Don Funktion One

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Angst vor deutschen Kleinstädten

don mudra 12:49

Don_Butcher_Angst_vor_deutschen_Kleinstädten

The_Don_Mudras_Wrestling_Keine_Angst_vor_deutschen_Kleinstädten

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Du Esel!

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Über das Töten

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Über das Töten


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Die Grenzen meiner Sprache…

don mudra 14:42

Die Grenzen meiner Sprache..


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Der liebende Affe

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Kölner Dom mit Kinder

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von Don Mudra


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Kölner Dom-Trauung

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Galerie Don Mudra

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Captain Pimmel

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Die große Krise der Geborgenheit

don mudra 15:50
08.02.2008
Die große Krise der Geborgenheit
Die Zunahme der psychischen Verelendung/Krankheit
Essay von Don Mudra
Hallo und herzlich willkommen bei Amor Fati am Sonntag. Das Thema heute: Die Zunahme der
psychischen Verelendung/Krankheit.
Nach einem Bericht der Krankenkassen , haben die psychischen Erkrankungen die höchsten
Zuwachsraten. Bei den Krankmeldungen am Arbeitsplatz liegen Depressionen, Angstneurosen und auch
sogenannte Anpassungsstörungen an zweiter oder dritter Stelle, nach Schädigung der Wirbelsäule, also
Bandscheibenproblemen und Herz- und Kreislauferkrankungen.
Die Ursachen dieser Zivilaktionskrankheiten sind relativ klar. Die Rücken – und Herz/Kreislaufschäden
haben ihre Ursache in der überwiegend sitzenden Tätigkeit in unserer Berufswelt und der allgemeinen
Bewegungsarmut und dem allgemeinen Stress, der unsere Arbeit – und Freizeitorganisation prägt.
Um die Zunahme der psychischen Krankheiten zu verstehen, müssen wir uns mit den anderen
Zivilisationskrankheiten beschäftigen. Die Wirbelsäule ist anscheinend für unsere Bewegungsarme
Lebensform ebenso wenig geschaffen, wie unser Herz – Kreislauf – System für die schnelle technisierte
Gesellschaft. Die Organe können sich nicht schnell genug anpassen, sind also nicht auf dem neusten
Stand der Zeit, um es mal salopp zu sagen. Dabei können sich Organe und Körperteile sehr wohl
anpassen. Der Magen und die Wirbelsäule bei einen Steinzeitmenschen sah anders aus, als bei den
heute lebenden Menschen. Aber der Steinzeitmensch hatte wahrscheinlich hunderttausende Jahre Zeit,
um sich den veränderten Umweltbedingungen anzupassen.
Die Organe und Körperteile des modernen Menschen haben durch die schnelle Veränderung der
Gesellschaft nicht soviel Zeit sich mitzuentwickeln. Von der Industrialisierung, die etwa 1785 in
Großbritannien begann, bis heute, sind nur knapp 220 Jahre vergangen. Das bedeutet, das unsere
Organe und Körperteile den veränderten Umständen hinterher hinken.
Wie aber kann die Psyche nicht mehr auf dem neusten Stand sein? Unsere Psyche ist wesentlich für
Stimmungen und Gefühle verantwortlich. Mit Gefühlen und Stimmungen passt sich die Psyche an die
Umwelt an, im Gegensatz zu den Instinktreaktionen. In grauen Vorzeiten müssten unsere Vorfahren,
damit rechnen, das sie einem fleischfressenden Tier begegneten. Wenn dies eintrat, ergriffen unsere
Vorfahren die Flucht, weil sie Angst hatten. Der moderne Mensch wird anders gefordert. Der moderne
Autofahrer hat vielleicht Angst vor der Polizei, weil er bekifft ein Auto steuert. Nur darf er nicht die Flucht
ergreifen, sondern muss diesen Fluchtreflex unterdrücken und sich dieser Situation stellen. Die Funktion
der Psyche liegt darin, unsere spontanen Affekte einer differenzierten Umwelt anzupassen
