worden.

Hätten die Grünen das Votum von Kretschmann verhindern können?

Wir können doch niemanden zu etwas zwingen, schon gar keinen

Ministerpräsidenten.

Viele auch im linken Milieu halten die Konfrontation mit Armut genauso

wie eine gesteigerte Finanzierung von Flüchtlingen für inakzeptabel.

Ich war bei den protestierenden Flüchtlingen in Berlin-Kreuzberg dabei und

habe noch in letzter Minute einen Kompromiss ausgehandelt. Es gab dort viel

Solidarität unter den Anwohnern. Das Problem ist, dass Bevölkerungsgruppen

gegeneinander ausgespielt werden.

Inwiefern?

Weil zu wenig Geld da ist, steht zum Beispiel der Bezirk FriedrichshainKreuzberg

nun vor der Wahl, entweder Programme für Flüchtlinge oder für

Jugendliche oder Bildung zu finanzieren. Natürlich bringt das die Berliner auf.

Die Kommunen brauchen mehr Geld für Flüchtlinge, Jugendliche und Bildung.

Dann würde sich viel von dem Unmut in der Bevölkerung legen.

Wenn aber selbst die Linksliberalen kein Geld für Flüchtlinge ausgeben

wollen, woher soll dann der Druck auf die Politik kommen?

Das darf doch nicht sein, dass Jugendprojekte gegen humane Behandlung von

Flüchtlingen ausgespielt werden! Es geht doch nicht um riesige Summen.

Gerade Deutschland hat viel Geld für alles Mögliche, da müssten 150 Millionen

für die Unterbringung von Flüchtlingen aufzubringen sein. Es gibt kein

finanzielles Problem.

Es geht also allein um den politischen Willen?

Ja.

Gibt es eine Entwicklung in Deutschland hin zu weniger Hilfsbereitschaft?

Nein. Im Vergleich zu den frühen 90er Jahren, als gegen den Willen der Grünen

das Asylrecht massiv eingeschränkt wurde, gibt es heute eher ein Verständnis

für die Notlage der Flüchtlinge. Das liegt ja auch nahe. Wenn man abends die

schrecklichen Bilder von den Hunderttausenden Flüchtlingen im Irak und

Syrien sieht, und in Berlin geht es dann um einen angemessenen Umgang mit

400 Menschen, dann ist jeder vernünftige Mensch dafür.

Sie sind sehr optimistisch.

Natürlich ärgern sich Leute, wenn es Probleme mit Polizeieinsätzen gibt und

Straßensperren. Aber das sind alles hausgemachte Probleme. Wie gesagt: Mit

etwas Geld lässt sich das vermeiden.

Wie ist Ihre Prognose?

Es werden noch sehr viele Flüchtlinge nach Deutschland kommen.

Deshalb werden Anträge fleißig negativ beschieden. Nur für Syrer macht

man noch eine Ausnahme.

Wenn wir die Kriege im Irak, in Syrien oder Libyen beklagen, dann können wir

nicht sagen: Ja, der Westen hat mitgeholfen, dort Krieg zu führen – aber jetzt

müsst ihr wieder nach Hause. Das geht nicht.

Müsste die Regierung nicht dabei helfen, dass die Herkunftsländer

tatsächlich sicherer werden? Auf die Balkanländer kann Deutschland

Einfluss nehmen.

Natürlich. Im Kosovo, von wo viele Roma auch nach Deutschland flohen, ist

die Nato stationiert, um für eine multiethnische Gesellschaft zu sorgen.

Trotzdem ist die Situation für Roma dort katastrophal, ihre Häuser wurden und

werden angezündet, sie werden vertrieben und beleidigt. Das gilt auch für EUMitgliedstaaten

wie Ungarn oder Rumänien. Deutschland müsste hier auf das

Einhalten der Antidiskriminierungsverträge drängen. Bislang steht das aus.


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Nein zum totalen Markt! Demo gegen ttip am 11.Oktober 2014

don mudra 10:44

Hallo!

Nein zum totalen Markt! Das Neoliberale Freihandelsabkommen mit den Vereinigten Staaten von Amerika stoppen!

Demo am 11. Oktober 2014 um 13 Uhr

Gewerkschaftshaus (Besenbinderhof 60)

Abschlusskundgebung: Gänsemarkt

ttip_flyer_14092014

Liebe Grüsse

Mudra


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Hamburg Hoch 11 auf dem Reeperbahn Festival 2014

don mudra 14:56

Hamburg Hoch 11 präsentiert:

OBEN IST NOCH LUFT

Zustände im schöpferischen Prozess – Reeperbahn Festival 2014

https://www.facebook.com/events/712779478793632/?ref=22

Liebe Grüsse

Mudra


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Pudel mein Haus

don mudra 11:43

pudel mein haus

13. Juni 2014 Allgemein

von VerFüGe ev.

Der Golden Pudel Club in Hamburg St. Pauli existiert an seinem heutigen

Ort, St. Pauli Fischmarkt 27, seit 1994. Er wurde Anfang der 1990er Jahre

von den Musikern Schorsch Kamerun und Rocko Schamoni gegründet, um

mit ihm einen ökonomisch unabhängigen Ort für Musik, Kunst,

Performance zu initiieren. Für den in den letzten 20 Jahren starken

Gentrifizierungsprozessen ausgesetzten Stadtteil Hamburg St. Pauli ist der

Pudel Club auch von stadtteilpolitischer Bedeutung. Im Jahr 1996 konnte

das historische Gebäude in unmittelbarer Hafennähe in Zusammenarbeit

mit der Initiative Park Fiction entgegen dem städtischen Plan einer

mehrstöckigen Neubebauung erhalten werden. Der Golden Pudel Club hat

seit 20 Jahren täglich geöffnet. Er ist in dieser Zeit zu einem wichtigen Ort

in der Geschichte und Gegenwart musikalisch-subkultureller

Lebensformen geworden. Wie vor 25 Jahren ist der Pudel noch heute ein

Konstrukt aus vielen Menschen, die diesen Ort kollektiv und ohne die

privatwirtschaftliche Dominanz von offiziellen Inhaber-Papieren gestalten.

Dieser Ort ist nun gefährdet. Das Szenario einer Zwangsversteigerung des

Grundstücks auf dem Immobilienmarkt ist nicht unwahrscheinlich. Wie ist

es zu dieser Situation gekommen? Als die Stadt 2008 viele städtische

Grundstücke veräußerte, kauften die zwei damaligen Club-Betreiber das

Grundstück des Pudel Clubs. Finanziell trägt die gesamten Kosten des

Grundstückskaufs bis heute allein der Pudel Club. Dazu gehören die

Tilgung des Umbau- und Kaufkredits sowie die gesamten Haus-

Umbaukosten. (Der bestehende Pachtvertrag mit den jetzigen PudelBetreiber/

innen (ein Kollektiv aus drei langjährigen Mitarbeiter/innen des

Pudel Clubs) läuft noch 14 Jahre. Nimmt man den momentanen Vertrag

mit den juristischen Eigentümern zur Grundlage, würde der Pudel Club

von 2007 bis 2029 (Ablauf des Pachtvertrages) zur Tilgung der Kosten für

den Haus-Umbau, sowie den Grundstücks-Kauf ca. 1 Million Euro

erwirtschaftet haben (ein zusätzlicher Beitrag der Instandsetzungskosten in

Höhe von 15.000 Euro kam von Park Fiction). Möglich sind diese

Zahlungen des Clubs an die Grundstückseigner nur durch kollektive, z.T.

unbezahlte Mitarbeit vieler Menschen (Pudel-Kollektiv, Musiker/innen,

Unterstützer/innen).

Ursprünglich hatte die vom Pudel Club aufzubringende Summe an

Kredittilgungen das Ziel einer dauerhaften, kollektiven und nicht

gewinnorientierten Nutzung des gesamten Gebäudes. (Von 2006 bis 2010

wurde im Obergeschoss des Gebäudes der tagsüber geöffnete Pudel Salon

als Ergänzung des Clubs betrieben.) Dieser gemeinsame Plan wurde

allerdings durch einen der Eigentümer konterkariert. Seit 2011 reklamiert

dieser den oberen Teil des Gebäudes für sich und betreibt dort einen

gastronomischen Betrieb. 2011 erfolgte durch diesen Eigentümer ein

eigenmächtiger Austausch der Schlösser im Obergeschoss, der dem Pudel-

Kollektiv und dem Miteigentümer des Grundstücks bis heute den Zutritt in

die obere Gebäudehälfte unmöglich macht.