Woran muss sich die Psyche in unserer technischen Gesellschaft anpassen? Da sind vier Punkte zu
nennen.
1. Geschwindigkeitszunahme in allen sozialen Lebensbereichen.
2. Die Sinnestäuschung der Optimierung.
3. Informationsüberflutung und
4. Ein Bedeutung – und Orientierungsverlust.
Wie die Geschwindigkeitszunahme in der Arbeitswelt auf die Psyche wirkt, zeigt der Film “Moderne
Zeiten” von Charlie Chaplin sehr gut. Der Arbeiter wird vom Rhythmus der Maschine, mit der er arbeitet,
gnadenlos überfordert und liefert sich den Prozessen aus und verliert die Kontrolle. Oder der Pilot einer
Propellermaschine kann sich noch als Steuermann dieses Gerätes fühlen. Der Pilot eines modernen
Flugzeuges, ist seiner Maschine mehr oder minder ausgeliefert und fast überflüssig. Die Beschleunigung
des Lebens kann man auch an der Verbbleidauer an einem Wohnort ablesen. In den letzten 50 Jahren,
hat die Verweildauer an einem Wohnort stark abgenommen. Der moderne Mensch wird von äußeren
Umständen, sprich Arbeitsplatz und Familie, dazu gezwungen.
In der Arbeitswelt ist es ähnlich. Früher ging man davon aus, einen Arbeitsplatz sein ganzes Leben zu
haben. Heute muss man mit drei bis sieben Arbeitsplätzen rechnen. Eine noch stärkere Wirkung auf die
1
Psyche verursacht der beschleunigte Wechsel der familiären Verhältnisse. Beziehungen halten heute
nur noch halb so lang wie früher und der moderne Mensch verbraucht die dreifache Anzahl an Partner
als noch vor hundert Jahren.
Der Grund für diese Beschleunigung ist die Tatsache, das unsere Gesellschaft auf ökonomischen
Gewinn und damit auf Wachstum aufbaut. Auf einen beschleunigten Konsum und eine beschleunigte
Produktion. Je schneller produziert und verbraucht wird, desto höher der Gewinn.
Die Sinnestäuschung der Optimierung wirkt sich noch schlimmer auf die Psyche aus. Unsere
ökonomische Ordnung wird von einem ständigen Konsumbedürfnis aufrechterhalten. Der moderne
Konsument muss immer mit dem Gefühl herumlaufen, das er noch etwas braucht. Eine neue Jacke, eine
neue HiFi Anlage, ein neues Handy. Die Beschwörungen der Politiker an die Konsumenten, den
Binnenmarkt zu stärken und die Kaufzurückhaltung aufzugeben, ist mit verantwortlich für das ständige
Konsumbedürfnis. Die Botschaft der Marktwirtschaft, übermittelt von der Werbung laute: Du kannst noch
etwas besseres haben als du schon hast. Das erzeugt eine Spannung, die sich vorübergehend im
Konsum entladen kann und sich dann aber wieder sofort aufbaut und nach Befriedigung ruft. Auch im
privaten Bereich lautet die Botschaft: Du kannst einen besseren Partner finden, du kannst schöner sein,
du kannst dich besser fühlen usw. Der moderne Mensch ist durch diese Spannung geprägt, die eine
ständige Suche, nach dem anderen, besseren und neueren verursacht. Die Beschleunigung in allen
Bereichen und die Sinnestäuschung der Optimierung erzeugt beim Menschen Unruhe und Unsicherheit,
denn das Vertraute und Bekannte wird ständig vernichtet oder neu definiert.
Mit dem dritten Punkt, der Informationsflut, ist die große Krise der Geborgenheit da. Unsere bla bla bla
Medienwelt, gibt sich ihre Daseinsberechtigung aus folgenden Punkten: Es gibt einen erhöhten
Kommunikationsbedarf, weil die gesellschaftlichen Verhältnisse komplexer geworden sind und es gibt
eine unüberschaubares Informationsmöglichkeit. Hunderte von TV – und Radiosendungen, Internet,
Printmedien. Der Mensch hat ein angeborenes Informationsbedürfnis und das nutzt die Medienwelt
gnadenlos aus und überschüttet die Menschen mit Informationsmüll. Auch hier ist die Beschleunigung
der treibende Faktor. Informationen leben von ihrem Neuigkeitswert und müssen deshalb immer
schneller produziert werden und unter die Leute gebracht werden.
Wenn der Mensch zu viel Nahrung aufnimmt, ist er irgendwann satt. Bei der Informationsflut ist das
leider nicht so und deshalb hat der Mensch einen Abstumpfungsmechanismus. Auf eine Überreizung