Im Jahr 2013 hat sich der Pudel Verein für Gegenkultur e.V. (kurz:

VerFüGe) gegründet, an dem die Pudel-Belegschaft, Musiker/innen,

Nachbarn/innen und Unterstützer/innen aus dem Umfeld des Pudel Clubs

und des Projekts Park Fiction beteiligt sind. Auch der zweite Eigentümer

ist Mitglied des Vereins und hat seinen Anteil am Grundstück symbolisch

dem Verein übertragen. Eine rechtskräftige Überschreibung ist juristisch

nicht möglich, da sie ohne Zustimmung beider Eigentümer nicht erfolgen

kann. Ziel des Vereins ist der Erhalt des Clubs am jetzigen Standort und

die UÅNberführung des gesamten Grundstücks in einen kollektiven, nicht

gewinnorientierten, zusammen mit dem Projekt Park Fiction organisierten

Raum; gegebenenfalls auch die Sicherung des Gebäudes vor

Immobilienspekulation im Fall einer drohenden Zwangsversteigerung.


* 1 kommentar

Es gibt keine richtige Nutzung im falschen Facebook.

don mudra 10:59

interview

»Es gibt keine richtige Nutzung im falschen

Facebook«

aus: Phase 2. Zeitschrift gegen die Realität. Nr. 46, Herbst

2013. phase-zwei.org

Das Online-Projekt nadir ist 1993 angetreten »durch das

Bereitstellen von email, webspace, mailinglisten, newsgroups

auf ›eigener‹ Infrastruktur die Vernetzung durch Nutzung der

›neuen Medien‹ voranzutreiben«. Schon vor indymedia schuf

nadir eine Plattform für linksradikale Informationen und

Diskussionen und begann einen virtuellen Infoladen

aufzubauen. Inzwischen ist nadir kein allgemeines

Nachrichtenportal mehr, die BetreiberInnen stellen jedoch

weiterhin eine Infrastruktur für Online-Kommunikation und

kämpfen unter anderem gegen Überwachung im Internet. Die

Phase 2 traf sich mit nadir virtuell zum Gespräch.

Phase 2: Ihr habt im Oktober 2012 den Text Plötzlich plappern

Anna und Arthur veröffentlicht. Darin beklagt Ihr den

leichtsinnigen Umgang von Linken mit dem Internet, besonders

in sozialen Netzen. Was sind Eure Hauptkritikpunkte?

nadir: Der Hauptkritikpunkt ist, dass Linke in sozialen Netzen

(Facebook ist da nur ein Beispiel) ihre Strukturen offenlegen

und zwar in einem größeren Umfang, als auf den ersten Blick

erkennbar ist. Sie gefährden damit nicht nur sich selbst,

sondern auch andere, selbst solche, die Facebook gar nicht

nutzen, und das ganz ohne Not. Des Weiteren gibt es die

falsche Annahme, es gäbe einen »korrekten« Umgang mit

Facebook. Viele, gerade jüngere, Antifas und andere Aktive

glauben, das Risiko sei handhabbar, solange sie ihren Filter

einschalten und ein Pseudonym verwenden. Das Problem ist

aber, dass die Inhalte nur ein Teil der Daten sind, die analysiert

werden. Mindestens ebenso wichtig sind die sogenannten

Metadaten und deren Verknüpfungen. Die Analyse von Social

Media als Datenhaufen auf den Servern der Anbieter ist eines

der produktivsten Felder unterschiedlicher AkteurInnen,

Werbeschaltende und Behörden sind nur zwei Beispiele. Die

APIs, also die Application Programming Interfaces, die den

Zugang zum Backend der Datenbanken von beispielsweise

Facebook erlauben, lassen einfach eine ganz andere Sicht auf

die Dinge zu. Hier wird Wissen regelrecht produziert, das in

dieser Art bisher nicht vorhanden war.

Phase 2: Inwiefern machen denn Linke ihre Strukturen

öffentlich?

nadir: Sie legen offen, wer wen kennt, wofür sich Leute (zu

welchem Zeitpunkt) interessieren, wer MultiplikatorIn ist oder

»MeinungsmacherIn«, wer die »wichtigen« Leute in der

Kommunikation sind etc. Gleichzeitig werden private

Informationen reingemixt – Hobbys, Musikgeschmack,

Katzenbilder usw. Orte, Zeiten, IP-Adressen, welcher Browser,

das ist alles gar nicht rauszuhalten und wird mit gespeichert.

Das ergibt ein Bild, das in dieser Detailtreue für Behörden nur

unter großem Aufwand zu recherchieren wäre. Ein Wort zu dem

Begriff »öffentlich« in diesem Kontext. Es geht immer um eine

doppelte Sicht: einerseits tatsächlich das, was andere

»normale« BenutzerInnen von Facebook auch einsehen

können, z. B. mit wem sie befreundet sind. Aber als öffentlich

muss man in diesem Kontext auch die produzierten Daten

insgesamt ansehen. Das Konzept der Öffentlichkeit ist im

Kontext von sozialen Netzen ein Kampffeld und wird durch die

gegenwärtigen Praxen neu hervorgebracht. Es geht nicht mehr

so sehr um die bürgerliche, binäre Teilung von privat/öffentlich,

wenn wir von algorithmischer Öffentlichkeit reden. Hier geht es

vielmehr um die Ebenen Frontend/Backend, also um die

Ebenen auf Seiten der NutzerInnen und auf Seiten der

anbietenden Firmen.

Phase 2: Wir müssen also über Facebook reden … Eure

Forderung ist ganz klar: raus aus Facebook! Das klingt in

manchen Ohren nicht nur unrealistisch, sondern antiquiert. Wer

an sozialer Kommunikation teilnehmen möchte, von Partys und

Konzerten wissen oder mit FreundInnen in anderen Ländern in

Kontakt bleiben möchte, ist ohne einen Facebook-Account

kaum mehr in der Lage dazu. Ihr schreibt, Linke würden

Facebook nutzen, um ȟber alles, was erlebt wurde, mit allen

zu quatschen«. Nutzen nicht alle Facebook eher für belanglose

Kommunikation, als über kriminalisierte Handlungen zu

berichten? Beziehungsweise, wenn ich auf meinem Profil

nirgendwo eine politische Zugehörigkeit andeute, ist es dann

nicht meine Sache, mit wem ich etwas teile?

nadir: Es gibt auf Facebook nichts Banales. Natürlich wäre es

noch bedauerlicher, wenn jemand mit seinem/ihrem Klarnamen

auf Facebook ein Bekennerschreiben publiziert. Dies ist ein

extremes Beispiel. Aber aus der Logik der Software heraus sind

die Inhalte wirklich höchstens zweitrangig zu den Beziehungen,

die abschnorchelbar sind. Es war noch nie so einfach, das

soziale Netzwerk (im realen Leben) in all seiner Differenziertheit

zu reproduzieren. Dies ist auch nicht erstaunlich, denn es geht

ja bei Facebook genau darum! Darum scheint uns dieser Punkt

recht banal. Um ein Beispiel zu bringen: Die britische Polizei

(und nicht nur diese) steht häufiger vor dem Problem, dass sie

zwar Portraitbilder aus Überwachungskameras haben, diesen

Portraits aber keinen Namen zuordnen können. Deshalb

experimentieren die Cops jetzt damit, die Bilder aus den

Überwachungskameras mit Bildern aus Facebook

abzugleichen, um so Namen zu den Bildern zu bekommen. Und

dies funktioniert recht gut. Am Ende ist es egal, ob jemand zum

Konzert oder zur Demo aufruft. In beiden Fällen wird die soziale

Struktur deutlich, bis hin zu dem Punkt, dass schon

vorhergesagt werden kann, wer zur Demo oder zum Konzert

kommen wird. Die soziale Struktur, die da aufgedeckt wird,

verrät dich – selbst, wenn Du ein Pseudonym verwendest, ist

nach einiger Zeit der Benutzung klar, wer Du bist. Deine Frage,

ob es ohne Facebook überhaupt noch geht, klingt verzweifelt.

Phase 2: Ach, ich bin da ganz relaxed. Ich denke allerdings,

dass der Aufruf »raus aus Facebook« in manchen Ohren

verzweifelt klingt, denn Facebook hat fast die Normalität von

Handys. Vor deren Nutzung wurde ja auch, berechtigterweise,

gewarnt. Man trägt eine einfache Abhörmöglichkeit in der

Hosentasche. Dennoch wäre es absurd zu fordern, keine

Handys zu nutzen.

nadir: Hehe. Klar. Darum kann es ja überhaupt ein »Problem«

sein, was wir fordern. Schon verstanden. Aber worauf läuft die

Frage hinaus? Wenn wir sagen, Facebook ist wie bei der Polizei

vorbeischauen und sagen, wohin man gedenkt heute zu gehen

und mit wem man reden wird, muss sich diese Frage doch eher

umgedreht stellen: Wieso bin ich bereit, solch einen Preis für

dieses bisschen Komfort zu zahlen? Uns geht es darum, dass

aus einem generellen Unbehagen, das viele Linke ja zu

Facebook pflegen, leider keine Handlung erfolgt. Unser Text

sollte polarisieren und hat dies unseres Erachtens nach auch

erfolgreich getan. Es gab, soweit wir wissen, an

unterschiedlichen Orten Diskussionen und

Auseinandersetzungen mit Facebook und der eigenen Praxis.