reagiert die Psyche mit Neutralisierung und damit wird alles zu einem unbestimmten Geraune und
Gemurmel ohne Bedeutung. Um dieser Neutralisierung entgegenzuwirken müssen die Medien immer
schneller neue aufregende Neuigkeiten bringen um beachtet zu werden. Und aufregend ist in erster
Linie das, was ein Bedrohungspotential hinterlässt, und so nehmen wir tagtäglich die
Katastrophenmeldungen über Klimawandel, Terrorismus, Arbeitslosigkeit, Ölpreise, verdorbenes Fleisch
usw. auf. Leider funktioniert die Verdrängung bei diesem Overkill an Informationen nicht vollständig. Es
bleibt ein diffuses Bedrohungspotenzial zurück und verstärkt die Krise der Geborgenheit.
Die Informationsflut erzeugt nicht nur ein diffuses Bedrohungsgefühl, sondern auch eine
Orientierungslosigkeit und einen Bedeutungsverlust. Die Größe von Ideen und Idealen, verlieren dann
ihren Glanz, wenn diese in Konkurrenz zu anderen Ideen und Idealen treten müssen. Der moderne
Mensch muss sich für Werte und Bedeutungen entscheiden in einer Welt, in der es kaum noch
Verbindlichkeiten gibt. Ist Christus besser als Buddha oder ist Toleranz besser als Strenge? Das vor
einigen Jahren ins Leben gerufene “political correctness” ist ein gutes Beispiel für diese
Orientierungslosigkeit. Der Begriff wurde Anfang der 1990er Jahre geprägt. Der umstrittene Begriff für
eine “richtige” Einstellung, die alle Handlungen und Ausdrucksweisen ablehnt, die Personen aufgrund
ihrer Rasse, ihres Geschlechts, ihrer Zugehörigkeit zu einer bestimmten Schicht, ihre körperlichen oder
geistigen Behinderung oder ihrer sexuellen Neigungen diskriminieren. Aufgrund der Unschärfe des
Begriffes und seiner Inhalte wird PC von Kritikern als Mittel gesellschaftlicher Zensur abgelehnt. Mit PC
wurde versucht einen verbindlichen Konsens demokratischer Verhaltensweisen einzuführen. Der
Versuch misslang und übrig blieb nur Spott und Hohn. Der moderne Mensch ist also auf sich selbst
zurückgeworfen und muss sich selbstständig orientieren und Werte für sich schaffen. Jean-Paul Sartre
meinte vor 60 Jahren: “Im Grunde ist es egal, ob man sich im Stillen besäuft oder ob man die
Weltrevolution anstrebt: Ein Lebensentwurf ist wie der andere.”
2
Das Internet, setzt dem ganzen noch die Krone auf. Jeder kann was er will von sich geben ohne
Garantie auf Richtigkeit. Am Ende bleibt ein Einheitsbrei zurück, da es keine privilegierte Information
gibt. Das schlimme dabei ist, das der Demokratisierungseffekt den das Internet hat, eine Beliebigkeit und
Belanglosigkeit mit sich bringt, die wiederum in eine Bedeutung – und Orientierungslosigkeit führt.
Geschwindigkeitszunahme, Informationsüberflutung, die Sinnestäuschung der Optimierung und der
Bedeutung – und Orientierungsverlust lösen die große Krise der Geborgenheit aus.Nur durch Stabilität,
kontrollierte Reizzufuhr, Befriedigung der Bedürfnisse und feste Handlungsorientierung ist Geborgenheit
möglich.
Der Mensch ist ein sozial strukturiertes Wesen und hat eine Kindheit, die nach biologischen Maßstäben
lange dauert. In dieser Zeit der Reifung braucht der Mensch Geborgenheit, denn die Psyche ist auf die
Geborgenheit angewiesen. Auf einen Mangel an Geborgenheit reagiert unsere Psyche mit einer Reihe
von Verhaltens – und Ergebnisweisen. Eine mögliche Reaktion ist die Anspannung:z.b. wer in eine
unvertraute Gegend kommt ist immer angespannter als in vertrauter Umgebung. Weitere Reaktionen
sind Angst, Depression oder Aggression.
Wenn wir angespannt sind, reagiert der Körper mit Stress. Und Stress bewirkt eine erhöhte
Muskelanspannung, eine erhöhte Kreislaufaktivität, eine Einschränkung der Verdauungsfunktion und
noch einiges mehr. Wenn dieser Zustand nicht durch Bewegung umgesetzt werden kann, so drohen
Fehlfunktionen: Rückenschmerzen, bis hin zum Bandscheibenvorfall, Magengeschwüre oder
Erkrankungen des Herz – Kreislaufsystems. Das sind die üblichen Zivilisationskrankheiten, die aber ein
Resultat der Anspannung sind, die als Primärreaktion auf fehlende Geborgenheit folgt. Falls diese
psychosomatische Erkrankung noch nicht ausreicht und die Spannung bestehen bleibt, so kann die
Psyche mit dem Verlust des Handlungsimpulses reagieren. Wenn man ein Jungtier aussetzt, reagiert es
mit hektischen Aktivitäten, kann aber nichts erreichen. Dann erstarrt es und wird passiv. Eine
überforderte menschliche Psyche reagiert ähnlich. Den Verlust des Handlungsimpulses bezeichnet man
als Depression. In schweren Fällen kann der Verlust des Handlungsimpuls bis zur völligen Erstarrung
führen. Diesen Zustand ist als extremer Schutzmechanismus zu sehen.
Unsere technische Zivilisation, in einer globalisierten marktwirtschaftlichen Unordnung führt zu einer
Überforderung der Psyche. Aber der Mensch ist nicht dumm, er kann sich Prothesen schaffen. Zum
Beispiel Herzschrittmacher und Psychopharmaka. Die Psychopharmaka haben eine
Regulierungsfunktion für eine aus der Fassung geratene Psyche. Es gibt zwei Formen der Regulierung:
Aktivierend und sedierend. Bei Verlust des Handlungsimpulses führt die Tablette von außen Aktivität zu,
bei Panik wird eine Beruhigungstablette gegeben. Die nichtmedizinische Form der Psychoprothese ist
die Droge, wobei es keinen wesentlichen Unterschied zwischen Droge und Medikament gibt. Beide
führen in eine Abhängigkeit.
Weitere Prothesen in unserer technischen Zivilisation sind TV und Computer. Mit Hilfe dieser Prothesen
zieht der Mensch sich aus einer bedrohlichen Umwelt zurück, wird betäubt und verliert seine sozialen
Kontakte. Wer mehr als vier Stunden TV sieht oder am Computer sitzt, ist in den Medien gefangen und
nach außen betäubt. Das dumme an TV und Computer ist, das gleichzeitig mit der Betäubung das
Reizbedürfnis der Menschen gestillt wird. Die Betäubung und die Abschottung alleine genügen nicht,
denn der Mensch ist von Natur aus Neugierig. Also füttere die Medien den Menschen ständig mit neuen
Reizen und betäuben sie damit gleichzeitig. Es sind nicht nur die Medien die einen solchen Effekt haben,
unsere Freizeitindustrie bietet eine Reihe von Veranstaltungen, die auch diese Effekte erzeugen. Die
ganzen neuen Trendsportarten, wie Bungey Jumping, Steilwand klettern, Snowboard, und und und. Die
Krise der Geborgenheit, die den Einsatz von Psychoprothesen nach sich zieht, führt zu einer
Lebensform, die einen Menschen hervorbringen, der neben seiner Arbeit die meiste Zeit vor dem TV
oder Computer sitzt und seine sozialen Kontakte verliert.
Meine Oma oder mein Opa würden als Lösung folgendes vorschlagen:” Warum bleiben die Menschen
nicht mehr zu Hause und schauen aus dem Fenster. Beobachten die Wolken und die Vögel und was
weiß ich noch alles. Die Welt wäre um einiges friedlicher”. Meine Oma und mein Opa haben kein TV
geschaut und keine Zeitung gelesen und sind friedlich steinalt geworden.
Die ersten Schritte aus “dieser Krise der Geborgenheit”, sind für jeden einzelnen relativ leicht Machbar.
3
Sie bestehen aus der persönlichen Verweigerung von Informationsmüll und der Ablehnung unserer
Konsumwelt.
Bis vor 8 Jahren habe ich täglich zwei Tageszeitungen gelesen, den SPIEGEL einmal pro Woche, De
Bug, den Rolling Stone und zusätzlich die Architekturblätter meiner Partnerin. Seit 5 Jahren schaue ich
kein TV mehr, habe kein Internet und Email privat , gehe fast nie ins Kino und fühle mich seitdem viel,
viel besser. Ich bin seltener schlecht gelaunt und habe den Kopf frei für andere Dinge. Und trotz dieser
Informationsverweigerung, habe ich das Gefühl, das ich besser informiert bin, als die meisten anderen
Leute mit TV, Internet usw.
Die zweite Lösung, besteht in einer Konsumverweigerung. Ich nehme mir oft vor, das ich in den
nächsten Tagen kein Geld ausgeben will und bleibe konsequent zuhause oder gebe nichts aus wenn ich