Wir wollten mit dem Text keine reine Aufklärung betreiben, im

Sinne von: »Ok, so funktioniert das Backend, das macht

Facebook mit euren Daten.« Diese Arbeit ist bereits getan und

Analysen dazu gibt es zuhauf im Netz. Bloß werden sie nicht als

Problembeschreibung wahrgenommen. Wir dachten, dass ein

polarisierender Text, eine Art »Publikumsbeschimpfung«, einen

anderen Einschlagwinkel hat. Die vielen Übersetzungen des

Textes, die bei uns mit der Zeit eintrudelten, bestätigen uns,

dass wir wahrgenommen und diskutiert wurden. Die Warnung

vor den Handys ist im Übrigen weiter aktuell. Viel mehr als

»nur« eine Abhörmöglichkeit ist ein Handy eine Wanze, die

permanent die Position versendet. Die Forderung, keine

Handys zu benutzen, ist nicht »absurd« – sie hat

Konsequenzen, das stimmt – ob es das Wert ist, müssen die

sozialen Strukturen (oder Bewegungen oder die Linke) für sich

bestimmen. Der Unterschied zwischen Handy und Facebook ist,

dass die Daten bei Facebook freiwillig produziert werden,

während die Überwachung des Handys von dritter Seite

»eingeschaltet« wird und unbemerkt bleibt.

Phase 2: Ihr findet es nicht sinnvoller, auf die Fallstricke von

Facebook hinzuweisen, sondern Facebook als politischen

Gegner zu titulieren? Das erschließt sich sicherlich für eine

ganze Generation von Leuten nicht, deren

Alltagskommunikation hauptsächlich über die Facebook-App

auf dem Handy funktioniert. Das Internet soll, eurer Meinung

nach, allerdings für politische Kämpfe genutzt werden. Was

meint ihr damit? Und nutzen Gruppen das Internet nicht in

diesem Sinne, wenn sie über Facebook ihre Veranstaltungen

bewerben und viel mehr Leute erreichen als über ihre eigene

Homepage?

nadir: Facebook IST der Fallstrick – genauer: Es gibt keine

korrekte Benutzung von Facebook. Linke setzten sich ja sonst

sehr gerne mit den Produktionsverhältnissen auseinander, wem

gehören die Mittel etc. Interessant ist, dass im Fall des

»Internets« dies alles total egal zu sein scheint. Dass auch das

Internet als Ort politischer Auseinandersetzung auf materialer

Basis gesehen wird, das ist unser Punkt. Warum betreiben wir

unseren Serverpark? Warum machen wir dies alles? Wenn wir

einfach sagen könnten: »Ok, Facebook, das ist doch viel

besser. Da sind alle, das läuft, denn da kümmern sich Profis

darum und so weiter.« Dann hätten wir gewiss unsere Server

bereits ausgemacht und würden uns andere Felder der

Auseinandersetzung suchen. Aber leider ist das Internet nur ein

Spiegelbild der kapitalistischen Verhältnisse der

Gesamtgesellschaft. Dort zu kämpfen heißt zum Beispiel,

gegen Facebook zu kämpfen. Genauso, wie es Sinn machen

kann, eine bestimmte Firma, die Waffen herstellt, anzugreifen.

Die Linke macht sich auch ganz konkret von Facebook

abhängig. Wir brauchen autonome

Kommunikationsmöglichkeiten, die Dritte nicht überwachen

oder gar abschalten können.

Phase 2: Dass das Internet kein kapitalismusfreier Raum ist,

wissen doch aber alle. Und dennoch wird es erleichtert, z. B.

Informationen weiterzugeben oder Veranstaltungen zu

bewerben (und damit auch Leute zu erreichen, die nicht auf die

eigene Seite gehen oder bei linken Portalen vorbeischauen).