raus muss. Das macht mich richtig fröhlich und ich fühle mich wie ein Revolutionär, der mit
Konsumverweigerung seinen Beitrag gegen Konsumterror und ungebremsten Wachstum leistet.
Meine Empfehlung auch für Sonnentage: Öfter mal zu Hause bleiben und schweigen!!
Vielen Dank fürs kommen und für eure Aufmerksamkeit. Tschüss
Quellen: Robert Schurz – Essay und Diskurs, Meyers Lexikon, Robert Musil: “Der Mann ohne
Eigenschaften”.
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08.02.2008Die große Krise der GeborgenheitDie Zunahme der psychischen Verelendung/KrankheitEssay von Don MudraHallo und herzlich willkommen bei Amor Fati am Sonntag. Das Thema heute: Die Zunahme derpsychischen Verelendung/Krankheit.Nach einem Bericht der Krankenkassen , haben die psychischen Erkrankungen die höchstenZuwachsraten. Bei den Krankmeldungen am Arbeitsplatz liegen Depressionen, Angstneurosen und auchsogenannte Anpassungsstörungen an zweiter oder dritter Stelle, nach Schädigung der Wirbelsäule, alsoBandscheibenproblemen und Herz- und Kreislauferkrankungen.Die Ursachen dieser Zivilaktionskrankheiten sind relativ klar. Die Rücken – und Herz/Kreislaufschädenhaben ihre Ursache in der überwiegend sitzenden Tätigkeit in unserer Berufswelt und der allgemeinenBewegungsarmut und dem allgemeinen Stress, der unsere Arbeit – und Freizeitorganisation prägt.Um die Zunahme der psychischen Krankheiten zu verstehen, müssen wir uns mit den anderenZivilisationskrankheiten beschäftigen. Die Wirbelsäule ist anscheinend für unsere BewegungsarmeLebensform ebenso wenig geschaffen, wie unser Herz – Kreislauf – System für die schnelle technisierteGesellschaft. Die Organe können sich nicht schnell genug anpassen, sind also nicht auf dem neustenStand der Zeit, um es mal salopp zu sagen. Dabei können sich Organe und Körperteile sehr wohlanpassen. Der Magen und die Wirbelsäule bei einen Steinzeitmenschen sah anders aus, als bei denheute lebenden Menschen. Aber der Steinzeitmensch hatte wahrscheinlich hunderttausende Jahre Zeit,um sich den veränderten Umweltbedingungen anzupassen.Die Organe und Körperteile des modernen Menschen haben durch die schnelle Veränderung derGesellschaft nicht soviel Zeit sich mitzuentwickeln. Von der Industrialisierung, die etwa 1785 inGroßbritannien begann, bis heute, sind nur knapp 220 Jahre vergangen. Das bedeutet, das unsereOrgane und Körperteile den veränderten Umständen hinterher hinken.Wie aber kann die Psyche nicht mehr auf dem neusten Stand sein? Unsere Psyche ist wesentlich fürStimmungen und Gefühle verantwortlich. Mit Gefühlen und Stimmungen passt sich die Psyche an dieUmwelt an, im Gegensatz zu den Instinktreaktionen. In grauen Vorzeiten müssten unsere Vorfahren,damit rechnen, das sie einem fleischfressenden Tier begegneten. Wenn dies eintrat, ergriffen unsereVorfahren die Flucht, weil sie Angst hatten. Der moderne Mensch wird anders gefordert. Der moderneAutofahrer hat vielleicht Angst vor der Polizei, weil er bekifft ein Auto steuert. Nur darf er nicht die Fluchtergreifen, sondern muss diesen Fluchtreflex unterdrücken und sich dieser Situation stellen. Die Funktionder Psyche liegt darin, unsere spontanen Affekte einer differenzierten Umwelt anzupassenWoran muss sich die Psyche in unserer technischen Gesellschaft anpassen? Da sind vier Punkte zunennen.1. Geschwindigkeitszunahme in allen sozialen Lebensbereichen.2. Die Sinnestäuschung der Optimierung.3. Informationsüberflutung und4. Ein Bedeutung – und Orientierungsverlust.Wie die Geschwindigkeitszunahme in der Arbeitswelt auf die Psyche wirkt, zeigt der Film “ModerneZeiten” von Charlie Chaplin sehr gut. Der Arbeiter wird vom Rhythmus der Maschine, mit der er arbeitet,gnadenlos überfordert und liefert sich den Prozessen aus und verliert die Kontrolle. Oder der Pilot einerPropellermaschine kann sich noch als Steuermann dieses Gerätes fühlen. Der Pilot eines modernenFlugzeuges, ist seiner Maschine mehr oder minder ausgeliefert und fast überflüssig. Die Beschleunigungdes Lebens kann man auch an der Verbbleidauer an einem Wohnort ablesen. In den letzten 50 Jahren,hat die Verweildauer an einem Wohnort stark abgenommen. Der moderne Mensch wird von äußerenUmständen, sprich Arbeitsplatz und Familie, dazu gezwungen.In der Arbeitswelt ist es ähnlich. Früher ging man davon aus, einen Arbeitsplatz sein ganzes Leben zuhaben. Heute muss man mit drei bis sieben Arbeitsplätzen rechnen. Eine noch stärkere Wirkung auf die1Psyche verursacht der beschleunigte Wechsel der familiären Verhältnisse. Beziehungen halten heutenur noch halb so lang wie früher und der moderne Mensch verbraucht die dreifache Anzahl an Partnerals noch vor hundert Jahren.Der Grund für diese Beschleunigung ist die Tatsache, das unsere Gesellschaft auf ökonomischenGewinn und damit auf Wachstum aufbaut. Auf einen beschleunigten Konsum und eine beschleunigteProduktion. Je schneller produziert und verbraucht wird, desto höher der Gewinn.Die Sinnestäuschung der Optimierung wirkt sich noch schlimmer auf die Psyche aus. Unsereökonomische Ordnung wird von einem ständigen Konsumbedürfnis aufrechterhalten. Der moderneKonsument muss immer mit dem Gefühl herumlaufen, das er noch etwas braucht. Eine neue Jacke, eineneue HiFi Anlage, ein neues Handy. Die Beschwörungen der Politiker an die Konsumenten, denBinnenmarkt zu stärken und die Kaufzurückhaltung aufzugeben, ist mit verantwortlich für das ständigeKonsumbedürfnis. Die Botschaft der Marktwirtschaft, übermittelt von der Werbung laute: Du kannst nochetwas besseres haben als du schon hast. Das erzeugt eine Spannung, die sich vorübergehend imKonsum entladen kann und sich dann aber wieder sofort aufbaut und nach Befriedigung ruft. Auch imprivaten Bereich lautet die Botschaft: Du kannst einen besseren Partner finden, du kannst schöner sein,du kannst dich besser fühlen usw. Der moderne Mensch ist durch diese Spannung geprägt, die eineständige Suche, nach dem anderen, besseren und neueren verursacht. Die Beschleunigung in allenBereichen und die Sinnestäuschung der Optimierung erzeugt beim Menschen Unruhe und Unsicherheit,denn das Vertraute und Bekannte wird ständig vernichtet oder neu definiert.Mit dem dritten Punkt, der Informationsflut, ist die große Krise der Geborgenheit da. Unsere bla bla blaMedienwelt, gibt sich ihre Daseinsberechtigung aus folgenden Punkten: Es gibt einen erhöhtenKommunikationsbedarf, weil die gesellschaftlichen Verhältnisse komplexer geworden sind und es gibteine unüberschaubares Informationsmöglichkeit. Hunderte von TV – und Radiosendungen, Internet,Printmedien. Der Mensch hat ein angeborenes Informationsbedürfnis und das nutzt die Medienweltgnadenlos aus und überschüttet die Menschen mit Informationsmüll. Auch hier ist die Beschleunigungder treibende Faktor. Informationen leben von ihrem Neuigkeitswert und müssen deshalb immerschneller produziert werden und unter die Leute gebracht werden.Wenn der Mensch zu viel Nahrung aufnimmt, ist er irgendwann satt. Bei der Informationsflut ist dasleider nicht so und deshalb hat der Mensch einen Abstumpfungsmechanismus. Auf eine Überreizungreagiert die Psyche mit Neutralisierung und damit wird alles zu einem unbestimmten Geraune undGemurmel ohne Bedeutung. Um dieser Neutralisierung entgegenzuwirken müssen die Medien immerschneller neue aufregende Neuigkeiten bringen um beachtet zu werden. Und aufregend ist in ersterLinie das, was ein Bedrohungspotential hinterlässt, und so nehmen wir tagtäglich dieKatastrophenmeldungen über Klimawandel, Terrorismus, Arbeitslosigkeit, Ölpreise, verdorbenes Fleischusw. auf. Leider funktioniert die Verdrängung bei diesem Overkill an Informationen nicht vollständig. Esbleibt ein diffuses Bedrohungspotenzial zurück und verstärkt die Krise der Geborgenheit.Die