Heißt für euch, das Internet für politische Kämpfe zu nutzen, im

Internet einzelne Internetanbieter zu bekämpfen? Ist nicht der

Vorteil für politische Kommunikation eben auch im Internet

gegeben? Mal ganz abgesehen davon, dass es auch fraglich

ist, wie sinnvoll es ist oder wie die Gefahren/Nutzen-Rechnung

ist, einzelne Firmen anzugreifen.

nadir: Wir haben es hier mit einer interessanten Quasi-

Monopolstellung zu tun, und es sind im Kern sehr wenige

Player, die von den Massen benutzt werden: Google, FB,

Twitter, Wikipedia (die einzige nicht kommerzielle Site unter den

Top Ten). Einzelne Firmen sind da schnell ausgemacht und es

macht dann eben Sinn, auf die Gefahren aufmerksam zu

machen. Wie gesagt: Es gibt keine richtige Nutzung im falschen

Facebook. Damit soll nicht blöde Adorno nachgeäfft werden,

aber es handelt sich um eine riesige Differenz, ob die

Serviceanbietenden, denen ich alles anvertraue, in ihren Terms

of Services bereits schreiben, dass alle Daten weiterverkauft

werden, oder ob die Serviceanbietenden sagen, wir wollen und

machen dies nicht. Wir wollen, dass Kommunikation ohne

kommerziellen Hintergrund im Internet weiterhin läuft. Es muss

nicht alles aus dem Silicon Valley kommen, was wir nutzen

(ohne Antiamerikanismus zu intendieren). InvestorInnen und

das Kapital, das da bereitgestellt wird, ist IMMER auf andere

Zwecke aus, als Kommunikation zu ermöglichen. Dies ist

vielmehr als ein Mittel zum Zweck zu sehen.

Phase 2: Es ist kein Supermarkt dafür da, die Menschen mit

Essen zu versorgen. Mein Telefonanbieter möchte auch nicht,

dass ich unkompliziert mit FreundInnen reden kann, sondern

Profit machen. Das ist mir klar und auch allen, die kostenlose,

kommerzielle Angebote für Kommunikation nutzen. Ich finde, Ihr

traut den Leuten wenig zu, eigene Entscheidungen zu treffen,

sondern fordert sogar, recht unvermittelt: »Verlasst GMX und

Co! Nieder mit Google!«.

nadir: Aber andere Gruppen, die sich primär mit einem Feld

auseinandersetzen, fordern doch auch entsprechend eine

andere Praxis, so beispielsweise Anti-Atom (Abschalten aller

AKWs!), Veganismus (Hört auf Fleisch zu essen!) oder was

auch immer. Die Forderung ist ja nicht falsch, nur weil die

Umsetzung »unrealistisch« scheint. Ergänzend ist noch

anzumerken, dass es für die Mobiltelefonie leider schwer ist,

alternative Provider zu nutzen. Für das Internet gibt es aber

eine ganze Menge: Dieses Pad, in dem wir den Chat führen,

wird von RiseUp, einem befreundeten Projekt in den USA,

bereitgestellt. Darum nutzen wir den Service. Weitere Projekte

sind systemausfall.org in Rostock, SO36.net in Berlin, free.de in

Dortmund, systemli in Berlin, aktivix.org aus UK, immerda in der

Schweiz, autistici in Italien, Sindominio in Spanien und so

weiter. Ein gutes Beispiel, wie viele Menschen ohne Facebook

erreicht werden können, ist gezipark.nadir.org. Damit haben wir

es geschafft, einen Live-Ticker der Ereignisse rund um den

Taksim-Platz in Istanbul vollkommen ohne vorherige Planung

aufzubauen, der jede Sekunde 70 mal abgerufen wird, sechs

Millionen mal pro Tag. Dort wird von einem kleinen Team in

mehreren Sprachen live übersetzt. Die Seite ist nur wenige

Kilobyte groß und somit für mobiles Abrufen geeignet. Dies ist

nur ein Beispiel, dass wir auf Konzerne wie Facebook

verzichten können. Die Abrufe werden nicht nach individuellem

Surfverhalten analysiert. Die Server sind so konfiguriert, dass

IP-Adressen zum frühestmoÅNglichen Zeitpunkt verworfen

werden. Im Backend von Facebook ist die Rekonstruktion ein

Kinderspiel, schon wären alle Protestinteressierten in Deiner

Datenbank.