Informationsflut erzeugt nicht nur ein diffuses Bedrohungsgefühl, sondern auch eineOrientierungslosigkeit und einen Bedeutungsverlust. Die Größe von Ideen und Idealen, verlieren dannihren Glanz, wenn diese in Konkurrenz zu anderen Ideen und Idealen treten müssen. Der moderneMensch muss sich für Werte und Bedeutungen entscheiden in einer Welt, in der es kaum nochVerbindlichkeiten gibt. Ist Christus besser als Buddha oder ist Toleranz besser als Strenge? Das voreinigen Jahren ins Leben gerufene “political correctness” ist ein gutes Beispiel für dieseOrientierungslosigkeit. Der Begriff wurde Anfang der 1990er Jahre geprägt. Der umstrittene Begriff füreine “richtige” Einstellung, die alle Handlungen und Ausdrucksweisen ablehnt, die Personen aufgrundihrer Rasse, ihres Geschlechts, ihrer Zugehörigkeit zu einer bestimmten Schicht, ihre körperlichen odergeistigen Behinderung oder ihrer sexuellen Neigungen diskriminieren. Aufgrund der Unschärfe desBegriffes und seiner Inhalte wird PC von Kritikern als Mittel gesellschaftlicher Zensur abgelehnt. Mit PCwurde versucht einen verbindlichen Konsens demokratischer Verhaltensweisen einzuführen. DerVersuch misslang und übrig blieb nur Spott und Hohn. Der moderne Mensch ist also auf sich selbstzurückgeworfen und muss sich selbstständig orientieren und Werte für sich schaffen. Jean-Paul Sartremeinte vor 60 Jahren: “Im Grunde ist es egal, ob man sich im Stillen besäuft oder ob man dieWeltrevolution anstrebt: Ein Lebensentwurf ist wie der andere.”2Das Internet, setzt dem ganzen noch die Krone auf. Jeder kann was er will von sich geben ohneGarantie auf Richtigkeit. Am Ende bleibt ein Einheitsbrei zurück, da es keine privilegierte Informationgibt. Das schlimme dabei ist, das der Demokratisierungseffekt den das Internet hat, eine Beliebigkeit undBelanglosigkeit mit sich bringt, die wiederum in eine Bedeutung – und Orientierungslosigkeit führt.Geschwindigkeitszunahme, Informationsüberflutung, die Sinnestäuschung der Optimierung und derBedeutung – und Orientierungsverlust lösen die große Krise der Geborgenheit aus.Nur durch Stabilität,kontrollierte Reizzufuhr, Befriedigung der Bedürfnisse und feste Handlungsorientierung ist Geborgenheitmöglich.Der Mensch ist ein sozial strukturiertes Wesen und hat eine Kindheit, die nach biologischen Maßstäbenlange dauert. In dieser Zeit der Reifung braucht der Mensch Geborgenheit, denn die Psyche ist auf dieGeborgenheit angewiesen. Auf einen Mangel an Geborgenheit reagiert unsere Psyche mit einer Reihevon Verhaltens – und Ergebnisweisen. Eine mögliche Reaktion ist die Anspannung:z.b. wer in eineunvertraute Gegend kommt ist immer angespannter als in vertrauter Umgebung. Weitere Reaktionensind Angst, Depression oder Aggression.Wenn wir angespannt sind, reagiert der Körper mit Stress. Und Stress bewirkt eine erhöhteMuskelanspannung, eine erhöhte Kreislaufaktivität, eine Einschränkung der Verdauungsfunktion undnoch einiges mehr. Wenn dieser Zustand nicht durch Bewegung umgesetzt werden kann, so drohenFehlfunktionen: Rückenschmerzen, bis hin zum Bandscheibenvorfall, Magengeschwüre oderErkrankungen des Herz – Kreislaufsystems. Das sind die üblichen Zivilisationskrankheiten, die aber einResultat der Anspannung sind, die als Primärreaktion auf fehlende Geborgenheit folgt. Falls diesepsychosomatische Erkrankung noch nicht ausreicht und die Spannung bestehen bleibt, so kann diePsyche mit dem Verlust des Handlungsimpulses reagieren. Wenn man ein Jungtier aussetzt, reagiert esmit hektischen Aktivitäten, kann aber nichts erreichen. Dann erstarrt es und wird passiv. Eineüberforderte menschliche Psyche reagiert ähnlich. Den Verlust des Handlungsimpulses bezeichnet manals Depression. In schweren Fällen kann der Verlust des Handlungsimpuls bis zur völligen Erstarrungführen. Diesen Zustand ist als extremer Schutzmechanismus zu sehen.Unsere technische