Phase 2: Wer ist eigentlich bei Eurer Forderung mit »und Co«

gemeint? Einmal abgesehen von Facebook, denn da ist Eure

Position deutlich geworden.

nadir: Yahoo, Web.de, Hotmail, Bing, auch Twitter. Twitter ist

allerdings etwas anders gelagert, aber das würde hier zu weit

führen. Es geht um die kommerziellen Dienste. Davon gibt es

heute ja nicht mehr so viele. Das Internet wird immer

zentralisierter, für das Abgreifen von Daten muss sich nur noch

an eine Handvoll Provider gewandt werden. Es geht um die

Firmen, deren Unternehmenswert durch das Data-Mining ihrer

Userdaten entsteht. Der Börsengang von Facebook hatte eine

Marktkapitalisierung von ca. 100 Milliarden Dollar, dieser Wert

ist natürlich fiktiv, oder besser: spekulativ. Auch wenn der Kurs

später eingebrochen ist, zeigt die Größenordnung auf, welches

»Wertschöpfungspotenzial« in Userdaten vermutet wird. Es

geht ums Ausforschen, das ist das Geschäftsmodell – und wenn

dabei eine »intelligente« Werbeplatzierung abfällt, dann ist das

nur EIN Weg, das Data-Mining in klingende Münze zu wandeln.

Phase 2: Ich würde ja weiterhin behaupten, dass die meisten

Linken (und alle anderen auch) wissen, dass im Kapitalismus

alles ein Preisschild hat. Über die Auswertung von früher privat

genannten Daten wurde auch in großen, bundesweiten Medien

vielfach berichtet. Dummheit kann man vielleicht nicht allen

unterstellen, warum denkt ihr denn, dass die großen Anbieter

auch bei Linken so populär sind?

nadir: Weil sie so einfach zu benutzen sind, so bequem und

alle dort sind. Aber das kann doch als Entschuldigung nicht

wirklich gelten, oder? Außerdem ist es das Ergebnis eines

Prozesses – es gab eine Zeit vor Facebook (aber mit Internet) -

sprich, der Prozess kann weitergehen und Facebook in der

Senke der Geschichte verschwinden.

Phase 2: Ja, es gab auch mal eine Zeit, da war Myspace hip

oder StudiVZ. Nur ein Zurück, weg von kommerziellen Social-

Media-Diensten, im Sinne von Online-Kommunikation zwischen

Leuten, dem Teilen von Bildern etc. ist doch nicht nur

unwahrscheinlich, sondern auszuschließen. Es sei denn, wir

reden davon, dass Facebook mitsamt dem Kapitalismus in der

Senke der Geschichte verschwindet. Diese Perspektive will ich

natürlich nicht vollkommen ausschließen.

nadir: Es geht nicht um ein »Zurück«, sondern um ein

»Vorwärts«, um ein raus aus der Facebook-Falle. Wir sind

derzeit am Testen von Alternativen. Wir haben uns Diaspora auf

unsere Server gespielt und getestet. Und kürzlich Lorea/Elgg,

das ist bei den M15-Protesten in Madrid und anderen Städten

recht populär unter AktivistInnen gewesen und hält sich immer

noch. Der Unterschied ist: Einerseits ist Lorea auf andere

soziale Prozesse ausgelegt, nämlich solche, die uns Linke

betreffen. Die Tools zur Organisierung sind super, es ist nicht

ausschließlich auf Me, Myself and I ausgerichtet. Es geht um

Kollaboration, nur am Rande um Selbstdarstellung. Und

andererseits ist dies Open-Source-Software, die auf mehreren

Servern laufen kann. Das heißt, es gibt nicht diese

katastrophale Zentralisierung. Die Daten sind verteilt. Es gibt

also keinen zentralen Punkt, an dem sie alle abgeschnorchelt

werden können. Und außerdem sind die BetreiberInnen von

Lorea in einer ganz anderen Richtung unterwegs als Facebook,

denn denen geht es gar nicht um das Speichern, Verknüpfen,

Minen und Verkaufen von Daten. Sondern es geht ihnen darum,

Menschen, die bereit sind, an einer menschenwürdigeren

Gesellschaft mitzuarbeiten, einen »sicheren«

Kommunikationsraum zu bieten. Wir sind leider mit der

Evaluierung von Lorea noch nicht fertig. Aber es kann gut sein,

dass wir diesen Service bald öffnen und somit dem Text Taten

folgen lassen. Vielleicht entscheiden wir uns aber auch für eine

andere Software. Denn natürlich liegt es auch an uns, den

Zustand zu ändern. Letztendlich geht es unter anderem darum

Kommunikationsstrukturen (auch im großen Maßstab)

aufzubauen, die resistent sind gegen so was wie PRISM.

Phase 2: Kürzlich wurde bekannt, dass die National Security

Agency (NSA) als ein Teil des US-amerikanischen

Geheimdienstapparates auf jegliche Daten, die z. B. über

Skype, Facebook, Youtube oder Apple getauscht werden,

zugreifen kann. Mit dem Bekanntwerden von PRISM, könnte

man meinen, wurden Eure Argumente gestärkt. Es ist für

manche offenbar eine Neuigkeit gewesen, dass Geheimdienste

große Internetanbietende dauerüberwachen. Die Aufregung in

Deutschland ist relativ groß, dabei sind hier doch E-Mail-

Provider ab einer bestimmten Größe verpflichtet, Behörden

einen dauerhaften Zugang zu gewähren. Ist für Euch PRISM

eine neue Qualität der Online-Überwachung? Vielleicht eine

Chance, dass sich mehr Leute dafür interessieren, was

Alternativen sein könnten?

nadir: PRISM als Chance! Überrascht waren wir jedenfalls

nicht. Es gibt um die NSA viele Mythen, aber auch gesichertes

Wissen – schließlich ist Edward Snowden nicht der erste

Whistleblower aus den Reihen der NSA. Der Aufbau des neuen

Datacenters in Utah, in der Wüste, hat in den

Spezialcommunities schon eine Weile für Spekulationen

gesorgt. Fakt ist, dass die NSA alles speichert. Und zwar

sowohl, was sie im Klartext bekommen, als auch das, was

Ihnen nur verschlüsselt zugänglich ist – das erst recht. Es gibt

immer noch denkbare Alternativen. Die Grundarchitektur des

Internets unterstützt dezentrale Kommunikation. Aber natürlich

sind es nicht »nur« die Amis, der BND hat soeben angekündigt,

100 Millionen Euro in ein gleichartiges Programm zu stecken.

Phase 2: Für Linke hier sind die deutschen Dienste sicherlich

entscheidender, oder? Ist nicht eine Online-Kommunikation

immer auch eine, zu der unter Umständen Ermittlungsdienste

oder Geheimdienste Zugang haben können?

nadir: Nein, nicht immer! Der Punkt ist wichtig, denn es gehört

ein Technikkollektiv Deines Vertrauens dazu. Gruppen wie nadir

und andere machen sich ja genau aus diesem Grund die Mühe.

Natürlich handelt es sich um ein komplexes Feld. Https allein ist

gewiss nicht die Lösung. Auch reicht ein Technikkollektiv alleine

nicht aus, da sich ein verantwortungsvoller Umgang mit dem

Medium nicht wegdelegieren lässt. Es ist ein Mix aus

Eigenverantwortung, vertrauenswürdiger Infrastruktur -

zumindest in Teilen -, Verschlüsselung und Datensparsamkeit.

Daten, die nicht gespeichert werden, können später auch nicht

beschlagnahmt werden. Der Unterschied, auf den wir hier

abzielen, ist zunächst primär einer der Haltung: Wenn die

Betreibenden alles daran setzen, dass die Behörden wenig oder

gar nichts bekommen, ist das mindestens die halbe Miete. Wir

empfehlen, beim Surfen und auch bei der Nutzung anderer

Services vermehrt mit Tor zu arbeiten. Damit bist Du erstmal

von vielen Angriffsvektoren verschont. Nicht allen, aber einigen.

Und die Kosten der Überwachung steigen enorm. Überwachung

ist heute eine Ökonomie wie jede andere auch: Wenn es teuer

wird, lohnt es sich nicht mehr. Außer die wollen wirklich DIR an

den Kragen. Aber das Massenscreening ist mit Tor nicht mehr

möglich. Das Tor Browser Bundle ist kinderleicht zu installieren

und zu bedienen. Und was die verschiedenen Dienste und

Polizeien angeht: Die tauschen auf europäischer, aber auch auf

internationaler, Ebene eh Daten aus. Insofern stellt sich

tatsächlich die Frage, ob der britische Geheimdienst für die

Linke vor Ort nicht doch die größere Bedrohung ist.

Phase 2: Vielen Dank für das Interview. Und danke, dass Ihr so

lange das virtuelle Phase2-zu-Hause ward bzw. immer noch für

unser Archiv seid.

nadir: Gerne. Zum Schluss noch unsere Forderung: Free

Bradley Manning und Edward Snowden!


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