Zivilisation, in einer globalisierten marktwirtschaftlichen Unordnung führt zu einerÜberforderung der Psyche. Aber der Mensch ist nicht dumm, er kann sich Prothesen schaffen. ZumBeispiel Herzschrittmacher und Psychopharmaka. Die Psychopharmaka haben eineRegulierungsfunktion für eine aus der Fassung geratene Psyche. Es gibt zwei Formen der Regulierung:Aktivierend und sedierend. Bei Verlust des Handlungsimpulses führt die Tablette von außen Aktivität zu,bei Panik wird eine Beruhigungstablette gegeben. Die nichtmedizinische Form der Psychoprothese istdie Droge, wobei es keinen wesentlichen Unterschied zwischen Droge und Medikament gibt. Beideführen in eine Abhängigkeit.Weitere Prothesen in unserer technischen Zivilisation sind TV und Computer. Mit Hilfe dieser Prothesenzieht der Mensch sich aus einer bedrohlichen Umwelt zurück, wird betäubt und verliert seine sozialenKontakte. Wer mehr als vier Stunden TV sieht oder am Computer sitzt, ist in den Medien gefangen undnach außen betäubt. Das dumme an TV und Computer ist, das gleichzeitig mit der Betäubung dasReizbedürfnis der Menschen gestillt wird. Die Betäubung und die Abschottung alleine genügen nicht,denn der Mensch ist von Natur aus Neugierig. Also füttere die Medien den Menschen ständig mit neuenReizen und betäuben sie damit gleichzeitig. Es sind nicht nur die Medien die einen solchen Effekt haben,unsere Freizeitindustrie bietet eine Reihe von Veranstaltungen, die auch diese Effekte erzeugen. Dieganzen neuen Trendsportarten, wie Bungey Jumping, Steilwand klettern, Snowboard, und und und. DieKrise der Geborgenheit, die den Einsatz von Psychoprothesen nach sich zieht, führt zu einerLebensform, die einen Menschen hervorbringen, der neben seiner Arbeit die meiste Zeit vor dem TVoder Computer sitzt und seine sozialen Kontakte verliert.Meine Oma oder mein Opa würden als Lösung folgendes vorschlagen:” Warum bleiben die Menschennicht mehr zu Hause und schauen aus dem Fenster. Beobachten die Wolken und die Vögel und wasweiß ich noch alles. Die Welt wäre um einiges friedlicher”. Meine Oma und mein Opa haben kein TVgeschaut und keine Zeitung gelesen und sind friedlich steinalt geworden.Die ersten Schritte aus “dieser Krise der Geborgenheit”, sind für jeden einzelnen relativ leicht Machbar.3Sie bestehen aus der persönlichen Verweigerung von Informationsmüll und der Ablehnung unsererKonsumwelt.Bis vor 8 Jahren habe ich täglich zwei Tageszeitungen gelesen, den SPIEGEL einmal pro Woche, DeBug, den Rolling Stone und zusätzlich die Architekturblätter meiner Partnerin. Seit 5 Jahren schaue ichkein TV mehr, habe kein Internet und Email privat , gehe fast nie ins Kino und fühle mich seitdem viel,viel besser. Ich bin seltener schlecht gelaunt und habe den Kopf frei für andere Dinge. Und trotz dieserInformationsverweigerung, habe ich das Gefühl, das ich besser informiert bin, als die meisten anderenLeute mit TV, Internet usw.Die zweite Lösung, besteht in einer Konsumverweigerung. Ich nehme mir oft vor, das ich in dennächsten Tagen kein Geld ausgeben will und bleibe konsequent zuhause oder gebe nichts aus wenn ichraus muss. Das macht mich richtig fröhlich und ich fühle mich wie ein Revolutionär, der mitKonsumverweigerung seinen Beitrag gegen Konsumterror und ungebremsten Wachstum leistet.Meine Empfehlung auch für Sonnentage: Öfter mal zu Hause bleiben und schweigen!!Vielen Dank fürs kommen und für eure Aufmerksamkeit. TschüssQuellen: Robert Schurz – Essay und Diskurs, Meyers Lexikon, Robert Musil: “Der Mann ohneEigenschaften”.4


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Ausstellung von Robby Weiss an allen Sonntagen im Februar

don mudra 17:03
FLOWERS
Ausstellung von Robby Weiss
Arbeiten auf Papier
Offen: Alle Sonntage im Februar ab 16 Uhr
oder nach Vereinbarung
Galerie Don Mudra
Norderreihe 63
22767 Altona

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